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Wirtschaft

Auf Kaution entlassener Chefaufseher

Ghosn darf nicht zur Nissan-Verwaltungsratssitzung

Ein Gericht hat Chefaufseher Carlos Ghosn die Teilnahme an einer Sitzung des Verwaltungsrates von Nissan verwehrt. Der Konzern hatte zuvor darauf gepocht. Bei dem Treffen wird auch über eine neue Führung verhandelt.

DPA

Carlos Ghosn nach seiner Freilassung auf Kaution (Archivbild)

Montag, 11.03.2019   15:37 Uhr

Der kürzlich auf Kaution freigelassene Automanager Carlos Ghosn darf nicht an einer Verwaltungsratssitzung des japanischen Autobauers Nissan teilnehmen. Der 65-Jährige war zuletzt Verwaltungsratschef und zuvor Chef bei Nissan, das Bezirksgericht in Tokio lehnte einen Antrag auf Teilnahme jedoch ab.

Ghosns Anwalt Junichiro Hironaka sagte, er erwäge eine Beschwerde. Sein Mandant habe die Pflicht, an dem Treffen des Verwaltungsrats an diesem Dienstag teilzunehmen. Hironoka zufolge hatte Nissan mit einer schriftlichen Stellungnahme von der Staatsanwaltschaft gefordert, Ghosn die Teilnahme zu verweigern. "Wir hatten nicht mit solch einer Gegenwehr gerechnet", sagte der Anwalt.

Unterdessen teilte Nissan mit, dass am Dienstag der neue Präsident von Renault, Jean-Dominique Senard, Renaults Generaldirektor Thierry Bolloré sowie Nissan-Chef Hiroto Saikawa und der Chef von Mitsubishi Motors, Osamu Masuko, in der Nissan-Konzernzentrale in Yokohama vor die Presse treten werden.

Autobündnis will Führungsgremium erneuern

Das Autobündnis soll ein neues Führungsgremium erhalten, wie Renault mitteilte. Die Zusammenarbeit der Hersteller könne damit gestärkt werden. Eine endgültige Abmachung gebe es bisher nicht. Ghosn war im Januar als Renault-Chef zurückgetreten.

AFP

Ghosn bei seiner Freilassung auf Kaution

Nissan hatte ihn nach seiner Festnahme als Verwaltungsratschef entlassen. Um ihn aus dem Gremium zu entfernen, ist jedoch eine außerordentliche Aktionärskonferenz notwendig. Diese soll am 8. April stattfinden - schon am Dienstag tagt aber der Verwaltungsrat. Ghosn darf allerdings wegen seiner Kautionsauflagen mit niemandem Kontakt aufnehmen, der mit seinem Verfahren in Verbindung steht. Dazu gehören auch Nissan-Manager, die voraussichtlich an der Verwaltungsratssitzung teilnehmen werden.

Ghosn, der Nissan einst vor der Pleite gerettet und mit Renault und Mitsubishi zu einer mächtigen Autoallianz zusammengeführt hatte, war am 19. November wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen in Tokio festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut der japanischen Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Sorge um Autobündnis

Ghosn hat wiederholt seine Unschuld beteuert und vermutet ein Komplott gegen sich. Nach mehr als dreimonatiger Untersuchungshaft war er vergangene Woche gegen eine Kaution von 7,9 Millionen Euro und unter strengen Auflagen freigekommen. Er darf Handy und Computer nur unter Auflagen benutzen.

Gerade in Frankreich gab es nach den Vorwürfen gegen Ghosn immer wieder Befürchtungen, dass die von ihm lange geführte Autoallianz in Gefahr ist. Wie Renault mitteilte, soll sich an der grundlegenden Abmachung über das Bündnis und den Überkreuz-Beteiligungen der Unternehmen nichts ändern. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, der japanische Hersteller ist seinerseits zu 15 Prozent an Renault beteiligt, hat aber dabei keine Stimmrechte.

Bisher gibt es in Amsterdam ein Gemeinschaftsunternehmen von Renault und Nissan, die Renault-Nissan BV. Renault-Manager Bolloré hatte im vergangenen Monat angekündigt, dass auch bei dieser Tochtergesellschaft Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten laufen. In französischen Medien waren im Zuge des Falls Ghosn immer wieder Vorwürfe laut geworden, dass über diese Tochtergesellschaft auch Menschen aus dem Umfeld des Managers entlohnt würden.

kko/dpa/AFP

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