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Wirtschaft

Antrittsinterview

Neuer Audi-Chef dringt auf höhere Produktivität

90.000 Mitarbeiter zählt der Audi-Konzern. Für den neuen Chef Bram Schot müssten es entweder weniger sein - oder eine höhere Produktivität herrschen. Der lange währende Erfolg habe "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht".

ddp images/Sven Simon

Bram Schot

Montag, 24.12.2018   09:18 Uhr

In welche Richtung wird er den Autokonzern steuern? Der neue Audi-Chef Bram Schot sieht seine Aufgabe in einem Umbau des Konzerns. Der lange währende Erfolg habe "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht", sagte Schot der "Süddeutschen Zeitung". Für die jetzige Produktionsmenge gebe es zu viele Mitarbeiter. Wenn er den jetzigen Output der 90.000 Mitarbeiter sehe, würde er sagen, es gebe zu viele Arbeitnehmer bei Audi. "Jetzt kann man überlegen, mit weniger Leuten zu arbeiten. Oder mit den gleichen Leuten mehr Output erzeugen", sagte Schot. Er wolle Letzteres und müsse dazu die Unternehmensstrategie fokussieren: "Wir machen gerade zu viel."

Als Konsequenz aus dem Dieselskandal forderte Schot geringeres Hierarchiedenken und größere Ehrlichkeit in der konzerninternen Kommunikation ein. "Ich will Leute mit hundert Prozent Transparenz", sagte er der "SZ". "Da reicht es mir nicht, dass wahr ist, was mir die Leute sagen. Ich will, dass mir die Leute alles sagen, was wahr ist." Fehler müssten offen besprochen werden.

Schot leitet Audi seit der zwischenzeitlichen Festnahme seines Vorgängers Rupert Stadler im Juni als Interimschef. Vor knapp zwei Wochen berief der Audi-Aufsichtsrat den 57-jährigen Niederländer zum 1. Januar 2019 zum ordentlichen Vorstandsvorsitzenden. Schot wird dann außerdem Mitglied im Vorstand der Konzernmutter Volkswagen. Erst seit September 2017 gehört er dem Audi-Vorstand in Ingolstadt an. Zuvor war der frühere Daimler-Manager fünf Jahre Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeuge.

Laut "SZ" hat Audi in den vergangenen Monaten deutlich weniger Autos verkauft als noch vor einem Jahr. Dies liege unter anderem an den neuen Abgasnormen, die der Fahrzeugbauer nicht schnell genug einhalten könne. Im Oktober etwa lieferte Audi weltweit 117.600 Fahrzeuge aus - ein Minus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft München II weiterhin, um herauszufinden, wie tief Audi-Manager in den Dieselskandal verstrickt waren. Ende Oktober kam Stadler unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei. Er soll versucht haben, in den Ermittlungen wegen des Dieselskandals bei Audi Zeugen oder Beschuldigte zu beeinflussen.

vks/dpa/AFP

insgesamt 137 Beiträge
makubo24 24.12.2018
1. Wenn ich die derzeitige Produktionsmenge
sehe und die für Betrügereien gezahlten Strafgelder berücksichtige, dann finde ich, gibt zu viele, zu teure und durchgehend unfähige Führungskräfte im Unternehmen. Hier müßte man mal ansetzen und sich nicht immer mit den [...]
sehe und die für Betrügereien gezahlten Strafgelder berücksichtige, dann finde ich, gibt zu viele, zu teure und durchgehend unfähige Führungskräfte im Unternehmen. Hier müßte man mal ansetzen und sich nicht immer mit den gleichen einfallslosen "Ideen" bei der Börse einschleimen.
w.diverso 24.12.2018
2. Wunderbar!
Da betrügen maßgebliche Manager jahrzehntelang und verursachen Kosten von vielen Milliarden, und dann kommt ein ganz gescheiter und macht sich mit der Produktivität wichtig. Wahrscheinlich will er auch sicher was beim [...]
Da betrügen maßgebliche Manager jahrzehntelang und verursachen Kosten von vielen Milliarden, und dann kommt ein ganz gescheiter und macht sich mit der Produktivität wichtig. Wahrscheinlich will er auch sicher was beim Reinigungspersonal einsparen. Wie man sieht kommt es eindeutig auf die Prioritäten an. Dass sich in einer Firma die Bürokratie oft ganz langsam und anfangs unmerklich ausweitet ist ein ganz normaler Prozess. Der kann aber ohne große Worte wieder etwas zurückgedrängt werden. Die unnötige Bürokratie kommt aber auch meistens von oben, oder von oben wird tatenlos zugesehen wie die immer mehr wird. Ganz sicher haben aber die Mitarbeiter die bei Audi zu viel sind, keine Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Das waren ganz alleine Manager aus der obersten Ebene und das nicht nur bei Audi.
BUKL 24.12.2018
3.
"Der lange währende Erfolg habe "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht." Dieser Satz gilt für die gesamte deutsche Industrie. Man ruht sich auf den Erfolgen der Vergangenheit aus und glaubt wirklich, [...]
"Der lange währende Erfolg habe "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht." Dieser Satz gilt für die gesamte deutsche Industrie. Man ruht sich auf den Erfolgen der Vergangenheit aus und glaubt wirklich, dass das immer so weitergeht und es keinen wirklichen Ersatz für "Made in Germany" gibt. Das Erwachen wird wohl zu spät kommen. Er wird viel geredet, aber wenig umgesetzt und auf Zeit gespielt. Naja, so wie in der Bundesregierung auch.
bennic 24.12.2018
4. Träge
würde ich nicht sagen aber arrogant bis zum geht nicht mehr - so wie Bayern München, aus der Zeit gefallen. Alphatiere als Manager, Zigarren rauchen und ab 600PS aufwärts wird gejubelt - nur wenn es schwierig wurde, ist halt [...]
würde ich nicht sagen aber arrogant bis zum geht nicht mehr - so wie Bayern München, aus der Zeit gefallen. Alphatiere als Manager, Zigarren rauchen und ab 600PS aufwärts wird gejubelt - nur wenn es schwierig wurde, ist halt etwas nachgeholfen worden. Aber das kann der neue Chef jetzt ja alles besser machen. Die Sprüche mit der Produktivität sind ein alter Hut und werden sowohl vom Management als auch den Gewerkschaften gerne genutzt- je nach Blickwinkel. Wirklich interessant wird es ab 2025, wenn die meisten deutschen Autohersteller komplett auf E-Traktion umgeschwenkt sind und dann feststellen, das Toyota mit der Brennstoffzelle mal wieder meilenweit voraus fährt.
lazyfox 24.12.2018
5. zuerst mal weniger Beschiß
War immer ein Audi-Fan. Finde immer noch, dass Audi mit die schönsten PKW baut. Kaufen würde ich erst wieder einen, wenn ich erkennen kann, dass 'Fortschritt durch Betrug' wieder zu 'Fortschritt durch Technik' wird.
War immer ein Audi-Fan. Finde immer noch, dass Audi mit die schönsten PKW baut. Kaufen würde ich erst wieder einen, wenn ich erkennen kann, dass 'Fortschritt durch Betrug' wieder zu 'Fortschritt durch Technik' wird.
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