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Wirtschaft

Audi-Chef Bram Schot

"Hier und da ein wenig Fett"

Audis Gewinn ist 2018 eingebrochen. Nun will der Autohersteller härter sparen als bislang angekündigt. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen bis zu 15 Prozent der Jobs abgebaut werden.

AFP

Audi-Chef Bram Schot

Donnerstag, 14.03.2019   16:35 Uhr

Audi-Chef Bram Schot will sein Unternehmen mit einem harten Sparprogramm und Stellenabbau profitabler machen. Bis 2022 will die VW-Tochter laut Schot insgesamt 15 Milliarden Euro statt wie bisher angekündigt 10 Milliarden sparen, um die hohen Investitionen in die Elektromobilität stemmen zu können. Es gebe "hier und da ein wenig Fett", sagte Schot mit Blick auf Mitarbeiter außerhalb der Produktion. "Aber wir müssen Muskeln aufbauen."

Angaben zum Ausmaß eines geplanten Stellenabbaus wollte die Audi-Führung noch nicht machen. Das "Handelsblatt" berichtet jedoch unter Berufung auf Konzerninsider, das Management verhandele mit dem Betriebsrat über den Abbau von weltweit bis zu 15 Prozent der Stellen.

Der Umbau des Unternehmens "wird nicht bequem. Aber wir stellen die Gewinnzone klar vor die Komfortzone", sagte Finanzvorstand Alexander Seitz. Schot hatte bereits im vergangenen Dezember gesagt, 90.000 Audi-Mitarbeiter seien zu viel.

Für die 61.000 Audi-Beschäftigten im Stammwerk Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz. Seitz sagte: "Wenn Kollegen in den Ruhestand gehen, stellen wir den Ersatzbedarf auf den Prüfstand."

Gewinn um 24 Prozent eingebrochen

Im vergangenen Jahr hatte Audi wegen Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessstandard WLTP nur noch 1,8 Millionen Autos verkauft und ist damit weit hinter Mercedes und BMW zurückgefallen. Der Umsatz sank auf 59,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn brach um 24 Prozent auf 3,53 Milliarden Euro ein.

Schot sagte dazu: "Wir sind mit diesen Zahlen alles andere als zufrieden." Allein die Diesel-Nachrüstungen und das von der Münchner Justiz wegen Manipulation der Abgaswerte verhängte Bußgeld schlugen mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche.

Außer den WLTP-Problemen belasten Schot zufolge hohe Anlaufkosten für neue Modelle, die schwierigere Wirtschaftslage und hohe Investitionen für Elektroautos den Konzern. Von 2023 an will Audi zwölf, von 2025 an rund 30 Hybrid- und vollelektrische Autos anbieten.

Schot will Management ausdünnen und Aufgaben neu verteilen

Um profitabler zu werden, will Schot Stellen streichen, das mittlere Management ausdünnen sowie Schichten, Zulagen, Modell- und Motorvarianten unter die Lupe nehmen. Zudem sollen die Aufgaben zwischen den Werken neu verteilt und gemeinsame Plattformen mit VW und Porsche stärker genutzt werden. Verkäufe und Umsatz sollen 2019 nur leicht steigen.

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Auch Schadensersatzklagen von Audi-Diesel-Käufern sowie eine mögliche Kartellstrafe der EU wegen Absprachen mit anderen Herstellern könnten die VW-Tochter noch belasten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt weiterhin nicht nur gegen Schots Vorgänger Rupert Stadler, sondern auch gegen einen amtierenden Audi-Vorstand.

Schot hatte nach Stadlers Festnahme im vergangenen Juni die Führung von Audi übernommen und weitet dessen Spar- und Elektrifizierungspläne jetzt drastisch aus. Damit ist Audi auf einer Linie mit dem VW-Konzern, der bei seiner Kernmarke VW ebenfalls Stellen streicht und kräftig in E-Autos investiert.

kko/dpa-AFX/Reuters/AFP

insgesamt 30 Beiträge
ptb29 14.03.2019
1. Richtig, immer an die Aktionäre denken
Die Kollegen, die den Gewinn erwirtschaften, sind unwichtig. Die BWLer-Lösung Personalabbau funktioniert so lange, bis keiner mehr am Band steht. Also weiter Personal abbauen.
Die Kollegen, die den Gewinn erwirtschaften, sind unwichtig. Die BWLer-Lösung Personalabbau funktioniert so lange, bis keiner mehr am Band steht. Also weiter Personal abbauen.
nadennmallos 14.03.2019
2. Soso, da meint der Herr Schot vermutlich sich selbst, also ...
... mit dem Fett und den Muskeln? Aber Spaß beiseite: Eigentlich wird es mal Zeit das die Wirtschaftslenker (und zwar alle) mal darüber nachdenken ob Entlassungen nicht kontraproduktiv für den Binnenmarkt sind. Nix gegen [...]
... mit dem Fett und den Muskeln? Aber Spaß beiseite: Eigentlich wird es mal Zeit das die Wirtschaftslenker (und zwar alle) mal darüber nachdenken ob Entlassungen nicht kontraproduktiv für den Binnenmarkt sind. Nix gegen Shareholder Value, aber Angestellte und Arbeiter in Lohn und Brot halten ist ebenfalls ein wichtiges Ziel. Statt Entlassungen neue Produkte? Wär' doch was! Sparen kann (fast) jeder, dazu braucht es keine hochbezahlten "Mänädschä"!
klichti 14.03.2019
3.
Die klassische Lösung also: wir wollen mehr Geld übrigbehalten, aber über nachhaltige Strategien nicht nachdenken. Also schmeißen wir Leute raus. Ob das jetzt so klug ist, bei größeren Umstrukturierungen den Mittelbau [...]
Die klassische Lösung also: wir wollen mehr Geld übrigbehalten, aber über nachhaltige Strategien nicht nachdenken. Also schmeißen wir Leute raus. Ob das jetzt so klug ist, bei größeren Umstrukturierungen den Mittelbau auszudünnen. Die sind es doch, die den eigentlich umsetzen sollen, da gibt es also nicht weniger sondern mehr zu tun. Und was meint er mit "hier und da ein wenig Fett"? Sollte er bemerkt haben, daß die Führungscrew gar nicht so viel verdienen kann wie sie bekommt? Im Zweifel nein. Ich erinnere mich vage an eine Berechnung von Volkswirtschaftlern, die vor vielen Jahren mal im Spiegel veröffentlicht worden sein muß (damals habe ich noch nichts anderes gelesen, um mich zu informieren). Da wurde gesagt, das 100-fache eines einfachen Fabrikarbeiters könne KEIN Führungsmitarbeiter leisten, die Grenze zur Ungerechtigkeit läge beim 12-fachen. Stellt die Vorstandsgehälter auf das 12-fache um, da ist dann schon was gespart. Dann rennen Euch die Profiteure davon, ist wieder was gespart. Ich finde grausig, daß die Lösung für Sparaufgaben IMMER sein soll, die kleinen Werktätigen "freizusetzen". Das Asozialen-Gen herrscht vor bei sogenannten Führungsmitarbeitern.
bubr 14.03.2019
4.
Es gibt auch ein Leben ohne Audi.
Es gibt auch ein Leben ohne Audi.
cebidae 14.03.2019
5. Zur Überlebensstrategie gehört auch Fett
Aber auch Spass beiseite. Normalerweise gehören die ganzen Vorstände in den Knast oder gefeuert. Diese Generation fährt das Produkt Made in Germany in den Konkurs.
Aber auch Spass beiseite. Normalerweise gehören die ganzen Vorstände in den Knast oder gefeuert. Diese Generation fährt das Produkt Made in Germany in den Konkurs.

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