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Wirtschaft

Verwicklung in Geldwäsche-Fall

Finanzaufsicht erhöht Druck auf Deutsche Bank

Seit Herbst soll ein Sonderbeauftragter der BaFin überwachen, wie ernst die Deutsche Bank den Kampf gegen Geldwäscher nimmt. Nun wird der Auftrag erweitert - der Fall Danske Bank rückt in den Mittelpunkt.

REUTERS

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Von
Freitag, 15.02.2019   09:15 Uhr

Die Finanzaufsicht BaFin erhöht beim Thema Geldwäsche den Druck auf die Deutsche Bank. Der von der Behörde im Herbst 2018 für drei Jahre eingesetzte Sonderbeauftragte soll nach SPIEGEL-Informationen zusätzlich klären, welche Rolle die Deutsche Bank in dem spektakulären Geldwäschefall rund um die Danske Bank spielt. Das hat die BaFin der Deutschen Bank vor einigen Tagen schriftlich mitgeteilt. Die Deutsche Bank hat zu dem Fall eine interne Untersuchung laufen, die der Sonderbeauftragte überwachen soll.

Bislang war die Aufgabe des Sonderbeauftragten eher allgemein gefasst: Ein Team von Mitarbeitern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll überwachen, ob die Bank die von der BaFin angeordneten Maßnahmen zur Vorbeugung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung umsetzt. "Es ist das erste Mal, dass die BaFin eine solche aufsichtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet", teilte die Behörde seinerzeit mit.

Schon das war ein herber Schlag für die Reputation der ohnehin angeschlagenen Deutschen Bank, die seit Jahren mit hausinternen Skandalen und maroden Systemen zur Identifikation von Kunden ("Know Your Customers" - kurz: KYC) kämpft. So hatte der Konzern 2018 einräumen müssen, dass er teilweise kaum nachvollziehen könne, woher das Geld russischer Kunden stammt und ob diese überhaupt existieren. 2016 hatte die britische Finanzaufsicht FCA der Bank schwerwiegende Versäumnisse im Kampf gegen Geldwäsche attestiert. Überdies haben Aufsichtsbehörden kritisiert, dass es in der Bank an Elan mangele, Missstände zu beheben.

Im Fall Danske geht es um 200 Milliarden Euro

Der offenkundig mangelnde Fortschritt in der Geldwäsche-Prävention kontrastiert seit langem mit dem noch immer erstaunlich robusten Selbstvertrauen der Bank. Vorstandschef Christian Sewing - als Ex-Chef der konzerninternen Revisionsabteilung jahrelang eigentlich an vorderster Front im Kampf gegen Geldwäsche - sowie Rechtsvorstand Karl von Rohr haben sich öffentlich verpflichtet, alles zu tun, um den Kampf gegen Geldwäsche und die Aufklärung älterer Fälle voranzutreiben. Gleiches gilt für Sylvie Matherat, im Vorstand für die Einhaltung der Compliance-Regeln der seriösen Unternehmensführung zuständig. Ihr Posten gilt seit langem als gefährdet.

Hintergrund für die aktuelle Erweiterung des KPMG-Mandats durch die BaFin ist der Fall Danske. Die Deutsche Bank hatte von 2007 bis 2015 mit dem dänischen Institut kooperiert. Danske-Kunden, die Geld - insbesondere russische Rubel - über die Filiale in der estnischen Hauptstadt Tallinn in westliche Währungen tauschen wollten, konnten dies nicht bei Danske tun; sie brauchten für ihre Geschäfte eine so genannte Korrespondenzbank. Das war vor allen anderen die Deutsche Bank.

AFP

Danske Bank in Kopenhagen

Auf diesem Weg flossen Devisen im Wert von 200 Milliarden Euro in den Westen, größtenteils über Konten der Deutschen Bank. Das Problem: In den meisten Fällen war die Herkunft der Gelder unklar. So sollen vor allem russische Kriminelle Kapital ins Ausland transferiert haben, ebenso Personen aus dem Umfeld der aserbaidschanischen Präsidenten-Familie, die mit den Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft reich geworden sind.

Die Deutsche Bank erklärt, Danske als Hausbank hätte die Herkunft der Gelder prüfen müsse. Nichtsdestotrotz interessieren sich Aufsichtsbehörden in Europa und den USA für den Fall und die Anti-Geldwäschesysteme der Deutschen Bank. Ob Strafen folgen werden, ist noch unklar. Der Konzern selbst weist darauf hin, kein Geld dafür zugestellt zu haben.

Die grundsätzliche Skepsis der BaFin gegenüber der Deutschen Bank dürfte sich auch aus der Erkenntnis speisen, dass der Konzern die Behörde auf deren Anfrage hin nur scheibchenweise über seine Geschäftsbeziehung zu Danske unterrichtet hat. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linkspartei-Abgeordneten Fabio di Masi hervorgeht, informierte die Deutsche Bank die BaFin Anfang Oktober 2018 zunächst nur generell über ihre Verbindung zu Danske. Über die Details ihrer Zusammenarbeit mit der im Geldwäschefall entscheidenden Danske-Filiale in Estland klärte sie die BaFin erst am 19. November auf - also exakt an jenem Tag, an dem ein Danske-Insider vor einem Ausschuss des dänischen Parlaments ohnehin umfangreich über den Skandal aussagte.

insgesamt 1 Beitrag
stefan.mahrdt 16.02.2019
1. Auf der Zielgeraden
Die Deutsche Bank beendet jetzt ihre 30 Jahre andauernde Odyssee durch die angloamerikanische Bankenwelt. Endlich wieder schwarze Zahlen und gründliche Aufarbeitung der Regulatorik. In 2020 dann ein feierliches 150-jähriges [...]
Die Deutsche Bank beendet jetzt ihre 30 Jahre andauernde Odyssee durch die angloamerikanische Bankenwelt. Endlich wieder schwarze Zahlen und gründliche Aufarbeitung der Regulatorik. In 2020 dann ein feierliches 150-jähriges Jubiläum zur Aussöhnung mit KundenInnen, AktionärenInnen, MitarbeiterInnen und der Gesellschaft. Fortza Deutsche Bank - auf in den Endspurt.

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