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Wirtschaft

Weitere Anklage im Fall Carlos Ghosn

Firmengelder für Luxusjacht - neue Vorwürfe gegen Ex-Renault-Nissan-Chef

Die japanische Staatsanwaltschaft beschuldigt Carlos Ghosn der schweren Untreue. Es ist bereits der vierte Vorwurf gegen den einstigen Topmanager.

Charly Triballeau/ AFP

Der frühere Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn in Tokio

Montag, 22.04.2019   13:33 Uhr

Nächstes Kapitel im Fall des ehemaligen Vorzeige-Managers Carlos Ghosn: Die japanische Staatsanwaltschaft hat eine neue Anklage wegen schwerer Untreue gegen den Ex-Chef von Renault und Nissan erhoben. Der 65-Jährige soll Nissan-Gelder veruntreut haben, wie das zuständige Bezirksgericht in Tokio am Montag bekanntgab. Experten zufolge handelt es sich um die bisher schwersten Vorwürfe in dem Verfahren.

Gegenstand der Anklage sind laut "Wall Street Journal" Gelder, die zwischen 2015 und 2018 an den Nissan-Vertriebspartner Suhail Bahwan Automobiles im Oman geflossen sind. Von den insgesamt 15 Millionen US-Dollar soll Ghosn sich offenbar fünf Millionen abgezweigt haben. Von diesem Geld finanzierte er demnach eine Jacht, einen anderen Teil investierte er in eine amerikanische Firma seines Sohnes.

Nissan erstattete nach eigenen Angaben zudem Strafanzeige gegen Ghosn. Er habe die fraglichen Zahlungen angewiesen, um sich selbst zu bereichern - betriebswirtschaftlich gesehen seien sie "nicht notwendig" gewesen, hieß es aus dem Unternehmen.

In Japan in Haft

Es ist bereits die vierte Anklage gegen den früheren Top-Manager der französisch-japanischen Auto-Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Dem gebürtigen Brasilianer Ghosn war bereits zuvor in drei Anklagepunkten finanzielles Fehlverhalten vorgeworfen worden. Er soll jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben.

Ghosn sitzt derzeit in Japan in Haft. Er war am 19. November zum ersten Mal festgenommen worden, wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen. Nach rund hundert Tagen war er gegen eine Kaution von neun Millionen Dollar und unter strengen Auflagen freigelassen worden. Anfang April wurde Ghosn jedoch erneut verhaftet.

Der 65-Jährige bestreitet die Vorwürfe, in einer Videobotschaft nannte er die Anklagen eine "Verschwörung" und einen "hinterhältigen Angriff". Seine Anwälte haben eine erneute Freilassung auf Kaution beantragt. Sie kritisieren die Haft als unmenschlich, da eine medizinische Behandlung von Ghosns chronischem Nierenleiden unterbrochen worden sei. Ihm droht in Japan eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

sop/AFP/Reuters

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