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Wirtschaft

Klage von US-Präsident Trump

Der Problemkunde der Deutschen Bank

Donald Trump und seine Kinder klagen gegen die Deutsche Bank, die steckt zwischen den Fronten: Die Demokraten im US-Kongress wollen Unterlagen zu ihren Geschäftsbeziehungen mit dem jetzigen Präsidenten - und der will das mit allen Mitteln verhindern.

Nicholas Kamm / AFP

US-Präsident Donald Trump (l.) mit Tochter Ivanka

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Dienstag, 30.04.2019   15:58 Uhr

In der Finanzbranche gibt es ein Naturgesetz: Wenn es irgendwo Ärger gibt, ist meist die Deutsche Bank darin verwickelt.

In der Regel liegen den Skandalen verbotene oder unmoralische Geschäftspraktiken zugrunde - Mitarbeiter des Konzerns manipulierten Zinsen, Rohstoffpreise und Währungskurse, verkauften Kunden Anlageschrott und assistierten, wissentlich oder nicht, russischen Klienten bei der Geldwäsche.

Der aktuelle Aufreger ist anderer, politischer Natur. US-Präsident Donald Trump und seine Kinder wollen per Unterlassungsklage verhindern, dass die Deutsche Bank Finanzunterlagen an zwei Komitees des US-Kongresses aushändigt. Scharf auf die Dokumente sind Amerikas Demokraten, die nach ihrem Erfolg in den Zwischenwahlen dem verhassten republikanischen Präsidenten nachweisen wollen, dass dieser eine Marionette Russlands sei und womöglich Geldströme aus Moskau via Deutsche Bank in den Trump Tower geflossen sind.

Der Bericht des Sonderermittlers Robert Mueller hat Trump zwar vom Marionettenvorwurf freigesprochen. Dennoch haben zahlreiche Personen im Umfeld des Präsidenten zweifelsfrei Kontakt mit Russen gehabt, um den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu beeinflussen. Mehrere Trump-Vertraute sitzen im Gefängnis, aber das reicht den Demokraten nicht. Im Herbst 2020 will sich Trump zur Wiederwahl stellen, und bis dahin wird die Opposition wie seit Jahren schon versuchen, dem Amtsinhaber mit Nachforschungen seines undurchsichtigen Finanzgebarens auf die Nerven zu gehen.

Und genau an dieser Stelle kommt einmal mehr die Deutsche Bank ins Spiel. Sie dreht spätestens seit dem Erwerb des US-Investmenthauses Bankers Trust im Jahr 1999 ein für ausländische Institute relativ großes Rad an der Wall Street. Zwar war Bankers Trust damals eher vom Zusammenbruch bedroht als ein Finanzgigant. Aber in ihrem Expansionsdrang schauten die Bankchefs in Frankfurt, wie so oft, nicht so genau hin. Bankers-Trust-Boss Frank Newman kassierte sogar 100 Millionen Dollar Prämie dafür, dass er dem Deal zustimmte.

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Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig

Fortan versuchte die Deutsche Bank, mit der US-Konkurrenz mitzuhalten. Das gelang ihr zeitweise leidlich, insbesondere im Handel mit Unternehmensanleihen. Von allen nicht amerikanischen Geldhäusern war sie das erfolgreichste am US-Markt, abgesehen von der später kollabierten Royal Bank of Scotland vielleicht.

Viel übrig ist von diesem einstigen Glanz freilich nicht mehr. Inzwischen brechen die Umsätze schneller weg als die Bank sparen kann. Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan Chase kalkuliert, dass die Deutsche Bank allein im Handel mit US-Aktien jährlich bis zu 300 Millionen Euro verbrennt. Dabei hat Vorstandschef Christian Sewing das Personal im US-Aktiengeschäft bereits deutlich reduziert.

REUTERS

Vorstandschef Christian Sewing: Hätten sie besser die Finger von Trump gelassen

Geblieben ist vor allem Ärger. In schöner Regelmäßigkeit fällt die Deutsche Bank durch den sogenannten Stresstest der US-Notenbank. Vor zwei Jahren wurde sie wegen der Zinsmanipulationen in den USA zu einer Milliardenstrafe verdonnert. Insgesamt summieren sich die Strafzahlungen auf rund 20 Milliarden Euro, der Großteil davon floss in die amerikanische Staatskasse.

Hinzu kommt der Problemfall Trump. Als New Yorker Bauunternehmer war er seit 1998 Kreditkunde der Deutschen Bank. Sie lieh dem mehrfachen Pleitier auch dann noch Geld, als Amerikas Großbanken ihn längst auf die rote Liste gesetzt hatten - um Marktanteile zu gewinnen, waren der Deutschen Bank alle Mittel recht.

Vor gut zehn Jahren überzogen sich die beiden Geschäftspartner sogar gegenseitig mit Klagen: Trump war die Rückzahlung von Immobilienkrediten säumig geblieben mit der Begründung, die Deutsche Bank habe die Finanzkrise verursacht - bei aller Kritik an dem Konzern ein enorm eindimensionaler Vorwurf. Er forderte sogar drei Milliarden Dollar Entschädigung. Die Deutsche Bank verklagte ihrerseits Trump auf Rückzahlung des Darlehens. 2010 einigten sich die Parteien.

Oliver Contreras/POOL/EPA-EFE/REX

Donald Trump

Noch bizarrer wurde es, als die Investmentabteilung der Deutschen Bank nichts mehr von Trump wissen wollte - und er deshalb plötzlich Kunde der Vermögensverwaltungssparte wurde. Deren Topmanagerin Rosemary Vrablic hatte ihn als Kunden geangelt, Trump nannte sie "die Chefin der Deutschen Bank". Vrablics Kundenstamm umfasste auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, wie sein Vater Charlie Immobilieninvestor aus New York. Jareds Frau, Trumps Tochter Ivanka, trat sogar in einem internen Werbevideo der Bank auf.

Ob die Deutsche Bank und ihren langjährigen Kunden Trump mehr als eine wechselvolle Kreditbeziehung verbindet, und welche Rolle dabei gegebenenfalls Russen spielten, ist bis dato völlig unklar; auch Sonderermittler Mueller hat keine gerichtsfesten Beweise heranschaffen können. Vermutlich hat sich die Deutsche Bank wie so oft in ihrer Geschichte in einer Mischung aus Gier und Fahrlässigkeit mit einem Kunden eingelassen, von dem sie besser die Finger gelassen hätte.

Der Preis dafür jedenfalls ist hoch. Schon seit dem Beginn von Trumps Präsidentschaft steht die Deutsche Bank im Zentrum der erbitterten Auseinandersetzung von Demokraten und den Anhängern des Präsidenten. Angeforderte Unterlagen liefert sie nach eigenem Bekunden bislang reibungslos ab, den Zorn des Mannes im Weißen Haus kriegt sie gratis obendrauf. Und das wird so lange so bleiben, wie Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist - und prominentester Ex-Kunde der Bank.

insgesamt 113 Beiträge
Elrond 30.04.2019
1. Und die Time-is-up-Kampagne
geht weiter. Ich hoffe, eine Veröffentlichung der Finanzen Trumps kommt zur rechten Zeit - spätestens im Wahlkampf. Eine Widerwahl muss unter allen Umständen verhindert werden. Wie man aus den Unterlagen Muellers erkennen kann, [...]
geht weiter. Ich hoffe, eine Veröffentlichung der Finanzen Trumps kommt zur rechten Zeit - spätestens im Wahlkampf. Eine Widerwahl muss unter allen Umständen verhindert werden. Wie man aus den Unterlagen Muellers erkennen kann, hätte Trump durch sein eigenes Verhalten das Amt bisher nicht überlebt. Seine Mitarbeiter-innen haben ihn und das Amt geschützt, geschätzte Freunde DTs.
Markstein 30.04.2019
2. Schöner Streit.
Schöner Streit. Mit ein wenig Pech kann die Deutsche Bank die nächsten Schadenersatzzahlungen einstellen. Vom am. Präsidenten wird man nicht alle Tage verklagt und warum für den was anderes, als das Bankgeheimnis galten soll, [...]
Schöner Streit. Mit ein wenig Pech kann die Deutsche Bank die nächsten Schadenersatzzahlungen einstellen. Vom am. Präsidenten wird man nicht alle Tage verklagt und warum für den was anderes, als das Bankgeheimnis galten soll, erschließt sich mir erst mal nicht. Aber da trifft man sich wohl auf Augenhöhe, denn die Deutsch Bank ist so wenig seriös, wie dieser "Kunde".
PeterAlef 30.04.2019
3. ...soviel Zeit muss sein....
...Trump will die Deutsche Bank per Unterlassungsklage zwingen, die Unterlagen NICHT(!!) herauszugeben....bei Ihnen klingt das anders.... - - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben die Stelle entsprechend angepasst! [...]
...Trump will die Deutsche Bank per Unterlassungsklage zwingen, die Unterlagen NICHT(!!) herauszugeben....bei Ihnen klingt das anders.... - - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben die Stelle entsprechend angepasst! MfG Redaktion Forum
wolly21 30.04.2019
4.
Seitb wann gibt es in USA ein Bankgeheimnis? Die Schweizer Banken wurden doch gezwungen, Steuerhinterziehungen an die USA zu melden.
Seitb wann gibt es in USA ein Bankgeheimnis? Die Schweizer Banken wurden doch gezwungen, Steuerhinterziehungen an die USA zu melden.
Igelnatz 30.04.2019
5. nicht erhellend
Wie ist denn die Rechtslage in den USA?it Verlaub - Trumps Bankunterlagen gehen erst einmal niemanden etwas an! Es sei denn, es gibt gesetzliche Grundlagen oder einen Gerichtsbeschluss. Oder kann einfach jemand Bankunterlagen von [...]
Wie ist denn die Rechtslage in den USA?it Verlaub - Trumps Bankunterlagen gehen erst einmal niemanden etwas an! Es sei denn, es gibt gesetzliche Grundlagen oder einen Gerichtsbeschluss. Oder kann einfach jemand Bankunterlagen von jemand anderem einfordern? Hier erwarte ich etwas mehr Hintergrund im Artikel - so kann man das gar nicht einordnen.
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