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Wirtschaft

Bilanz-Skandal

Toshiba-Chef kündigt Rücktritt an

Erzwungener Neuanfang bei Toshiba. Nach einem Bilanzskandal hat Vorstandchef Hisao Tanaka seinen Rücktritt angekündigt. Ihm könnte ein Großteil des Vorstands folgen.

REUTERS

Toshiba-Chef Tanaka: Gutachten mit Sprengkraft

Mittwoch, 15.07.2015   15:44 Uhr

Der Bilanzskandal beim japanischen Technologiekonzern Toshiba hat Insidern zufolge gravierende personelle Konsequenzen für die Unternehmensspitze. Konzernchef Hisao Tanaka werde im September zurücktreten, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bei der anschließend geplanten Hauptversammlung könnte dann mehr als die Hälfte des Direktoriums ausgetauscht werden.

Der Skandal war im April ans Licht gekommen. In der Zwischenzeit ergab eine Prüfung durch externe Gutachter, dass das Unternehmen in der Vergangenheit durch falsche Buchhaltung umgerechnet knapp 1,3 Milliarden Euro zu viel Gewinn ausgewiesen hat - mehr als drei Mal so viel wie Toshiba Chart zeigen zunächst eingeräumt hatte.

Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf die von der Regierung unterstützten Bemühungen, das Management japanischer Unternehmen zu verbessern. Die Gutachter dürften den Insidern zufolge Toshiba nahelegen, die Unternehmensführung umzukrempeln. Eine Konzernsprecherin erklärte, noch sei über das Vorgehen nicht entschieden. Man warte auf die Veröffentlichung des Gutachtens. Damit wird kommende Woche gerechnet.

Toshiba ist einer breiten Öffentlichkeit vor allem für seine Laptops bekannt, baut aber auch Atomkraftwerke. Die Gutachter vermuteten eine Ursache des Bilanzskandals darin, dass die Konzernführung nach der Katastrophe im japanischen Fukushima 2011 für andere Sparten zu ehrgeizige Ziele ausgegeben hat. Der dadurch entstandene Druck könnte Manager dazu verleitet haben, die Einnahmen zu hoch und die Kosten zu niedrig anzusetzen. Die Kontrolleure gingen der Frage nach, ob das Top-Management dazu bewusst ermutigt habe.

Seit Bekanntwerden der Bilanzpatzer Anfang April verloren Toshiba-Aktien bereits rund 27 Prozent an Wert. Am Mittwoch schlossen sie gegen den Markttrend 1,8 Prozent im Minus.

mik/Reuters

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