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Wirtschaft

Milliarden-Start-up N26

Deutschlands erstes Finanz-Einhorn

Die mobile Bank N26 wirbt derzeit an deutschen Bahnhöfen mit Plakaten und aggressiven Slogans um Kunden. Nun ist das Unternehmen zum wertvollsten Finanz-Start-up Europas aufgestiegen. Was hat die Firma vor?

DPA

N26-Chef Valentin Stalf

Von
Donnerstag, 10.01.2019   16:36 Uhr

Valentin Stalf war gerade einmal 28 Jahre alt, als er beschloss, die alteingesessene und mächtige Finanzindustrie anzugreifen. Im Februar 2013 gründete der Österreicher gemeinsam mit Maximilian Tayenthal die erste fürs Smartphone optimierte Bank: N26. Der Anspruch: Bankgeschäfte sollen nicht nerven, sie müssen schnell gehen - und das weltweit. 2015 folgte dann der Launch mit Girokonto und Mastercard. Im Juli 2016 erteilten Bafin und EZB dem Start-up die Vollbanklizenz.

An diesem Donnerstag sieht es tatsächlich danach aus, als würden die beiden Berliner Start-up-Gründer ihrem Ziel, eine globale digitale deutsche Bank aufzubauen, einen deutlichen Schritt näher kommen. Denn das Start-up ist in den exklusiven Kreis der Einhörner aufgestiegen. So nennt man junge Firmen, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. Nachdem Investoren einen Anteil in Höhe von elf Prozent für 300 Millionen gekauft hatten, lässt sich der Wert des gesamten Unternehmens auf 2,7 Milliarden Dollar hochrechnen. Zum Vergleich: Investoren bewerten das Berliner Start-up damit höher als die drittgrößte börsennotierte Bank hierzulande, die Wiesbadener Aareal Bank, die seit fast einem Jahrhundert Immobilienfinanzierungen anbietet. N26 ist obendrein dank der neuen Finanzierungsrunde das wertvollste Finanztechnologieunternehmen, kurz Fintech, Europas.

Dass internationale Investoren Millionen in die noch junge Firma pumpen, verwundert nicht. Denn N26 ist eine der wenigen Apps aus Deutschland, die großen, internationalen Anklang findet. "Wenn aktuell ein Start-up aus Deutschland das Potenzial dazu hat, das Banking weltweit zu revolutionieren, dann ist es N26", schrieb Frank Thelen, bekannter Internetpionier und Investor aus der TV-Show "Die Höhle der Löwen", kürzlich im "Handelsblatt". Gründer Stalf habe frühzeitig erkannt, dass sich die altbackene Finanzindustrie an unsere heutige Zeit und Bedürfnisse anpassen muss.

Start-up will zum globalen Marktführer werden

Tatsächlich ist das Smartphone schon seit Langem zu unserem täglichen Begleiter geworden, trotzdem gehen noch viele Leute in eine Bank-Filiale, um eine Überweisung zu tätigen. Es scheint, als habe N26 geschafft, was klassischen Finanzinstituten schwerfällt: Die App ist intuitiv aufgebaut, einfach zu bedienen und deutlich schicker als die der Konkurrenz. N26 verzichtet auf ein kostspieliges Filialnetz und hat keine veraltete IT-Infrastruktur. Das macht das Girokonto viel günstiger als das der klassischen Banken. Nach Angaben von N26 kostet die Bank ein Kunde gerade einmal ein Sechstel dessen, was traditionelle Banken aufwenden müssen.

Die digitale Bank behauptet, ihr Kontomodell radikal nach den Bedürfnissen einer jungen, digital-affinen Zielgruppe auszurichten. Derzeit wirbt sie mit einer großen Plakatkampagne in Hauptbahnhöfen um Kunden, der Slogan der Bank: "Die erste Bank, die du lieben wirst."

Doch Verbraucherschützer befürchten, dass das schnelle Wachstum der Firma auf Kosten der Sicherheit gegangen sein könnte. Vor einigen Monaten hatten mehrere Tester für die "Wirtschaftswoche" herausgefunden, dass Kunden bei N26 ein Konto mit falschem Pass eröffnen können, ohne dass die Bank es merkte. Die Finanzaufsicht Bafin meldete sich deshalb bei der Bank, denn Konten unter falschem Namen werden oftmals von Kriminellen benutzt, um darüber Geld zu waschen oder illegal zu verschieben.

Auch was Umgang mit den Kunden angeht, musste N26 schon Kritik einstecken. 2016 etwa sorgte die Bank für Aufsehen, als sie Hunderten Kunden das Konto kündigte - mutmaßlich, weil sie zu häufig Geld am Automaten abgehoben hatten.

Doch es scheint, als hätten diese Geschichten der Bank bisher nicht geschadet: Mehr als eine Million Kunden hat N26 mittlerweile in Deutschland. Und allein in diesem Jahr will N26-Chef Stalf die Anzahl der Kunden verdoppeln. Auch global will das Unternehmen zum Marktführer im mobilen Banking werden. N26 ist bereits in 24 Ländern aktiv, bald sollen die USA, Australien und Brasilien folgen.

Doch Expansion und viele Kunden reichen auf Dauer allein nicht aus, um die Investoren zufriedenzustellen und die Milliardenbewertung zu rechtfertigen. Denn wie jede Bank muss auch N26 Geld verdienen. Und da hapert es noch. Die digitale Bank nimmt derzeit Geld bei Kartentransaktionen ein, bietet kostenpflichtige Premiumkonten an und will Kunden bequem über die App andere Finanzprodukte wie Fonds und Versicherungen verkaufen.

Schon in diesem Jahr will das Unternehmen profitabel sein. Wenn alles glattläuft, könnten dann auch die Vorbereitungen für einen Börsengang beginnen.

insgesamt 52 Beiträge
julia77 10.01.2019
1. Mega Erfolg
Damit hat N26 jetzt auch die Power gegen Revolut global die #1 zu werden. Aus Berlin heraus. Vll. schafft N26 ja das erste relevante Digitalunternehmen Deutschlands zu werden. Ich bin begeistert.
Damit hat N26 jetzt auch die Power gegen Revolut global die #1 zu werden. Aus Berlin heraus. Vll. schafft N26 ja das erste relevante Digitalunternehmen Deutschlands zu werden. Ich bin begeistert.
Walter Sobchak 10.01.2019
2.
Die Firma hat vor das Bargeld abzuschaffen und erhält dafür üppige Finanzierungen. Die Firma hat schon demonstriert, was dann passieren kann, wenn das Gehaltskonto mal einer ihrer "Sicherheitsüberprüfungen" [...]
Die Firma hat vor das Bargeld abzuschaffen und erhält dafür üppige Finanzierungen. Die Firma hat schon demonstriert, was dann passieren kann, wenn das Gehaltskonto mal einer ihrer "Sicherheitsüberprüfungen" unterzogen wird. Dann geht gar nichts mehr. Der Eigentümer des Kontos kommt nicht mehr an sein Geld. Der Laden ist höchst suspekt. Wie alle Banken eigentlich.
muenchen84 10.01.2019
3. Sowas von Überflüssig
als wenn es nicht schon Dutzende Online Banken gäbe. Nachhaltigkeit, DAS ware mal ein Alleinstellungsmerkmal gewesen
als wenn es nicht schon Dutzende Online Banken gäbe. Nachhaltigkeit, DAS ware mal ein Alleinstellungsmerkmal gewesen
say_whaaaaat 10.01.2019
4. Das gibt es durchaus noch Weitere
Unternehmen wie Wirecard, SAP, Software AG, TeamViewer dürfen ebenso durchaus als relevant bezeichnet werden. Selbstverständlich sollte hier aber noch mehr gehen. :)
Zitat von julia77Damit hat N26 jetzt auch die Power gegen Revolut global die #1 zu werden. Aus Berlin heraus. Vll. schafft N26 ja das erste relevante Digitalunternehmen Deutschlands zu werden. Ich bin begeistert.
Unternehmen wie Wirecard, SAP, Software AG, TeamViewer dürfen ebenso durchaus als relevant bezeichnet werden. Selbstverständlich sollte hier aber noch mehr gehen. :)
Pixelpu 10.01.2019
5. Wir sind im Jahr 2019
und die 2013 gegründete N26 hofft in diesem Jahr auf den ersten Profit, Hoffen darf man ja, ist aber nicht wirklich wichtig, da man ja nur das Geld der Investoren verbrennt. Viel Spaß noch beim verbrennen
und die 2013 gegründete N26 hofft in diesem Jahr auf den ersten Profit, Hoffen darf man ja, ist aber nicht wirklich wichtig, da man ja nur das Geld der Investoren verbrennt. Viel Spaß noch beim verbrennen

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