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Wirtschaft

Vertrag mit Bolivien

Deutschland sichert sich Lithium-Vorkommen

Bisher hinkt Deutschland bei Elektroautos hinterher - für die geplante Offensive bekommt ein deutsches Unternehmen nun erstmals direkten Zugriff auf den dafür wichtigen Rohstoff Lithium.

REUTERS

Lithium-Abbau in Bolivien

Mittwoch, 12.12.2018   17:35 Uhr

Ein deutsches Unternehmen bekommt erstmals direkten Zugriff auf den für die Elektromobilität so wichtigen Rohstoff Lithium. Am Mittwoch besiegelten Vertreter des baden-württembergischen Unternehmens ACISA und des bolivianischen Staatskonzerns Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) in Berlin im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine Kooperation.

YLB wird 51 Prozent der Anteile halten. Geplant ist von 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr - damit lassen sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien versorgen. Die Investition beträgt 300 bis 400 Millionen Euro.

Auch Boliviens Außenminister Diego Pary Rodríguez reiste zur Vertragsunterzeichnung nach Berlin. "Wir haben sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Deutschland gemacht", sagte er. Und der Bedarf an Lithium werde massiv wachsen. Zuletzt hatten die Autokonzerne VW und Audi milliardenschwere Elektromobilitätspläne verkündet; für die Hochleistungsbatterien braucht es das "weiße Gold" Lithium. Im Rennen um den Zuschlag waren auch mehrere chinesische Unternehmen. Das deutsch-bolivianische Projekt ist auf 70 Jahre angelegt.

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Elektromobilität: Warten auf den Wunder-Akku

In Bolivien werden im Salzsee (Salar) von Uyuni die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet. "Lithium ist einer der Schlüsselrohstoffe des 21. Jahrhunderts", sagte ACISA-Chef Wolfgang Schmutz. "Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht heimische Rohstoffe", betonte Schmutz. "Dies ist insbesondere für die deutsche Automobilindustrie von Bedeutung." Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte: "Deutschland soll ein führender Standort für die Batteriezellfertigung werden." Ein großer Anteil der Produktionskosten entfalle dabei auf Rohstoffe und Material.

"Deshalb brauchen wir einen verlässlichen und wettbewerbsfähigen Rohstoffbezug aus einer umweltgerechten Rohstoffgewinnung und Rohstoffweiterverarbeitung", sagte Altmaier. Besondere Bedeutung für die Batteriezellfertigung komme Lithium zu, die Nachfrage könne sich bis 2025 vervierfachen. "Die deutsche Industrie tut deshalb gut daran, sich ihren Bedarf frühzeitig zu sichern, um nicht in Rückstand und Abhängigkeit zu geraten."

Der Rohstoff wird in einem komplizierten Verfahren gewonnen und für die Batterien in Elektroautos gebraucht - der Weltmarktpreis hatte sich von 2016 bis 2017 zeitweise von 6500 Dollar auf mehr als 13.000 Dollar verdoppelt. Geplant sind in Uyuni zwei große Lithiumanlagen, Deutschland mit ACISA steht hier in direkter Konkurrenz zu chinesischen Firmen. Lithium wird auch in Handy-Akkus verwendet. Wegen neuer Vorkommen gerieten aber viele Lithiumaktien in diesem Jahr unter Druck - aber viele Experten rechnen mit der zu erwartenden anziehenden Nachfrage schon bald wieder mit einer Trendwende und steigenden Kursen.

mik/dpa

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