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Wirtschaft

Schweizer Industriekonzern

ABB-Chef geht mitten im Umbau

ABB hat Anleger mit zwei Nachrichten überrumpelt. Unternehmenschef Ulrich Spiesshofer tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Zugleich vermeldete der Schweizer Industriekonzern einen Gewinnrückgang.

Ennio Leanza / DPA

Ulrich Spiesshofer

Mittwoch, 17.04.2019   10:26 Uhr

Nach fast sechs Jahren an der Spitze verlässt der Chef des Schweizer Industriekonzerns ABB überraschend das Unternehmen. "Ich werde nun eine Auszeit nehmen, bevor ich über das nächste Kapitel meines Berufslebens entscheide", wird Spiesshofer in einer Mitteilung des Konzerns zitiert. Das in Zürich ansässige Unternehmen gab keine Gründe für den Schritt "in gegenseitigem Einvernehmen" an. Spiesshofers Aufgabe übernehme vorübergehend Verwaltungsratspräsident Peter Voser, teilte ABB mit.

ABB Chart zeigen legte am Mittwoch zudem zwei Wochen früher als erwartet Geschäftszahlen vor. Der Konzerngewinn ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um sechs Prozent auf 535 Millionen Dollar zurück. Investoren hatten seit Längerem einen Mangel an neuen Großaufträgen und eine unbefriedigende operative Entwicklung kritisiert.

Spiesshofer schrieb in der Mitteilung, er übergebe "ein getrimmtes ABB-Schiff, das auf klarem Kurs ist und an Fahrt gewinnt". Auf Twitter schrieb er: "Es ist Zeit, Lebewohl zu sagen." Der in Baden-Württemberg geborene Spiesshofer (55) stand seit 2013 an der Spitze des Unternehmens.

ABB ist ein Konkurrent von Siemens Chart zeigen und vor allem in der Automatisierung und Digitalisierung der Industrie tätig. Der Konzern hat fast 150.000 Mitarbeiter in mehr als hundert Ländern. ABB steckt mitten im Umbau. Angesichts einer über Jahre mauen Kursentwicklung hatten Aktionäre wie der aktivistische Fonds Cevian zwar immer wieder Änderungen an der Strategie Spiesshofers gefordert. Doch mit der Ankündigung des Verkaufs der Stromnetzsparte im Dezember verstummte die Kritik.

Zudem waren auch Firmeninsider der Ansicht, dass der ebenfalls im Dezember angestoßene erneute Konzernumbau am besten von Spiesshofer, der sowohl die Schweizer als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, umgesetzt werden könne.

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 1 Beitrag
surfing 17.04.2019
1. Was haben die denn für Firmeninsider gefragt?
Spiesshofer war ein einziges Trauerspiel eines typischen McKinsey Beraterblenders. Nichts hat der Mann zusammengebracht, aber jedes Jahr ordentlich abkassiert. So wollte er jahrelang das Stromnetzgeschäft nicht verkaufen, um es [...]
Spiesshofer war ein einziges Trauerspiel eines typischen McKinsey Beraterblenders. Nichts hat der Mann zusammengebracht, aber jedes Jahr ordentlich abkassiert. So wollte er jahrelang das Stromnetzgeschäft nicht verkaufen, um es dann auf Aktionärsdruck trotzdem zu tun - wobei die Aktie danach noch weiter fiel (da natürlich viel zu spät). Es ist ein Wunder, dass der Mann solange da oben überlebt hat. Endlich übernehmen aktive Aktionäre und drehen hoffentlich das Schiff bevor es zu spät ist.

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