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Wirtschaft

Remondis und Grüner Punkt

Kartellamt verbietet Megafusion in der Müllbranche

Deutschlands größter Müllentsorger darf nicht mit dem größten Recyclingunternehmen fusionieren. Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss wegen "erheblicher Behinderung des Wettbewerbs" untersagt.

Caroline Seidel / DPA

Gelbe Tonne in Gelsenkirchen: Duales System bleibt erst einmal eigenständig

Donnerstag, 11.07.2019   12:45 Uhr

Das - mit Abstand - größte deutsche Entsorgungsunternehmen muss auch künftig ohne die Marke "Der Grüne Punkt" agieren. Das Bundeskartellamt hat Remondis die Übernahme des Verpackungsmüllentsorgers Duales System Deutschland (DSD) untersagt, das die Markenrechte am Grünen Punkt hält. Allerdings ist die Untersagung noch nicht rechtskräftig. Die Unternehmen können noch binnen einem Monat Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen.

Der Zusammenschluss "hätte zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs bei den dualen Systemen geführt", begründete Kartellamtschef Andreas Mundt die Entscheidung in einer Pressemitteilung der Behörde.

DSD ist das größte duale System in Deutschland. Duale Systeme organisieren das Verpackungsrecycling im Auftrag und gegen Entgelt der Hersteller oder Händler. Sie beauftragen dafür die eigentlichen Entsorgungsunternehmen wie Remondis, die dann den Verpackungsmüll abholen, sortieren und aufbereiten.

Zusagen waren "weder geeignet noch ausreichend"

Durch die Megafusion seien höhere Kosten für DSD-Mitbewerber zu befürchten, zudem erhebliche Marktanteilsgewinne für DSD und letztendlich höhere Preise für die Entsorgung, sagte Kartellamtschef Mundt. Überdies haben die beiden Unternehmen demnach bei der Altglasversorgung einen "bedenklichen" gemeinsamen Marktanteil von 40 bis 60 Prozent.

Bereits im April hatte die Wettbewerbsbehörde den beiden Unternehmen ihre Bedenken mitgeteilt. Daraufhin boten Remondis und DSD Zusagen an, die jedoch "in der Gesamtbewertung weder geeignet noch ausreichend" waren, wie das Bundeskartellamt nun mitteilte.

Früher war DSD mit dem Grünen Punkt Monopolist im Bereich der dualen Systeme, auf Intervention der EU-Kommission entstanden nach der Jahrtausendwende aber auch Wettbewerber. Obwohl DSD mit dem Grünen Punkt in den vergangenen Jahren Markteinteile eingebüßt hat, hat die Firma weiterhin eine Schlüsselrolle in der Abfallwirtschaft. Remondis ist in seiner Branche ebenfalls führend: Das Unternehmen ist schon heute etwa viermal so groß wie der nächstkleinere Wettbewerber.

Auch der renommierte Wettbewerbsrechtler und frühere Chef der Monopolkommission Justus Haucap hatte in einer Studie vor höheren Preisen für Verbraucher als Folge einer Fusion gewarnt.

fdi

insgesamt 12 Beiträge
meinung2013 11.07.2019
1. Deutschlands größter Müllentsorger
sollte das nicht besser "Müllexproteure" heißen? Noch dazu, wenn eine gelbe Tonne abgebildte ist: "Heiße Entsorgung Deutscher Plastikmüll brennt in Polen" [...]
sollte das nicht besser "Müllexproteure" heißen? Noch dazu, wenn eine gelbe Tonne abgebildte ist: "Heiße Entsorgung Deutscher Plastikmüll brennt in Polen" https://www.br.de/mediathek/video/heisse-entsorgung-deutscher-plastikmuell-brennt-in-polen-av:5bad40a2aaddc30018936422
woswoistndu 11.07.2019
2. gut so!
Schlimm genug, dass sich Unternehmen wie Remondis mit dem Gelben Punkt ne goldene Nase am verarschten Bürgen verdient haben. Sich das System auch noch einzuverleiben wäre ja wohl die absolute Frechheit gewesen. Sorgt doch [...]
Schlimm genug, dass sich Unternehmen wie Remondis mit dem Gelben Punkt ne goldene Nase am verarschten Bürgen verdient haben. Sich das System auch noch einzuverleiben wäre ja wohl die absolute Frechheit gewesen. Sorgt doch erstmal dafür, dass die für eine sachgerechte Entsorgung nötigen Anlagen funktionierend in ausreichender Stückzahl zur Verfügung stehen, damit das eigentlich ganz gut ausgedachte System auch funktionieren kann. Ich komme jetzt nicht mit dem alten Indiander-Spruch
Kritik 11.07.2019
3.
Zitat aus dem Artikel: "Überdies haben die beiden Unternehmen demnach bei der Altglasversorgung einen "bedenklichen" gemeinsamen Marktanteil von 40 bis 60 Prozent. Als ich das gelesen habe, fiel mir der Markt [...]
Zitat aus dem Artikel: "Überdies haben die beiden Unternehmen demnach bei der Altglasversorgung einen "bedenklichen" gemeinsamen Marktanteil von 40 bis 60 Prozent. Als ich das gelesen habe, fiel mir der Markt für Fernreisebusse ein. Im Jahr 2018 hatte Flixbus einen Markteinteil von 95%, gefolgt von (wenn man das bei diesem Anteil überhaupt noch sagen kann) Eurolines mit 2%. Mit der Übernahme von Eurolines in diesem Jahr hat Flixbus also jetzt einen Marktanteil von 97%. Warum ist das den Kartellbehörden nicht "bedenklich" genug? Vielleicht sollte der Spiegel dieses mal recherchieren.
lars-s. 11.07.2019
4. Privatwirtschaft versagt?
Nachdem die wilden Müllkippen am anderen Ende der Welt publik geworden sind frage ich mich ob man hier vielleicht mal wieder von Marktversagen sprechen und ob eine privatwirtschaftlich organisierte Müllentsorgung überhaupt [...]
Nachdem die wilden Müllkippen am anderen Ende der Welt publik geworden sind frage ich mich ob man hier vielleicht mal wieder von Marktversagen sprechen und ob eine privatwirtschaftlich organisierte Müllentsorgung überhaupt funktionieren kann? Wozu noch die Schnorrer extra mit Gewinn ausstatten wenn perspektivisch zum gleichen Preis die Kommunen ein besseres System organisieren könnten? Marktjünger los, überzeugt mich.
yvowald@freenet.de 11.07.2019
5. Wer wird in Deutschland wirklich kontrolliert?
Frage: Wer kontrolliert denn wirklich die Müllentsorgungsbranche? Bei uns in Deutschland gibt es ein riesiges Problem: Die Kontrolle von Gesetzen, Verordnungen und Verfügungen staatlicher Stellen. Und wenn kontrolliert wird, [...]
Zitat von woswoistnduSchlimm genug, dass sich Unternehmen wie Remondis mit dem Gelben Punkt ne goldene Nase am verarschten Bürgen verdient haben. Sich das System auch noch einzuverleiben wäre ja wohl die absolute Frechheit gewesen. Sorgt doch erstmal dafür, dass die für eine sachgerechte Entsorgung nötigen Anlagen funktionierend in ausreichender Stückzahl zur Verfügung stehen, damit das eigentlich ganz gut ausgedachte System auch funktionieren kann. Ich komme jetzt nicht mit dem alten Indiander-Spruch
Frage: Wer kontrolliert denn wirklich die Müllentsorgungsbranche? Bei uns in Deutschland gibt es ein riesiges Problem: Die Kontrolle von Gesetzen, Verordnungen und Verfügungen staatlicher Stellen. Und wenn kontrolliert wird, dann von "falschen Kontrolleuren", wie wir bei Dieselskandal beobachten konnten. Also, es fehlt in Deutschland an Aufsichtsbehörden für Tierschutz (Schlachthöfe), Automobilhersteller (Dieselabgase), Müllentsorgung (illegaler Müllexport) und viele Bereiche mehr. Gesetze zu beschließen kostet kein Geld, aber der Gesetzesvollzug ist nicht kostenfrei, wenn es um wirkliche Überwachung von Unternehmen und Betrieben geht. Das sollten wir unseren Politikerinnen und Politikern immer wieder vorhalten, ob sie dies wollen oder nicht!

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