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Wirtschaft

Ermittlungen gegen Carlos Ghosn

Renault wirft Nissan "Entgleisungen" vor

Veruntreute Gelder, eine gesponserte Hochzeit auf Schloss Versailles: Die Liste der Vorwürfe gegen Ex-Renault-Chef Carlos Ghosn ist lang. Nun wirft Renault seinem Partner Nissan zu harte Ermittlungsmethoden vor.

DPA

Carlos Ghosn, früherer Verwaltungsratschef des Renault-Partners Nissan

Sonntag, 10.02.2019   10:47 Uhr

In der Affäre um den ehemaligen Renault-Chef Carlos Ghosn kritisiert der französische Autobauer einem Zeitungsbericht zufolge das Vorgehen seines japanischen Allianzpartners Nissan bei internen Ermittlungen. Die Zeitung "Le Journal du Dimanche" zitierte am Sonntag aus einem Schreiben der Anwälte von Renault, in dem diese "ernsthafte Bedenken über die eingesetzten Methoden" von Nissan äußerten. Renault warf Nissan demnach "Entgleisungen" vor.

"Renault hat genügend Beweise gesammelt, um zu verstehen und zu bedauern, welche Methoden von Nissan und seinen Anwälten eingesetzt wurden, um zu erwirken, dass Beschäftigte von Renault durch die japanische Staatsanwaltschaft befragt werden", heißt es demnach in dem Brief. Er ist auf den 19. Januar datiert.

Nissan wollte die Apartments von Ghosn durchsuchen lassen

Darüber hinaus habe Nissan in Frankreich nach belastenden Hinweisen gegen Ghosn gesucht, ohne Renault zu konsultieren, zitierte die Zeitung weiter aus dem Schreiben. Auch habe Nissan versucht, die Apartments von Ghosn in Brasilien, im Libanon und in den Niederlanden zu durchsuchen, ohne Renault darüber zu informieren.

Ein Nissan-Sprecher sagte, die Anwälte des japanischen Autobauers hätten auf das Schreiben bereits mehrfach mündlich und schriftlich geantwortet. Der Vorgang spiegele nicht den "derzeitigen Zustand der Gespräche" wider. Nissan habe sich immer für einen "offenen und direkten Austausch mit seinen Partnern ausgesprochen, um relevante Fakten aufzudecken".

Risse im Bündnis zwischen Renault und Nissan

Ghosn war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Außerdem hat der Manager Renault zufolge einen Teil der Kosten seiner Hochzeit in einem Sponsorenvertrag der Firma versteckt.

Der einstige Vorzeigemanager trat im Januar als Chef von Renault zurück. Zuvor hatten bereits Nissan und Mitsubishi den 64-Jährigen als Vorsitzenden des Verwaltungsrats entmachtet. Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreier-Bündnis mit Mitsubishi Motors eigentlich vertiefen wollen.

Beide Firmen sind eher ungleiche Partner

Die Dreier-Allianz zwischen dem französischen und den beiden japanischen Herstellern ist einer der größten Autohersteller der Welt und war eigenen Angaben zufolge im Jahr 2017 sogar der größte Hersteller weltweit, noch vor Volkswagen. Trotzdem gilt das Bündnis als brüchig. So ist Nissan zwar seit 1999 eng mit Renault verknüpft - spielt dabei jedoch tatsächlich eher die Rolle eines Juniorpartners. Denn den Franzosen gehören rund 44 Prozent der Nissan-Aktien. Die Japaner halten dagegen nur 15 Prozent der Renault-Aktien - allerdings ohne ein Stimmrecht zu haben.

2016 kam mit Mitsubishi ein weiterer Hersteller hinzu, allerdings auf Seiten Nissans: Der Hersteller ist mit rund 34 Prozent an Mitsubishi Motors beteiligt. Und auch der französische Staat spielt eine Rolle, ihm gehören 15 Prozent der Renault-Aktien.

ene/AFP

insgesamt 14 Beiträge
Spiegelpfau 10.02.2019
1. Kein Unternehmen
Da Renault rechnerisch nur zu 15% an Mitsubishi beteiligt ist, handelt es sich nicht um ein Unternehmen, lediglich eine Minderheitsbeteiligung. Soweit bekannt, ist der Koleos/Kadjar ein Mitsubishi und damit etwas bessere Qualität [...]
Da Renault rechnerisch nur zu 15% an Mitsubishi beteiligt ist, handelt es sich nicht um ein Unternehmen, lediglich eine Minderheitsbeteiligung. Soweit bekannt, ist der Koleos/Kadjar ein Mitsubishi und damit etwas bessere Qualität als die anderen Renault-Gurken. Nur mit extremen Dauerrabatten und niedriger Qualität wird kein Unternehmen auf Dauer bestehen können. "Vorzeige"-Manager bezieht sich auch auf die Margenerhöhung bei Qualitätssenkung.
der_rookie 10.02.2019
2. Hm
Ich vermute mit 44% der Aktien kann Renault bei Nissan's Hauptversammlung alle Beschlüsse alleine entscheiden (es werden kaum >75% aller anderen Aktien anwesend sein UND abgestimmt gegen Renault abstimmen. Somit ist Nissan [...]
Ich vermute mit 44% der Aktien kann Renault bei Nissan's Hauptversammlung alle Beschlüsse alleine entscheiden (es werden kaum >75% aller anderen Aktien anwesend sein UND abgestimmt gegen Renault abstimmen. Somit ist Nissan nicht de jure, aber de facto eine Tochter von Renault
ebingoel 10.02.2019
3. Was für eine Hetzjagd.
Eine Hetzjagd ohne Gleichen. Die japanische Überheblichkeit und Arroganz wurde durch Ghosn tief, aber zurecht verletzt. Ghosn hat alles auf den Kopf gestellt. Einen maroden, schwerfälligen und selbstgefälligen Japanischen [...]
Eine Hetzjagd ohne Gleichen. Die japanische Überheblichkeit und Arroganz wurde durch Ghosn tief, aber zurecht verletzt. Ghosn hat alles auf den Kopf gestellt. Einen maroden, schwerfälligen und selbstgefälligen Japanischen Autokonzern vor der Pleite gerettet und auf eine Erfolgspur geführt. Die Vorwürfe gegenüber, vielleicht einem Jahrhundert Manager, sind billig, konstruiert und schäbig. In der Anfangs-Zeit der Allianz wurden Renault Manager an Schlüsselpositionen von NISSAN entsandt. Weltweit. Was sich in den einzelnen Länder Gesellschaften zeigte, war eine Selbstbedienungsmentalität der Japaner. Das waren die Fakten.
century 10.02.2019
4. Grösster PKW Hersteller
war Renault-Nissan-Mitsubishi auch 2018. VW rechnet noch die LKW Sparte dazu. Hier geht es nur noch darum ob Herr Goshn Abfindungsberechtigt ist. Das Zepter wurde schon vor einiger Zeit an eine kompetente Führungsriege abgegeben. [...]
war Renault-Nissan-Mitsubishi auch 2018. VW rechnet noch die LKW Sparte dazu. Hier geht es nur noch darum ob Herr Goshn Abfindungsberechtigt ist. Das Zepter wurde schon vor einiger Zeit an eine kompetente Führungsriege abgegeben. Trotzdem halte ich Herrn Goshn für einen der besten Automanager der letzten 15 Jahren. Das was allein Renault an Qualität und Design mitterweile zu bieten hat, überfordert mittlerweile einige andere Autobauer in Europa, insbosondere den aus der Heide. Renault baut mittlerweile eine Qualität die VW vor zuletzt 15 bis 20 Jahren bieten konnte. Nur am Rande: Der Kadjar baut übrigens auf der Quashai-Plattform auf und fährt sich daher eher wie ein Nissan. Der Koleos wird übrigens mit Samsung in Korea gebaut, auf der X-Trail Plattform von Nissan.
neanderspezi 10.02.2019
5. Es ist schlimm, wenn zu hart ermittelt wird, Renault will es sanft
Süß, wenn dieser Ghosn in der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi als Vorzeigemanager und Verwaltungsratchef gehandelt wird, dann weiß man doch gleich Bescheid. Schöner kann sich eine Geschäftspartnerschaft eigentlich [...]
Süß, wenn dieser Ghosn in der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi als Vorzeigemanager und Verwaltungsratchef gehandelt wird, dann weiß man doch gleich Bescheid. Schöner kann sich eine Geschäftspartnerschaft eigentlich vor dem Publikum nicht mehr darstellen. Welches Auto steht nun bei so viel Vertrauenswürdigkeit als Nächstes auf der Wunschliste?

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