Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Neueröffnung in Shanghai

So schick sieht eine Aldi-Filiale in China aus

Mit Sauerkraut und Schweinshaxe will Aldi chinesische Kunden gewinnen. Hochwertige Produkte und ein modernes Design sollen die Mittelschicht zum Kaufen anregen - kann das funktionieren?

Andrew Meredith / ALDI China / DPA
Freitag, 07.06.2019   19:06 Uhr

Aldi in Deutschland, das ist meist eine große Halle mit einigen Regalreihen, Türmen aus Plastikflaschen im Sechserpack und Aktionsangeboten für Gartenmöbel oder Sportkleidung. Nun hat der Discounter nach China expandiert. Die ersten Filialen sind im Jing'an Sporteinkaufszentrum sowie im Gumei Life Plaza im Minhang Bezirk in Shanghai eröffnet worden - und sehen von innen ganz anders aus als die deutschen.

In Shanghai bietet Aldi auch Fertiggerichte an, wie Schweinshaxe mit Sauerkraut und Bratkartoffeln, Krebse nach scharfer Sichuan Art und ein "Berliner Bao", eine Kombination aus deutscher Wurst mit Sauerkraut in einer chinesischen Dampfnudel. Daneben gibt es hochwertige Importwaren zu kaufen: Rindfleisch und Milch aus Australien, Wein aus Bordeaux, Bioprodukte oder auch trendiges Craftbeer aus dem nahe gelegenen Hangzhou.

Fotostrecke

Schweinshaxen, Sauerkraut und bunte Farben: Aldi in Shanghai

Aldis Zielgruppe in China ist die zahlungskräftige Mittelschicht. Während Aldi Süd bereits seit 2017 online über die Handelsplattform Tmall in China verkauft, will die Unternehmensgruppe mit den zwei Läden jetzt das stationäre Geschäft testen, um die chinesischen Verbraucher besser zu verstehen. In diesem Jahr sollen in China nach unbestätigten Berichten zehn Filialen aufgebaut werden.

China gilt als schwierig für ausländische Händler

Das Potenzial ist groß: China dürfte nach den Erwartungen des Marktforschungsinstituts IDG in vier Jahren die USA als größter Lebensmittelmarkt abgelöst haben. "Die Möglichkeiten für Aldi, in diesem Markt präsent zu sein, sind deswegen bedeutend", sagte Nick Miles, IDG-Chef Asien-Pazifik. "Aber es wird nicht ohne Risiko sein."

Denn der Markt gilt als schwierig für ausländische Händler. Aldis deutscher Konkurrent Lidl hat sich gerade leise aus dem Onlinegeschäft in China zurückgezogen. Der spanische Discounter Dia hat 2018 nach 15 Jahren in der Volksrepublik seine 450 Filialen an die chinesische Suning-Gruppe verkauft, weil die Verluste zu groß wurden. Auch der britische Einzelhändler Tesco war 2014 in China gescheitert.

Westliche Marken gelten als Qualitätsprodukte

Aldi, das in elf Ländern mit 6240 Filialen aktiv ist, setzt in China auf eine besondere Strategie: Keine Billigware, sondern ausgesuchte, höherwertigere Produkte. Die Qualität soll garantiert werden, da chinesische Kunden schon so manchen Lebensmittelskandal erlebt haben. "In der Vergangenheit ging es dem chinesischen Kunden um den Preis", sagte Liu Shengjun, Vizepräsident der China-Europe Business School in Peking. "In jüngster Zeit schenken sie aber der Qualität und Sicherheit der Produkte mehr Aufmerksamkeit."

"Du musst den Markt und das Verhalten der Kunden kennen", sagte der Experte. Während Kunden in Deutschland und Europa zum Großeinkauf bei Aldi fahren und das Auto vollpacken, gehen die Kunden in den dicht bevölkerten Metropolen Chinas häufiger ins Geschäft und kaufen kleinere Mengen.

Mit Billigprodukten könne Aldi ohnehin kaum Erfolg haben, da diese einfach in chinesischen Läden zu haben seien, sagte Liu. Als deutsche Marke könne Aldi aber auf einen Wettbewerbsvorteil setzen: "Chinesen empfinden deutsche und westliche Marken als Qualitätsprodukte", sagte Li Chengdong, E-Commerce-Analyst. "Es gibt viele Waren, die als Luxusprodukte angesehen und preislich auch so eingestuft werden. Es hat psychologische Gründe."

kko/dpa

insgesamt 45 Beiträge
endew 07.06.2019
1. Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis passt,
Könnte es zumindest unter den in Shanghai lebenden Expats ein Erfolg werden. Es gibt ja bereits Läden wie z.B. Carrefour oder City Shop, die auch den Markt für ausländische Produkte bedienen. Der City Shop war uns jedoch [...]
Könnte es zumindest unter den in Shanghai lebenden Expats ein Erfolg werden. Es gibt ja bereits Läden wie z.B. Carrefour oder City Shop, die auch den Markt für ausländische Produkte bedienen. Der City Shop war uns jedoch immer zu teuer, ich denke, wir waren in 7 Jahren vielleicht 7-8 mal dort. In der deutschen Community wird Aldi sicher seine Fans finden, ob das zum Überleben einer Kette reicht, wird sich zeigen. Ich erinnere an das Experiment des Media-Marktes, das leider schief ging. Aldi wird sich maximal nur auf die Expatzentren bzw. First-tier-Städte beschränken.
hansulrich47 07.06.2019
2. Der Eingangssatz ist ein Witz
Und zeugt von Ahnungslosigkeit. Der Autor kennt offenbar nur Aldi Nord. Im Süden sieht es schon seit Jahren anders aus. China ist sicher schwierig. Aber wer weiss, wie gern die chinesischen Touristen in Europa z.B. Milchprodukte [...]
Und zeugt von Ahnungslosigkeit. Der Autor kennt offenbar nur Aldi Nord. Im Süden sieht es schon seit Jahren anders aus. China ist sicher schwierig. Aber wer weiss, wie gern die chinesischen Touristen in Europa z.B. Milchprodukte im Massen kaufen, sollte auch wissen, dass es eine recht große finanziell starke Mittelschicht gibt. Zumal in Shanghai. Und besser als Griechenland (wo sich Aldi Süd zurück gezogen hat), ist China sicher!
Hamberliner 07.06.2019
3. nach aller Lebenserfahrung
Oha. Die chinesischen Touris, die hierzulande durch Urinschwaden und über zerbrochene Bierpullen und angeleinte Köter stolpernd ins ALDI gelangen und den Unterschied sehen (inkl. Kundschaft in Jogginghosen), die fliegen mit [...]
Oha. Die chinesischen Touris, die hierzulande durch Urinschwaden und über zerbrochene Bierpullen und angeleinte Köter stolpernd ins ALDI gelangen und den Unterschied sehen (inkl. Kundschaft in Jogginghosen), die fliegen mit einer klaren Meinung über unsere Kultur wieder nachhause. Andererseits kann ich mir die Vermutung nicht verkneifen: diese schicken Holzregale im chinesischen Aldi bestehen doch bestimmt aus Pressholzplatten mit Plastikfurnier, stimmt's? Und gibt es da auch einen Cloning Manager, der den Chinesen beibringt wie man anderswo eine Kopie davon errichtet und selber dran verdient? Ich nehme an, das ist da behördlich vorgeschrieben, sonst hätte ALDI die Filialen wohl gar nicht errichten dürfen. SCNR
weem 07.06.2019
4. Kenn ich jetzt anders
@#3 Sind Sie sich da auch sicher, dass die Chinesen in Deutschland jede Menge Milchprodukte kaufen? Meines Wissens (auch durch Bestätigung chinesischer Freunde), vertragen viele Chinesen Milchprodukte nicht so sehr und [...]
@#3 Sind Sie sich da auch sicher, dass die Chinesen in Deutschland jede Menge Milchprodukte kaufen? Meines Wissens (auch durch Bestätigung chinesischer Freunde), vertragen viele Chinesen Milchprodukte nicht so sehr und verzichten eher auf Milch, Joghurt usw. Selbst habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Leute aus China in Deutschland am liebsten einfach warmes Wasser trinken. Kann mir deshalb nur sehr schwer vorstellen, für wen die Mengen an Milchprodukten gedacht sind.
Schnullerbacke 07.06.2019
5. @brooklyner
Schon ziemlich überheblich Menschen die beim Lidl oder Aldi kaufen als Assis zu bezeichnen. Komisch dann wäre das auch mein Zahnarzt, mein Hausarzt und sogar mein Rechtsanwalt... Bleiben Sie nur in Ihrer Feinkost-Assiwelt und [...]
Schon ziemlich überheblich Menschen die beim Lidl oder Aldi kaufen als Assis zu bezeichnen. Komisch dann wäre das auch mein Zahnarzt, mein Hausarzt und sogar mein Rechtsanwalt... Bleiben Sie nur in Ihrer Feinkost-Assiwelt und lassen sich von überflüssiger Präsentation und Verpackungs-Schnikschnack blenden und zahlen Sie ruhig das 2-3 Fache für kaum mehr Qualität. Viel Spaß dabei.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Die Discounter in Deutschland

Aldi
Die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland, Aldi , ist ebenso erfolgreich wie verschwiegen. Branchenexperten schätzen, dass Aldi 2011 weltweit rund 57 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Der Gewinn wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4300 Filialen.
Lidl
Auch der zweitplatzierte Lidl lässt sich nicht gerne in die Zahlen schauen. Für 2011 wird der weltweite Umsatz auf 50,4 Milliarden Euro geschätzt. Das Flaggschiff der Schwarz-Gruppe betreibt bundesweit rund 3100 Filialen. Lidl verkauft - anders als Aldi - auch viele Markenartikel.
Netto
Nach dem Zusammenschluss mit Plus ist Netto der drittgrößte Discounter Deutschlands. Die Edeka-Tochter hat in Deutschland rund 4000 Filialen. Der Umsatz lag 2011 bei etwa 13,7 Milliarden Euro.
Penny
Der Discounter Penny des Rewe-Konzerns erwirtschaftete 2011 mit seinen bundesweit 2400 Filialen rund zwölf Milliarden Euro Umsatz. Rewe hatte sich 2007 mit Edeka eine Bieterschlacht um den Discounter Plus geliefert, unterlag jedoch.
Norma
Der Discounter hat in Deutschland rund 1300 Filialen und erwirtschaftet einen Umsatz von schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt des Filialnetzes liegt in Süddeutschland, aber auch in Frankreich, Tschechien und Österreich gibt es Norma-Märkte.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP