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Wirtschaft

Ghosn-Anwalt zu gesponserter Hochzeit auf Versailles

"Er dachte, es war umsonst"

2016 feierte Ex-Renault-Chef Carlos Ghosn seine Hochzeit als rauschendes Fest auf Schloss Versailles - ohne bezahlen zu müssen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Und Ghosn will wohl doch für die Kosten aufkommen.

REUTERS

Carlos Ghosn und seine Frau Carole beim Filmfestival in Cannes 2017

Freitag, 08.02.2019   17:44 Uhr

Der ehemalige Renault-Chef Carlos Ghosn plant offenbar, die Kosten für seine Hochzeit auf Schloss Versailles doch zu übernehmen. Der Manager sei bereit, die fraglichen 50.000 Euro für die Raumnutzung zu zahlen, sagte sein französischer Anwalt. Seinem Mandanten sei allerdings nicht bewusst gewesen, dass er für die Feier Geld schulde, denn er habe keine Rechnung erhalten. "Er dachte, es war umsonst."

Es handele sich bei der Sache um ein "Missverständnis": "Das große Problem dieser überlasteten Menschen, die die Welt bereisen und sowohl Nissan als auch Renault regieren, besteht darin, dass ihnen die Details ihrer privaten Angelegenheiten entgehen", sagte der Anwalt.

Der französische Autobauer Renault hatte am Donnerstag angekündigt, wegen der Hochzeitsparty die Justiz wegen mutmaßlicher persönlicher Vorteilsnahme Ghosns einzuschalten.

Mögliche Veruntreuung von Firmengeld und Steuerhinterziehung

Das Fest im Oktober 2016 wurde im Stil der früheren Königin Marie Antoinette organisiert; Künstler traten in entsprechenden Kostümen auf. Dass Ghosn dem Schlossbetreiber dafür nichts zahlen musste, könnte ihm den Vorwurf der Veruntreuung von Firmengeld sowie der Steuerhinterziehung einbringen, falls die französischen Behörden nicht über den Deal informiert wurden.

Der Konzern hatte im Juni 2016 einen Sponsorenvertrag mit der Betreibergesellschaft von Schloss Versailles bei Paris abgeschlossen. Die Vereinbarung über etwa 2,3 Millionen Euro verschaffte Renault Zugang zum Schloss und weitere Dienstleistungen. Dazu zählte offenbar auch die Nutzung der Räume für die Hochzeit. Versailles veranschlagte dafür gut 50.000 Euro, die über den Vertrag mit Renault abgerechnet wurden.

Der Manager Ghosn hatte die Autoallianz aus Renault und den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi gebildet. Er war am 19. November in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 64-Jährigen vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei dem Autohersteller Nissan deklariert.

Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Vor Gericht hatte der Manager seine Unschuld beteuert und vermutete einen Komplott gegen ihn. Als Renault-Chef trat er im Januar zurück.

kko/AFP/dpa

insgesamt 26 Beiträge
frenchie3 08.02.2019
1. Also, un ehrlich zu sein
das muß nicht mal eine Ausrede sein. In diesen Sphären hält man sich für so wichtig daß man es einfach annimmt
das muß nicht mal eine Ausrede sein. In diesen Sphären hält man sich für so wichtig daß man es einfach annimmt
Das dazu 08.02.2019
2. Ergo
Es wurde Renault eine Rechnung gestellt, die dann firmenintern nicht an den Chef gegeben wurde? Traute man sich nicht oder was soll das? Hat der Chef angewiesen, das nicht in Rechnung zu stellen, sieht die Sache anders aus. Nach [...]
Es wurde Renault eine Rechnung gestellt, die dann firmenintern nicht an den Chef gegeben wurde? Traute man sich nicht oder was soll das? Hat der Chef angewiesen, das nicht in Rechnung zu stellen, sieht die Sache anders aus. Nach über 2 Jahren kommt das ans Licht? Da haben doch wohl offensichtlich firmeninterne Controller versagt.
trueffelschwein 08.02.2019
3. Kein Korrektiv
Diese Geschichte führt deutlich vor Augen wie verkümmert Anstand und Moral derjenigen mit der Zeit werden, die aufsteigen bis zu dem Punkt, an dem sie kein Korrektiv mehr haben und jegliches Gespür abhanden gekommen ist. Die [...]
Diese Geschichte führt deutlich vor Augen wie verkümmert Anstand und Moral derjenigen mit der Zeit werden, die aufsteigen bis zu dem Punkt, an dem sie kein Korrektiv mehr haben und jegliches Gespür abhanden gekommen ist. Die Ausrede ist noch absurder als die Story selbst.
ein-berliner 08.02.2019
4. Donnerwetter
Es gibt scheinbar einen zweiten Ludwig XIV, der hat auch alles selbstverständlich umsonst bekommen.
Es gibt scheinbar einen zweiten Ludwig XIV, der hat auch alles selbstverständlich umsonst bekommen.
citi2010 08.02.2019
5. Sicherlich ...
... hat sich dieser 'Firmenlenker' so manche Perks gegönnt. Aber gegenüber seinen anglo-amerikanischen Kollegen ist das wirklich alles Peanuts. Insgesamt kommt man nichtüber den Eindruck hinweg, dass man jetzt einen [...]
... hat sich dieser 'Firmenlenker' so manche Perks gegönnt. Aber gegenüber seinen anglo-amerikanischen Kollegen ist das wirklich alles Peanuts. Insgesamt kommt man nichtüber den Eindruck hinweg, dass man jetzt einen Blitzableiter gefunden hat an dem man den gesamten Hass und Verdruss auf das Establishment ableiten kann ohne das System an sich in Frage zu stellen. Und japanische Manager einen Weg gefunden haben ihren Nationalismus auszuleben und sich einer Fusion zu widersetzen. Alles sehr durchschaubar. Bei US Unternehmen (CBS z.B.) veranschlagt man schon mal für seinen CEO US$ 125m im Jahr. Insofern ist nicht die Steuerhinterziehung der Skandal, sondern die Bezahlung an sich.

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