Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

100 Millionen Euro für den Fiskus

Steuernachzahlung löst Streit beim ADAC aus

Der ADAC muss laut "Süddeutscher Zeitung" Steuern in Höhe von 100 Millionen Euro nachzahlen. Doch einige der mächtigen Regionalklubs wollen sich demnach nicht beteiligen und drohen sogar mit einer Klage.

DPA

Fahrzeuge der ADAC-Pannenhilfe

Freitag, 25.01.2019   08:15 Uhr

Beim ADAC gibt es laut "Süddeutscher Zeitung" Streit über eine Steuernachzahlung. Demnach hat das Bundeszentralamt für Steuern einen Teil der ADAC-Mitgliedsbeiträge als versicherungssteuerpflichtig eingestuft. Hintergrund ist die Pannen- und Unfallhilfe des Klubs. Dieser muss laut dem Bericht 100 Millionen Euro Steuern für die Jahre 2016 bis 2018 nachzahlen. Das Geld sei bereits überwiesen worden. Ein ADAC-Sprecher bestätigte demnach "die Größenordnung", nannte aber keinen genauen Betrag.

Doch laut "SZ" ist intern ein Streit über die Finanzierung der Steuernachzahlung entbrannt. Demnach möchte die ADAC-Spitze die 18 Regionalklubs beteiligen. Fünf davon wehren sich laut "SZ" aber dagegen - darunter auch der ADAC-Regionalklub Niederrhein. Dieser wiederum wird von Peter Meyer geführt, der nach der Aufdeckung der Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" 2014 seinen Posten als ADAC-Präsident räumen musste.

Laut "SZ" drohen die fünf Regionalklubs sogar mit einer Klage. ADAC-Präsident August Markl setzt demnach "auf ein Umdenken" seiner Kollegen und will an der Beteiligung der Regionalklubs an der Zahlung festhalten. "Wir haben demokratische Beschlüsse der Gremien, an die wir uns halten und nach denen wir handeln. Die große Mehrheit der Regionalklubs sieht das genauso", zitiert ihn die "SZ".

Bereits 2017 musste der ADAC Steuern in Höhe von 90 Millionen Euro rückwirkend ab 2014 nachzahlen. Auch damals ging es um Abgaben auf Leistungen für die Mitglieder wie Pannen- und Unfallhilfeleistungen. Laut "SZ" kalkuliert der Automobilklub inzwischen damit, ab 2019 zwischen 30 und 35 Millionen Euro jährlich an das Finanzamt abführen zu müssen.

ADAC will auch Schlüsselnotdienst anbieten

Der ADAC steckt derzeit in einem schwierigen Reformprozess. Der Skandal um den "Gelben Engel" hatte den Autoklub vor zwei Jahren in die größte Krise der Vereinsgeschichte gestürzt. Zwischen 2009 und 2013 wurden neben der Teilnehmerzahl bei dem Autopreis auch die Rangfolge der Gewinnerfahrzeuge gefälscht. Dies hatte das Vertrauen in den Autoklub massiv geschwächt.

Um sich den Vereinsstatus mit Steuervorteilen und Ehrenamt zu erhalten, trennte der ADAC sein Versicherungs- und Verlagsgeschäft ab. Neben dem Verein und der gemeinnützigen ADAC-Stiftung, die sich um Luftrettung und Verkehrserziehung kümmert, gibt es die Aktiengesellschaft ADAC SE. Dort hat der Klub seine kommerziellen Aktivitäten gebündelt und ist vor allem im Versicherungsgeschäft aktiv. 2017 betrug der Jahresumsatz dieser Aktiengesellschaft rund 1,2 Milliarden Euro.

Der Automobilklub mit mehr als 20 Millionen Mitgliedern will künftig mehr als allgemeiner Mobilitätsdienstleister auftreten. So versucht sich der Klub laut einem Bericht der "WirtschaftsWoche" auch im Schlüsselnotdienst-Geschäft. Ein entsprechendes Pilotprojekt soll demnach bereits Ende Januar im Münchner Stadtgebiet starten. ADAC-Mitglieder können dort dann auch die Pannenhelfer rufen, wenn sie sich etwa ausgesperrt haben.

Das Pilotprojekt soll laut "WiWo" zunächst ein halbes Jahr dauern. Danach will der ADAC entscheiden, ob die Schlüssel-Not-Versicherung nur Mitgliedern vorbehalten bleibt, und ob sie auf andere Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern ausgeweitet werden kann.

mmq

Sagen Sie Ihre Meinung!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP