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Wirtschaft

Starke Konkurrenz durch Alibaba

Amazon gibt Marktplatz in China auf

Gegen die heimischen Wettbewerber in China kommt Amazon nicht an. Deshalb zieht sich der weltweit größte Onlinehändler teilweise aus der Volksrepublik zurück.

Bai keli / Imaginechina / AP

Amazon-Logo in Shanghai (Archiv)

Donnerstag, 18.04.2019   12:43 Uhr

Amazon schränkt sein Angebot in China ein. Der Onlinehändler will in der Volksrepublik keinen Marktplatz mehr betreiben oder Verkäuferdienste auf Amazon.cn anbieten. Das teilte eine Sprecherin mit. Die Verkäufer würden informiert.

Damit werden Kunden in China nicht mehr über Amazon Waren von Drittanbietern beziehen können. "Verkäufer, die daran interessiert sind, weiterhin außerhalb von China auf Amazon zu verkaufen, können dies über Amazon Global Selling tun", sagte die Sprecherin.

Chinesischen Nutzern soll es künftig weiter möglich sein, importierte Produkte über Amazon zu kaufen. Ebenso werde es den Cloud-Computing-Dienst Amazon Web Services und das Geschäft mit elektronischen Büchern, Kindle E-Books, weiterhin geben.

Amazon habe in den vergangenen Jahren das Einzelhandelsgeschäft auf dem chinesischen Markt untersucht und den Fokus mehr auf den internationalen Handel gelegt, teilte das Unternehmen mit. Das sei bei den Kunden auf "großes Interesse" gestoßen, begründete Amazon die neue Ausrichtung.

Heimische Wettbewerber dominieren den Markt

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will der US-Konzern in den kommenden 90 Tagen Dienstleistungszentren schließen und die Zusammenarbeit mit chinesischen Verkäufern verringern, die ihre Waren in China anbieten.

Amazon weicht damit der Dominanz von Wettbewerbern wie Alibaba und JD.com. Einer Untersuchung der Verbraucheranalysten von iResearch Global zufolge beherrschen die chinesischen Firmen knapp 82 Prozent des Onlinehandels in dem Land.

"Sie geben auf, weil das Geschäft nicht rentabel ist und nicht wächst", schreibt Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities zum Rückzug von Amazon. Li Chengdong vom Analyseinstitut Dolphin in Peking argumentiert, Amazon habe es versäumt, sich an die Besonderheiten des chinesischen Marktes anzupassen und auf das Angebot vor Ort einzulassen. Das sei ein wenig "arrogant", sagte der Experte. So habe das Unternehmen an seinem "sehr amerikanischen Stil" der Website festgehalten und zum Beispiel dem in China populären Singles' Day wenig Bedeutung beigemessen.

Konkurrenz meist schneller

Der Singles' Day war 2009 von Chinas Onlinehändlern als Gegenstück zum Valentinstag und nach dem Vorbild des "Black Friday" der US-Internetwirtschaft ins Leben gerufen worden. Er liegt wegen der vier Einsen in Folge auf dem 11. November. Händler locken an diesem Tag mit Sonderangeboten. Der Singles' Day ist mittlerweile der umsatzstärkste Einkaufstag in China.

Ker Zheng, Marketingspezialist bei der in Shenzhen ansässigen E-Commerce-Beratung Azoya, sagte, Amazon habe in China kaum einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den inländischen Rivalen. Wenn nicht jemand nach einer bestimmten importierten Ware sucht, die anderswo nicht zu finden ist, "besteht für einen Verbraucher kein Grund, sich für Amazon zu entscheiden, weil sie nicht in der Lage sind, Dinge so schnell wie Tmall oder JD zu versenden."

Die Konjunktur in China wuchs zuletzt jedoch langsamer als in den vergangenen Jahren. Das hat auch den Onlinehandel erfasst. So gab Alibaba im Januar das geringste Gewinnwachstum seit 2016 bekannt. JD.com reagierte mit Personalabbau auf die schwächere Konjunktur.

brt/Reuters/AFP

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