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Wirtschaft

Nebenverdienst

2,7 Millionen Deutsche arbeiten in zwei Jobs

Immer mehr Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einem Nebenjob nach. Der Grund dafür ist längst nicht immer nur finanzielle Not.

AP

Kellnerin (Archivbild)

Dienstag, 29.08.2017   10:18 Uhr

Die Zahl der Zweitjobs in Deutschland ist weiter gestiegen. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit gingen im Dezember 2016 insgesamt fast 2,7 Millionen Menschen im Nebenjob einer geringfügigen Beschäftigung nach. (Mehr Hintergründe zum Jobmarkt können Sie in unserem Dossier zur Bundestagswahl nachlesen.)

Mehr als die Hälfte der angestellten Nebenjobber macht den Minijob zusätzlich zur Vollzeitbeschäftigung. In den vergangenen Jahren habe es einen starken Anstieg bei Nebenjobbern gegeben: "Seit den Hartz-Reformen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt", sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). 2003 gingen lediglich 1,2 Millionen Menschen im Nebenberuf einem Minijob nach; im Dezember 2015 waren es 2,57 Millionen.

Vor allem Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Verdienst im Hauptjob hätten einen zusätzlichen Minijob, meint der Forscher. Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn "brutto ist wie netto".

Geringfügige Nebenbeschäftigungen auf 450 Euro-Basis wurden durch die Hartz-Reformen begünstigt: Minijobber zahlen mit Ausnahme der Rentenversicherung keine Sozialabgaben - von der Rentenversicherung kann man sich allerdings befreien lassen "und das tun auch die meisten", sagt Weber. Was heute aus finanzieller Sicht hilfreich sei, könne für die Zukunft allerdings kritisch sein, meint er. Bei der Rente könne es dann ein böses Erwachen geben.

Die meisten Nebenjobs gibt es im Einzelhandel und Gastgewerbe, in anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Ihre Hauptjobs haben die Nebenjobber zum Teil in den gleichen Branchen. Am häufigsten arbeiten sie laut der Analyse jedoch hauptberuflich im verarbeitenden Gewerbe.

ssu/dpa

insgesamt 131 Beiträge
Nordstadtbewohner 29.08.2017
1. Das sehe ich anders
"Minijobber zahlen mit Ausnahme der Rentenversicherung keine Sozialabgaben - von der Rentenversicherung kann man sich allerdings befreien lassen "und das tun auch die meisten", sagt Weber. Was heute aus finanzieller [...]
"Minijobber zahlen mit Ausnahme der Rentenversicherung keine Sozialabgaben - von der Rentenversicherung kann man sich allerdings befreien lassen "und das tun auch die meisten", sagt Weber. Was heute aus finanzieller Sicht hilfreich sei, könne für die Zukunft allerdings kritisch sein, meint er. Bei der Rente könne es dann ein böses Erwachen geben." Den Menschen in Deutschland wird langsam bewusst, dass die gesetzliche Rentenversicherung ein Auslaufmodell ist, welches mangels Masse (= zukünftige Zahl der Rentenbeitragszahler wird immer geringer) so nicht aufrecht erhalten werden kann und zu Hartz-IV-Renten führt. Wer also Rentenversicherungsbeiträge für seinen Zweitjob abführt, kann das Geld auch zum Fenster rauswerfen. Ich finde es gut, dass Geringverdiener ihr Arbeitsvolumen erhöhen, um finanziell flexibler zu werden.
nic 29.08.2017
2.
"Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn "brutto ist wie netto"." Aber sicher. Tagsüber Abteilungsleiter und Abends im Lager. [...]
"Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn "brutto ist wie netto"." Aber sicher. Tagsüber Abteilungsleiter und Abends im Lager. Einfach weil es Spaß macht.
Netquette 29.08.2017
3. Nicht immer nur finanizieller Not?
..keine Steuerabgaben als Anreiz für ein Nebenjob, heisst es jetzt, dass die Menschen ihren Nebenjob als Hobby machen und Mehrarbeit aus Steuerspargründen machen? Sehr fragwürdig diese Aussage und passt zum Wahlkampfjahr. Bloß [...]
..keine Steuerabgaben als Anreiz für ein Nebenjob, heisst es jetzt, dass die Menschen ihren Nebenjob als Hobby machen und Mehrarbeit aus Steuerspargründen machen? Sehr fragwürdig diese Aussage und passt zum Wahlkampfjahr. Bloß nicht eingestehen, dass für ein Großteil der arbeitenden Bevölkerungen der Lohn nicht ausreicht Rechnungen zu bezahlen. natürlich muss in Deutschland niemand Hungern, aber Urlaub, Kinder in der Schule oder im Kindergarten wird es eng oder geht gar nicht mehr. So kann man die soziale Armut auch Kleinrechnen..
allessuper 29.08.2017
4. nicht immer. Klar.
aber zum einen lieben wir es zu arbeiten, dann müssen wir nicht denken. Außerdem geht die Wohlstandschraube ja immer weiter höher, je mehr der Nachbar vorzuweisen hat. Dennoch müssen viele zwei bis drei Jobs haben, um sich [...]
aber zum einen lieben wir es zu arbeiten, dann müssen wir nicht denken. Außerdem geht die Wohlstandschraube ja immer weiter höher, je mehr der Nachbar vorzuweisen hat. Dennoch müssen viele zwei bis drei Jobs haben, um sich über Wasser zu halten. Und da sich die Ärmsten immer am meisten schämen, wird es oft nicht gesagt..
frankfurtbeat 29.08.2017
5. Was heute aus ...
"Was heute aus finanzieller Sicht hilfreich sei, könne für die Zukunft allerdings kritisch sein, meint er. Bei der Rente könne es dann ein böses Erwachen geben. "? ups ist die Rente wohl wieder sicher? Jetzt [...]
"Was heute aus finanzieller Sicht hilfreich sei, könne für die Zukunft allerdings kritisch sein, meint er. Bei der Rente könne es dann ein böses Erwachen geben. "? ups ist die Rente wohl wieder sicher? Jetzt ehrlich? Hatte Blüm doch recht? In Anbetracht der vielen neu geschaffenen low-paid-jobs und damit einhergehend niedrigen Beiträgen zur Sozialversicherung, der Alterspyramide und eventuellen konjunkturellen Zyklen sehe ich "schwarz" für das solidarische System. Weiterhin wird der Staat durch zukünftig sehr hohe Beamtenpensionszahlungen belastet ... woher nehmen?

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