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Wirtschaft

Mögliche Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank

Wer den neuen Finanzgiganten führen soll

Unter größter Geheimhaltung verhandeln die Topmanager von Deutscher Bank und Commerzbank über eine Fusion. Nach SPIEGEL-Informationen haben sie die Chefposten schon aufgeteilt.

Ralph Orlowski / REUTERS

Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt

Von
Freitag, 12.04.2019   12:43 Uhr

Bei den Verhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank sprechen die Vertreter beider Institute schon konkret darüber, wer die personelle Führung in einer fusionierten Bank übernehmen soll. Aktuelle Personalüberlegungen sehen nach SPIEGEL-Informationen vor, dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auch die neue Großbank führen würde.

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Heft 16/2019
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Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Zielke, ist als Sewings Stellvertreter und Leiter des Privat- und Firmenkundengeschäfts eingeplant. Bisher ist Frank Strauß Chef dieser Sparte bei der Deutschen Bank, er muss demnach seinen Posten räumen. Das Investmentbanking soll weiter der Südafrikaner Garth Ritchie verantworten, der bislang Vizechef der Deutschen Bank ist.

Auch der Aufsichtsratschef soll zunächst von der Deutschen Bank kommen: Paul Achleitner behielte seinen Posten auch nach dem Zusammenschluss - zumindest für eine Übergangsphase. Achleitner gilt als Befürworter der Fusion, steht aber bei der Deutschen Bank seit längerer Zeit in der Kritik, weil ihm strategische Fehler vorgeworfen werden.

Die Deutsche Bank wollte die Personalien auf Anfrage nicht kommentieren.

Ob es tatsächlich zur Fusion kommt, dürfte schon bald klar sein. Seit mehreren Wochen loten die Vorstände beider Banken einen Zusammenschluss aus. Noch vor Ostern wollen sie darüber entscheiden, ob sie in eine vertiefte Sorgfaltsprüfung einsteigen. Das wäre eine Vorentscheidung, von der aus es kaum mehr ein Zurück gäbe.

Noch sind die Hürden aber groß. Vor allem die Arbeitnehmervertreter in beiden Banken sind vehement gegen einen Zusammenschluss. Sie fürchten, dass bis zu 30.000 Arbeitsplätze verlorengingen. Im Aufsichtsrat könnten sie zwar von den Vertretern der Aktionäre überstimmt werden. Doch auch viele Investoren waren zuletzt nicht wirklich überzeugt von einer Fusion.

Zudem stößt der Plan auch in der Politik auf Vorbehalte. Zwar gelten Finanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies (beide SPD) als große Befürworter eines Zusammenschlusses. Öffentlich mögen auch sie sich aber nicht so gerne dazu bekennen. Schließlich ist eine Megafusion, die Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet, alles andere als ein Gewinnerthema.

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Dass die Bundesregierung bei der Fusion überhaupt mitredet, liegt auch daran, dass der Staat noch immer etwa 15 Prozent der Anteile an der Commerzbank hält. Diese hatte er in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 im Zuge einer Rettungsaktion übernommen.

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insgesamt 38 Beiträge
romeov 12.04.2019
1. Zusammen 140.000 Mitarbeiter
...und keiner hatte eine Idee, wie sich die Sauriere mit einem eigenen Bezahlsystem im Markt platzieren hätten können. Das zeigt schon die Sinnlosigkeit dieser zwei Riesen.
...und keiner hatte eine Idee, wie sich die Sauriere mit einem eigenen Bezahlsystem im Markt platzieren hätten können. Das zeigt schon die Sinnlosigkeit dieser zwei Riesen.
kajoter 12.04.2019
2.
Die Deutsche Bank gilt in den USA als sehr zwielichtig. Sie wird sofort mit Geldwäsche und russischen Oligarchen in Verbindung gebracht und die Zahl der gegen sie eröffneten Gerichtsverfahren spricht eine eindeutige Sprache [...]
Die Deutsche Bank gilt in den USA als sehr zwielichtig. Sie wird sofort mit Geldwäsche und russischen Oligarchen in Verbindung gebracht und die Zahl der gegen sie eröffneten Gerichtsverfahren spricht eine eindeutige Sprache gegen sie. Dort meint man, dass ihr völlig ramponiertes Image durch den Zusammenschluss mit der Commerzbank saniert werden soll. Dagegen hört man von der Deutschen Bank keinerlei Reaktionen auf diese katastrophale Bilanz. Kein Bedauern, keine Richigstellungen, keine Kommentare. Ich fände es daher höchst problematisch, wenn mit dem Zusammenschluss ein deutscher Finanzriese entstehen würde, der in Zukunft höchstwahrscheinlich das zwielichtige Geschäftsgebaren der Deutschen Bank fortsetzen würde.
willibaldus 12.04.2019
3.
Ich frage mich was anderes. Die Commerzbank ist krass unterbewertet. Der Börsenwert ist weniger als 50% des tatsächlichen Wertes. Will sich die Deutsche Bank von der Differenz sanieren? So ein Fall wie die Commerzbank ist [...]
Ich frage mich was anderes. Die Commerzbank ist krass unterbewertet. Der Börsenwert ist weniger als 50% des tatsächlichen Wertes. Will sich die Deutsche Bank von der Differenz sanieren? So ein Fall wie die Commerzbank ist eigentlich ein Schnäppchen für einen Liquidierer. Also eine Heuschrecke kauft den Laden und verkauft dann die Einzelteile mit Gewinn, die Strukturen sind dann zerstört. In jedem Fall kann die Commerzbank nur verlieren. Auf jeden Fall wäre die Commerzbank zur Zeit ein Kauftipp für den, der etwas Geld übrig hat und nicht weiss, wohin damit.
banker1 12.04.2019
4. richtig
Man wird sehen was passieren wird,aber die Fusion ist aus meiner Sicht richtig und wichtig. Der Weg ist seit fast 20 Jahren vorgezeichnet. Die Verlierer werden leider wieder die Kleinaktionäre sein...... (PS Kajoter: In den [...]
Man wird sehen was passieren wird,aber die Fusion ist aus meiner Sicht richtig und wichtig. Der Weg ist seit fast 20 Jahren vorgezeichnet. Die Verlierer werden leider wieder die Kleinaktionäre sein...... (PS Kajoter: In den USA ist leider jeder Wettbewerber zwielichtig =))
Glüxxkeks 12.04.2019
5. Hauptsache, Posten verteilt
Es ist schon seltsam. Niemand, wirklich niemand hält diese Fusion für sinnvoll. Nur Herr Kukies hat seinen Freunden von Goldman Sachs einen lukrativen Auftrag verschafft, Herr Sewing und Herr Zielke lenken mit der Fusion von [...]
Es ist schon seltsam. Niemand, wirklich niemand hält diese Fusion für sinnvoll. Nur Herr Kukies hat seinen Freunden von Goldman Sachs einen lukrativen Auftrag verschafft, Herr Sewing und Herr Zielke lenken mit der Fusion von ihrem eigenen Scheitern ab, und die Commerzbank wird als Geldgeber für die Machenschaften der Deutschen Bank verheizt. Hauptsache, es springen für alle Protagonisten lukrative Posten heraus. Was aus den bis 30.000 Mitarbeitern wird, die durch diesen faulen Deal ihren Arbeitsplatz verlieren werden, interessiert niemanden. Bravo, Herr Scholz!

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