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Wirtschaft

Exporte nach Deutschland

Bande prellt Steuerbehörden mit Bier um Millionen

Acht Männer sollen europäische Steuerbehörden mit Bierexporten um Einnahmen in Millionenhöhe geprellt haben. Die Gruppe ist offenbar international vernetzt.

imago/Westend61

Bierdosen (Symbolbild)

Montag, 18.03.2019   15:31 Uhr

Sie sollen die Ausfuhr von Bier von Frankreich nach Deutschland vorgetäuscht und den französischen Staat um Einnahmen aus der Biersteuer betrogen haben: Zoll und Staatsanwaltschaft Würzburg werfen einer internationalen Gruppe vor, 32 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben.

Die Biersteuer wird innerhalb der EU über ein Computerverfahren erfasst. Erhoben wird die Steuer in dem Land, in dem das Getränk verkauft wird. Die Gruppe täuschte den Ermittlern zufolge vor, 3300 Lastwagenladungen mit französischem Bier nach Deutschland transportiert und hierzulande weiterverkauft zu haben.

Deshalb wurden die Ladungen beim Hauptzollamt Schweinfurt versteuert. Weil Bier wird in Frankreich etwa dreieinhalb Mal so hoch besteuert wird wie in Deutschland, sparten die Männer so 26 Euro Steuern je Hektoliter.

In Wirklichkeit landete das Bier den Angaben zufolge jedoch auf dem britischen Schwarzmarkt - so sollen die Verdächtigen auch in Großbritannien Dutzende Millionen Euro Steuern gespart haben.

Verstöße gegen die Biersteuer können in jedem EU-Land verfolgt werden. Die deutschen Fahnder hatten am vergangenen Dienstag den 56 Jahre alten mutmaßlichen Organisator der Gruppe aus Frankreich und einen in Würzburg lebenden mutmaßlichen Komplizen verhaftet. Zudem durchsuchten sie insgesamt zehn Privatwohnungen, Geschäftsräume, Lagerstätten und eine Steuerkanzlei im Großraum Würzburg.

Die Gruppe soll zwischen April 2017 und Dezember 2018 mit mindestens 77 Millionen Liter Bier gehandelt haben - mehr als das Zehnfache des jährlichen Verbrauchs beim Münchner Oktoberfest, berichteten die Ermittler. In ähnlichen Fällen waren in den vergangenen Jahren Steuerbetrüger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

kko/dpa

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