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Wirtschaft

Inhaftierter Automanager

Ghosn wirft Nissan-Management Komplott vor

In einem Interview mit einer japanischen Wirtschaftszeitung hat der inhaftierte Nissan-Chef Carlos Ghosn schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber erhoben. Er wittert einen Komplott.

AFP

Carlos Ghosn (Archiv)

Mittwoch, 30.01.2019   13:58 Uhr

Der seit November in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn sieht sich als Opfer einer "Verschwörung und eines Verrats" durch die Spitze des Autobauers Nissan. Das sagte Ghosn der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei". Es war sein erstes Interview, seit er verhaftet wurde.

Er habe "keinen Zweifel" daran, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe damit zusammenhingen, dass die Nissan-Spitze eine engere Verflechtung mit dem Renault-Konzern verhindern wollte, sagte Ghosn der Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft in Tokio wirft Ghosn vor, jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert zu haben. Er soll außerdem persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben. Ghosn sitzt seit dem 19. November in Haft und bestreitet die Vorwürfe.

Ein Antrag auf Haftentlassung wurde Ghosn bislang verweigert - die Justiz sieht bei ihm offenbar Fluchtgefahr sowie die Möglichkeit, dass er Beweise vernichten könnte. Ghosn sagte dagegen: "Ich werde nicht fliehen, ich werde mich verteidigen."

Ghosn, der lange als Vorzeigemanager und "Kostenkiller" galt, hat inzwischen alle seine Managerposten in der Konzernallianz verloren. In der vergangenen Woche entließ auch Renault den Manager als Vorsitzenden des Verwaltungsrates. Bei Nissan und Mitsubishi war das zuvor schon passiert.

Ghosn sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts. Eine von ihm angeblich angestrebte stärkere Fusion der Unternehmensteile hätte wohl viele Führungskräfte bei Nissan in Japan geschwächt. Ghosn sagte jedoch, das Projekt sei im September gemeinsam mit Nissan-Chef Hiroto Saikawa "angepackt" worden.

Der Konzern reagierte unterdessen auf das Interview: Saikawa habe den Vorwurf eines Putsches gegen Ghosn bereits "kategorisch zurückgewiesen", hieß es erneut. Die gegen Ghosn laufende Ermittlung habe vielmehr "signifikante und überzeugende Beweise" für ein Fehlverhalten Ghosns hervorgebracht.

fek/AFP/Reuters

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