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Wirtschaft

Studie des Weltwirtschaftsforums

Deutschland rutscht bei Wettbewerbsfähigkeit ab

Lahmes Internet und hohe Abgaben auf Löhne: Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit geht laut einem Ranking im internationalen Vergleich zurück. Nur in einer Kategorie bleibt die Bundesrepublik Spitzenreiter.

Waltraud Grubitzsch / DPA

Mitarbeiterin in einem Werk in Ostdeutschland: Bei den Innovationen ist Deutschland Weltspitze, bei der Qualität der Internetverbindungen nur Mittelmaß

Mittwoch, 09.10.2019   00:38 Uhr

Deutschland belegt bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern keinen Spitzenplatz mehr. In der neuen Rangliste des Weltwirtschaftsforums (WEF) fällt die Bundesrepublik von Platz drei auf Platz sieben zurück.

Überholt wird Deutschland von Hongkong, den Niederlanden, der Schweiz und Japan. Spitzenreiter in diesem Jahr ist Singapur, gefolgt von den USA. China steht unverändert auf Platz 28 der 141 untersuchten Staaten im Globalen Wettbewerbsbericht 2019 des WEF.

Besonders düster sieht es für die deutsche Wirtschaft mit Blick auf die Informationstechnologie aus: Bei Internetverbindungen über Glasfaserkabel landet Deutschland auf Platz 72, bei mobilen Breitbandanschlüssen auf Platz 58.

In der Kategorie Innovationsfähigkeit bleibt die Bundesrepublik dagegen auf dem Spitzenplatz. Dabei geht es etwa um die Zahl angemeldeter Patente oder wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Deutschland noch deutlich über dem Durchschnitt

Auch für die makroökonomische Stabilität, bei der die Inflationsrate und Schuldenlage berücksichtigt werden, gibt es Topnoten. In der Frage, wie gut sich Länder auf digitale Geschäftsmodelle einstellen, landen von den 20 größten Volkswirtschaften nur zwei unter den Top Ten: die USA auf Platz eins, Deutschland auf Platz neun.

Im Gesamtindex Wettbewerbsfähigkeit liegen die ersten Länder dicht beieinander. Singapur kommt auf 84,8 von 100 möglichen Punkten, Deutschland auf 81,8. Der Durchschnitt aller Länder liegt bei 61 Punkten, auf den letzten Rängen liegen die Demokratische Republik Kongo, der Jemen und der Tschad.

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"Der Graben bei der Wettbewerbsfähigkeit ist umso besorgniserregender, weil die Weltwirtschaft mit der Aussicht auf einen Abschwung konfrontiert ist", heißt es im WEF-Bericht. "Die veränderte geopolitische Lage und die wachsenden Handelsspannungen heizen Unsicherheiten an und könnten zu einer Konjunkturabschwächung führen."

Den WEF-Wettbewerbsbericht gibt es seit 1979, die Methode wurde aber immer wieder verfeinert. Weil seit 2018 ein neues Bewertungsverfahren gilt, ist ein Vergleich mit früheren Rankings nicht möglich. Das WEF beurteilt bei der Wettbewerbsfähigkeit mehr als hundert Indikatoren, etwa aus den Bereichen Finanzsystem, Infrastruktur, Bildung oder Arbeitsmarktbedingungen.

fek/dpa

insgesamt 54 Beiträge
Lagrange 09.10.2019
1.
Naja das ist halt der Preis für unsere krassen Arbeitnehmerrechte (Elternzeit, hoher Urlaubsanspruch, extremer Kündigungsschutz, etc.). Im Moment können wir das alles noch Leisten - hoffe das bleibt so, sicher bin ich mir da [...]
Naja das ist halt der Preis für unsere krassen Arbeitnehmerrechte (Elternzeit, hoher Urlaubsanspruch, extremer Kündigungsschutz, etc.). Im Moment können wir das alles noch Leisten - hoffe das bleibt so, sicher bin ich mir da allerdings nicht. Daumen drücken und vielleicht selbst was dafür tun, dass wir weiter so erfolgreich sind.
Pinky McBrain 09.10.2019
2.
Es tut so weh, dabei zusehen zu müssen. Als Betroffener (meine 10 Mitarbeiter teilen sich 6 MBit, mitten in Berlin) umso mehr. Deutschland bekommt auf den Finanzmärkten unbegrenzt Geld, vermutlich sogar zinsfrei. Es gibt also [...]
Es tut so weh, dabei zusehen zu müssen. Als Betroffener (meine 10 Mitarbeiter teilen sich 6 MBit, mitten in Berlin) umso mehr. Deutschland bekommt auf den Finanzmärkten unbegrenzt Geld, vermutlich sogar zinsfrei. Es gibt also wirklich keine Erklärung mehr, warum nicht jede Milckanne mit 1 GBit an das Internet angebunden wird.
kayakclc 09.10.2019
3. hohe Abgaben auf Löhne....
Ich wundere mich darüber, dass sich Leute erschaunt darüber zeigen. Das Durchschnittsalter beläuft sich heute in der BRD um die 80 Jahre. Leute sind erstaunt, wenn gefordert wird, dass sie 45 Jahre arbeiten sollen. Ausgehend [...]
Ich wundere mich darüber, dass sich Leute erschaunt darüber zeigen. Das Durchschnittsalter beläuft sich heute in der BRD um die 80 Jahre. Leute sind erstaunt, wenn gefordert wird, dass sie 45 Jahre arbeiten sollen. Ausgehend von der Zahl bedeutet das im umherschluss, dass ein Mensch 35 Jahre lang von Sozialtransfers lebt, erst als Heranwachsender und dann als Rentner. Wenn jetzt durch altersbedingte Gebrechen, sowohl Gesundheitskosten als auch Pfegekosten die letzetn 15 jahre besonders Teuer machen, dann müssen alle Werktätigen während ihres Arbeitslebens eben viel höhere Abgaben (Steuer oder Sozialversicherung ist jetzt eine Persönliche Präferenz) bezahlen. Im Klartext: viel des Produktivitätszuwachs kann gar nicht in die Taschen der Arbeitnehmer fließen, sondern wird durch Steuer und Abgaben in die Sozialtransfers gepumpt. Symptomatisch ist das Rekordhoch im Bundeshaushalt für Arbeit und Sozial: Absolut 139Mrd€, relativ 41% top das alle je dagewesene. Die Zunkunft wird sich nicht ändern, weil Leute immer neue soziale Ausgaben generieren wollen, da wir durch den lange Wirtschaftsaufschwung mit sprudelnen Geldquellen verlernt haben, prioritäten zu setzen. Wenn die Wirtschaft das Geld nicht mehr generieren kann, dann gehen die Verteilungskämpfe erst wirklich los.
jogola 09.10.2019
4. Endlich tut mal einer was
gegen den Leistungsbilanzüberschuss.
gegen den Leistungsbilanzüberschuss.
Tante_Frieda 09.10.2019
5. Virtuelle Schublade
Wenn Deutschland bei der Innovationsfähigkeit,also der Zahl angemeldeter Patente und der Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen,nach wie vor auf Platz eins steht,stellt sich die Frage,wer mit diesen Patenten anschließend [...]
Wenn Deutschland bei der Innovationsfähigkeit,also der Zahl angemeldeter Patente und der Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen,nach wie vor auf Platz eins steht,stellt sich die Frage,wer mit diesen Patenten anschließend gute Geschäfte macht.Oder muss man sich das so vorstellen,dass diese lediglich in der virtuellen Schublade verstauben?

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