Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Tesla-Gründer Elon Musk

Großmaul unter Druck

Nach dem tödlichen Unfall eines US-Amerikaners mit einem computergesteuerten Model S steht Tesla-Gründer Elon Musk unter Druck. Er reagiert wie immer: mit einer neuen Vision.

DPA

Multitalent Musk

Von
Sonntag, 24.07.2016   12:03 Uhr

Was Elon Musk ersinnt, klingt nach Kinderträumen: Er will zum Mars fliegen, Autos ohne Emissionen bauen, eine Überschall-U-Bahn sowie senkrecht landende Raketen und senkrecht startende Flugzeuge.

Wenn Musk loslegt, scheinen solche Träume Realität zu werden. Er hat den Elektroautohersteller Tesla und die Raketenfirma SpaceX gegründet, er ist Verwaltungsratschef der Solarenergiefirma SolarCity und der Vordenker der Rohrpostbahn Hyperloop.

Sein unerschrockenes Vorpreschen hat Musk zum Star der Start-up-Szene gemacht. Umso härter trifft ihn jetzt die Kritik am Vorzeigeprojekt Tesla. Im Mai starb ein Mensch, weil offensichtlich die Autopilotfunktion seines Tesla Modell S versagte und der Wagen ungebremst in einen Lkw raste. Behörden untersuchen den Fall, ein US-Senatsausschuss hat Musk einbestellt. Spätestens seitdem stellen sich Fragen: Hat Musk zu viel gewollt? Hat er mit seinen Zukunftsvisionen überzogen?

Musk wirkt nicht so, als ob ihn Zweifel quälten. "Wenn Dinge nicht schiefgehen, warst du nicht innovativ", sagt er. Kritische Stimmen lässt der 45-Jährige nicht an sich ran. Er kanzele jeden mit Kritik brüsk ab und verfolge sofort seinen Plan weiter, sagt ein Manager, der Musk näher kennt. Auf diese Art reagierte der Tesla-Gründer auch auf einen Artikel des US-Magazins "Fortune" über mögliche Defekte am Modell S: "Bullshit" - Schwachsinn - sagte Musk.

AP

Tesla Modell S

Ignorant klingt auch seine Antwort auf den tödlichen Unfall: "Unter dem Strich wird der Autopilot Leben retten." Als ließe sich der Verlust eines Menschenlebens auf dem Weg zum höheren Ziel verschmerzen. Kaum ein Konzernchef hätte solch eine lapidare Aussage gewagt.

Das ungebremste Fortschreiten - es ist Musks Erfolgsgeheimnis. Bisher jedenfalls. Mittlerweile sammelt er derart viele Projekte, dass sie sich kaum mehr tiefgreifend von ihm dirigieren lassen. Das könnte zur Gefahr für sein Werk werden, wenn von Musks Ideen einmal nur noch Show übrig bleibt, weil die Realität nicht mithält.

Kritik? Spot an!

Während Debatten um die Zukunft seiner Projekte hochkochen, kontert Musk mit neuen Plänen. Statt sich wegzuducken, nutzt er die Aufmerksamkeit, die nun auf ihn gerichtet ist. Der Tesla-Unfall ist noch längst nicht aufgearbeitet, da verkündet Musk schon seinen neuen Masterplan - Teil zwei seiner bisherigen Strategie: Elektrisch betriebene Busse und Lastwagen soll Tesla künftig ebenfalls bauen und einen Fahrdienst in Städten mit komplett selbstfahrenden Autos anbieten.

Immer wieder heizte Musk zuvor die Spekulationen um seine Vorhaben an: Er arbeite am Plan, schrieb er einmal auf Twitter, er lege eine Nachtschicht ein, teilte er ein andermal mit. Das Interesse seiner Fangemeinde war ihm so sicher.

Doch langsam stößt Musk offenbar an seine Grenzen. Bei der Arbeit am Masterplan wurde er immer wieder von anderen Projekten unterbrochen.

Bevor Musk am 19. Juli in Kalifornien am Masterplan feilte, war er gerade aus Cape Canaveral zurückgekehrt vom erfolgreichen Start und der Landung einer SpaceX-Rakete . Die neue Technik soll die Kosten von Weltraummissionen drastisch senken, denn anders als bei anderen Modellen stürzt die Trägerrakete nicht ins Meer.

Getty Images/NASA

SpaceX-Rakete

Davor beschäftigten Musk die Chancen von Hyperloop, einer Transportbahn, die mit mehr als 1200 Stundenkilometern unterwegs sein soll. Zugleich schwärmt Musk von einem integrierten Konzern: mit Tesla, seiner geplanten Batteriefabrik und der Sonnenstromfirma Solarcity, die der Autohersteller übernehmen soll. Dass Investoren einen Interessenkonflikt fürchten, wenn Musk beide Firmen dirigiert, scheint ihn dabei nicht weiter zu stören.

Ohne Angst vor der Niederlage

Alles oder nichts - das kennt Musk schon lange. Am Anfang wurde er von Experten aller möglicher Branchen verlacht. Die ersten Raketen von SpaceX stürzten reihenweise ab, und auch Tesla geriet in vergangenen Jahren mehrfach in die Bredouille. 2012 kämpfte das Unternehmen ums Überleben, konnte nur wenige Autos pro Woche produzieren. Zulieferer nahmen den Autohersteller nicht ernst, lieferten schleppend. Mitten in der tiefsten Krise präsentierte Musk seine neueste Idee, ein Netz von Ladestationen für E-Autos. Einmal im Großmaulmodus, verkündete er gleich noch das Ziel, Tesla solle der profitabelste Autohersteller der Welt werden.

obs/JumpStartFund

Modellzeichnung der Röhrenbahn Hyperloop

Ein Jahr später rutschte Tesla erneut ab, das Unternehmen stand kurz vor der Pleite. Mit Google verhandelte Musk aus der Not heraus bereits einen Verkauf. Da sammelte er Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, machte sie zu Autoverkäufern - und der Absatz zog an.

Nicht viel anders lief es für Musk schon früher, etwa bei der Gründung seiner elektronischen Bezahlfirma, aus der Paypal wurde. Zu Beginn kam Musk damit kaum in Gang, 2002 kaufte Ebay den Internetbezahldienst für 1,5 Milliarden Dollar. Da war Musk gerade mal 31 Jahre alt.

Ein Leben wie einer Simulation

Als Überflieger hat der in Südafrika geborene Musk schon früh andere in den Schatten gestellt. Mit 12 Jahren entwickelte er Software für ein Videospiel. Der Spieler muss darin ein Schiff steuern und mit Lasern feindliche Angreifer aus dem All abwehren, ohne selbst getroffen zu werden. Die Mission: "Überlebe so lange wie möglich!"

Seine Ex-Frau Justine schrieb in ihrem Blog einst über ihn, er habe "riesige Eier aus Stahl". Vielleicht liegt Musks Risikobereitschaft darin begründet, dass er sich gar nicht in der Realität wähnt. Im Juni sagte Musk auf einer Konferenz, wir alle lebten vermutlich in einer Computersimulation. Angesichts der heutigen Technik sei "die Chance, dass wir in der ursprünglichen Realität leben, eins zu eine Milliarde".

Kein Wunder, dass Musk sich nicht bremsen lässt. In einem Spiel ist alles möglich. "In vier bis fünf Jahren werde ich wahrscheinlich in die Umlaufbahn fliegen", tönt er. Mit SpaceX sollen ihm 80.000 Menschen ins Weltall folgen. Und längst hat Musk ein neues Zukunftsfeld entdeckt: künstliches neuronales Gewebe, das menschliche Nervenzellen mit Technik verbinden kann. Jemand müsse sich ernsthaft damit beschäftigen, findet Musk. Die Menschheit werde sonst von künstlicher Intelligenz abgehängt. "Wenn das keiner macht, denke ich, dass ich das machen sollte."

insgesamt 325 Beiträge
logisch_konsequent 24.07.2016
1. Was will denn der Autor? Nur Beamten?
Dass Amerika wie die Deutschen immer mehr aus Beamten besteht, und Innovationen als Grundlage des Wachstums bestraft werden? Die ganze innovative Software und Service-Industrie kommt doch schon lange nicht mehr aus Deutschland, [...]
Dass Amerika wie die Deutschen immer mehr aus Beamten besteht, und Innovationen als Grundlage des Wachstums bestraft werden? Die ganze innovative Software und Service-Industrie kommt doch schon lange nicht mehr aus Deutschland, die Autos bal auch nicht mehr.
Useless_User 24.07.2016
2. Wunschdenken vom Steuerzahler finanziert
Bisher fahren die drei Unternehmen der Musk-Familie (Tesla Motors, SolarCity und SpaceX) immer größere Verluste ein, obwohl der Steuerzahler in den USA und auch in Europa enorme Summen in die Unternehmen gesteckt hat). Dazu [...]
Bisher fahren die drei Unternehmen der Musk-Familie (Tesla Motors, SolarCity und SpaceX) immer größere Verluste ein, obwohl der Steuerzahler in den USA und auch in Europa enorme Summen in die Unternehmen gesteckt hat). Dazu kommt, daß, um die Aktienkurse von TSLA und SCTY zu pushen (es müssen ja immer wieder convertible bonds und equity verkauft werden) seit spätestens 2012 mit einem nicht abreißenden Strom von Halbwahrheiten und Lügen gearbeitet wird. So ist die bis Jahresende fertigzustellende Batteriefabrik lediglich zu 14% gebaut worden, das Kapital der convertible bonds wurde primär benutzt, um die Firma über Wasser zu halten. Und nun übernimmt Tesla Motors von Elon Musks cousins Lyndon und Reve den Dauerverlustbringer SolarCity, der ebenfalls gewaltige Mengen an Steuergeldern verbrennt, damit sich die Wohlhabenden Solarzellen auf ihre Vorstadthäuser schrauben können, finanziert von denen, die in den Städten wohnen und weder Platz noch Geld dafür besitzen.
henry.miller 24.07.2016
3.
Er ist halt ein begnadeter Unternehmer und die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus. Der Typ ist genial, Punkt.
Er ist halt ein begnadeter Unternehmer und die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus. Der Typ ist genial, Punkt.
Useless_User 24.07.2016
4. Wunschdenken vom Steuerzahler finanziert
Bisher fahren die drei Unternehmen der Musk-Familie (Tesla Motors, SolarCity und SpaceX) immer größere Verluste ein, obwohl der Steuerzahler in den USA und auch in Europa enorme Summen in die Unternehmen gesteckt hat. Dazu [...]
Bisher fahren die drei Unternehmen der Musk-Familie (Tesla Motors, SolarCity und SpaceX) immer größere Verluste ein, obwohl der Steuerzahler in den USA und auch in Europa enorme Summen in die Unternehmen gesteckt hat. Dazu kommt, daß, um die Aktienkurse von TSLA und SCTY zu pushen (es müssen ja immer wieder convertible bonds und equity verkauft werden) seit spätestens 2012 mit einem nicht abreißenden Strom von Halbwahrheiten und Lügen gearbeitet wird. So ist die bis Jahresende fertigzustellende Batteriefabrik lediglich zu 14% gebaut worden, das Kapital der convertible bonds wurde primär benutzt, um die Firma über Wasser zu halten. Und nun übernimmt Tesla Motors von Elon Musks Cousins Lyndon und Reve den Dauerverlustbringer SolarCity, der ebenfalls gewaltige Mengen an Steuergeldern verbrennt, damit sich die Wohlhabenden Solarzellen auf ihre Vorstadthäuser schrauben können, finanziert von denen, die in den Städten wohnen und weder Platz noch Geld dafür besitzen.
spon_1843355 24.07.2016
5. Steuerzahler?
Was ist denn das für ein Brunz? Tesla hat einmalig Geld von den USA für die Entwicklung ihrer Technologie erhalten und dieses Geld viel früher als geplant zurück bezahlt. Was genau haben also die Steuerzahler für eine Last zu [...]
Was ist denn das für ein Brunz? Tesla hat einmalig Geld von den USA für die Entwicklung ihrer Technologie erhalten und dieses Geld viel früher als geplant zurück bezahlt. Was genau haben also die Steuerzahler für eine Last zu tragen?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP