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Wirtschaft

Flugzeugabsturz in Äthiopien

TUI prüft Einsatz der Boeings 737 Max 8

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max 8 innerhalb weniger Monate lassen Airlines aus China und anderen Ländern Maschinen dieses Typs nicht mehr starten. Boeings Aktien brechen vorbörslich ein.

Foto: DPA
Montag, 11.03.2019   15:34 Uhr

Mehrere Airlines ziehen nach dem Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien mit 157 Toten Konsequenzen für ihre Flotten. So prüft TUI die Notwendigkeit eines vorläufigen Startverbots für seine Maschinen des betroffenen Typs Boeing 737 Max 8. "Wir stehen in engem Kontakt mit Boeing und werden mit dem Hersteller die Situation bewerten", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Zur Flotte des weltgrößten Reisekonzerns Tui gehören mittlerweile 15 Jets dieses Typs, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten stationiert sind.

Beim Absturz des äthiopischen Flugzeugs waren am Sonntag dem Auswärtigen Amt zufolge auch fünf Deutsche gestorben. Das Unglück ist bereits das zweite einer 737 Max 8 innerhalb weniger Monate. Bei einer Maschine desselben Typs der Fluglinie Lion Air waren im Oktober in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen.

Bei beiden Unglücken habe es "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben, teilte die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC mit. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Video: "Ein großer Imageschaden"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Boeing-Aktien brechen vorbörslich ein

China, Indonesien und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft erklärten deshalb ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. Das betrifft in China 96 Flugzeuge, in Indonesien elf. Die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways teilte ebenfalls mit, ihre beiden Boeing 737 Max 8 blieben vorerst am Boden, bis weitere Informationen zu dem Unglück in Äthiopien vorlägen. Beim Billigflieger Norwegian hieß es hingegen, die 18 Maschinen dieses Typs befänden sich normal im Betrieb. Der Konzern stehe in engem Dialog mit Boeing.

Deutsche Fluggesellschaften nutzen derzeit offenbar keine Maschinen, die baugleich mit dem in Äthiopien abgestürzten Passagierflugzeug sind. Nach jetzigem Kenntnisstand hätten die deutschen Unternehmen keine Boeing 737 Max 8 im gewerblichen Flugbetrieb, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der Flugzeugtyp wird von Hersteller Boeing seit 2017 ausgeliefert. Die Aktien des Flugzeugbauers Boeing fielen nach den Ankündigungen der Airlines im vorbörslichen US-Geschäft um knapp zehn Prozent.

Blackboxes gefunden

In Äthiopien begannen Experten am Montag mit der Identifizierung der Opfer und der Klärung der Unglücksursache. In den weit verstreuten Trümmern des Flugzeugs fanden Ermittler auch beide Blackboxes - Flugschreiber mit den Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche. Ein Vertreter von Ethiopian Airlines sagte, eine Blackbox sei ersten Erkenntnissen zufolge jedoch beschädigt. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien.

Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Metropole Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, neun Äthiopier sowie jeweils acht US-Amerikaner, Italiener und Chinesen. Unter den Opfern waren nach Uno-Angaben auch mindestens 19 Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Boeing äußerte sich zunächst nicht zu den beiden Unfällen. In einer Mitteilung auf der Website von Boeing sprach der Hersteller den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte an, Experten nach Äthiopien zu entsenden. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. Vor Ort war Ethiopian Airlines zufolge bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, des Transportministeriums und der Fluggesellschaft gebildet worden.

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kko/Reuters/AP/dpa

insgesamt 65 Beiträge
lupenreinerdemokrat 11.03.2019
1. TUI prüft noch....
Während man in der marktkonformen Demokratie noch mit "prüfen" beschäftigt ist und die Passagiere einer unnötigen Gefahr aussetzt - denn alles deutet auf ein schwerwiegendes Problem des Maschinentyps hin - hat man in [...]
Während man in der marktkonformen Demokratie noch mit "prüfen" beschäftigt ist und die Passagiere einer unnötigen Gefahr aussetzt - denn alles deutet auf ein schwerwiegendes Problem des Maschinentyps hin - hat man in China und Äthiopien bereits Maßnahmen ergriffen, obwohl die Flotte der Maschinen gleichen Typs dort deutlich größer ist. Dort geht wohl die Sicherheit der Passagiere vor Profit.
toll_er 11.03.2019
2. Unverantwortlich
Wenn in so kurzer Zeit 2 Maschinen eines so neuen Typs abstürzen, kann es doch nicht sein, dass es in der Hand der Airlines liegt, ob die Dinger freiwillig an Boden bleiben. Die müssen alle sofort still gelegt werden, bis die [...]
Wenn in so kurzer Zeit 2 Maschinen eines so neuen Typs abstürzen, kann es doch nicht sein, dass es in der Hand der Airlines liegt, ob die Dinger freiwillig an Boden bleiben. Die müssen alle sofort still gelegt werden, bis die Ursache eindeutig feststeht und der Fehler behoben ist. Wer jetzt damit noch fliegt, spielt Roulette mit dem leben von Crew und Passagieren.
Studente 11.03.2019
3.
Ich glaube, dass sich jeder Entscheider bei den Airlines – unabhängig von der wirtschaftlichen Bedeutung – fragen sollte, ob er selbst in ein derartiges Flugzeug steigen würde.
Ich glaube, dass sich jeder Entscheider bei den Airlines – unabhängig von der wirtschaftlichen Bedeutung – fragen sollte, ob er selbst in ein derartiges Flugzeug steigen würde.
ollifast 11.03.2019
4. designed by sales manager
Sowas kommt halt dabei raus, wenn Manager per Kostenkalkulation und Vertriebler, die dem Kunden gerne das Blaue vom Himmel versprechen, technische Entscheidungen treffen oder beeinflussen. Siehe VW Diesel. Bei der 787 gab es [...]
Sowas kommt halt dabei raus, wenn Manager per Kostenkalkulation und Vertriebler, die dem Kunden gerne das Blaue vom Himmel versprechen, technische Entscheidungen treffen oder beeinflussen. Siehe VW Diesel. Bei der 787 gab es bekanntlich ebenfalls ein Grounding der Flotte, weil die leichten - Verkaufsvorteil - LiIon Akkus in Flammen und Rauch aufgehen konnten, die Lösung war am Ende mit einer Blechbüchse und einem Rauchauslass technisch nicht sehr befriedigend. Bei der 737 Max 8 hat man offenbar versucht, harte Probleme der Aerodynamik, die aus einem "wir wollen dieses Triebwerk, das auch Airbus hat" - nur eben da unter anderen Voraussetzungen - resultieren, mit einer halbgaren Softwarelösung in der Flugsteuerung zu kompensieren. Passagierflugzeuge sollten aber eine gewisse inhärente Sicherheit und stabile Aerodynamik aufweisen, die Spiele mit instabiler Aerodynamik kann man bei Militärjets wie dem Eurofighter machen und selbst da sind sie vielfach abgesichert und nicht irgendwo in der Software versteckt. Nach dem zweiten offenbar ähnlichen Absturz liegt nahe, dass dieser Flugzeugtyp "designed by sales manager" bald nicht mehr fliegen wird und Boeing einen Haufen Blech zurück auf den Hof gestellt bekommt. Denn mal eben zu beheben ist so ein Designproblem nicht.
vielflieger_fred 11.03.2019
5.
Die Zulassungshürden sind so hoch, dass auch Boeing nicht "Mal eben" einen fehlerhaften Flugzeugtyp raushauen kann. Man sollte die Berichte abwarten und schauen, was wirklich passiert ist. Der Flugschreiber wurde [...]
Die Zulassungshürden sind so hoch, dass auch Boeing nicht "Mal eben" einen fehlerhaften Flugzeugtyp raushauen kann. Man sollte die Berichte abwarten und schauen, was wirklich passiert ist. Der Flugschreiber wurde gefunden, der Voicerecorder auch - nach deren Auswertung weiß man mehr.
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Der Konzern
Boeing ist mit einem Umsatz von fast 70 Milliarden Dollar und rund 170.000 Mitarbeitern der größte Flugzeughersteller der Welt. Neben Passagierflugzeugen ist das Unternehmen auch im Verteidigungssektor und in der Raumfahrt aktiv.
Die Geschäftsfelder
Boeing erzielt jeweils rund die Hälfte seines Umsatzes mit den beiden Bereichen "Kommerzielle Flugzeuge" und "Verteidigung, Raumfahrt & Sicherheit". Zu den bekanntesten Produkten des Konzerns gehören der Jumbojet (B747) und die AWACS-Aufklärungsflugzeuge.
Der Chef
Jim McNerney ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender von Boeing. Nach einem Studium in Yale und Harvard arbeitete er unter anderem beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, der Unternehmensberatung McKinsey und dem Mischkonzern General Electric.

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