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Wirtschaft

Waffenkonzern

Heckler & Koch steht vor Verkauf

Bislang gehört der hoch verschuldete Waffenhersteller Heckler & Koch zu zwei Dritteln einem deutschen Großaktionär. Nun könnte der Konzern in ausländische Hände fallen. Die FDP ist alarmiert.

Patrick Seeger / DPA

Sturmgewehr G36: Wer ist der Investor, der Heckler & Koch übernehmen will?

Freitag, 08.11.2019   21:08 Uhr

Der kriselnde Waffenhersteller Heckler & Koch steht vor einem Eigentümerwechsel. Man habe Kenntnis von einem Übernahmeantrag beim Bundeswirtschaftsministerium, teilte das Unternehmen aus Oberndorf in Baden-Württemberg mit. Es handle sich um einen Investor, der schon jetzt an der Firma beteiligt ist und nun nach der Mehrheit strebt. Deshalb geht Heckler & Koch nicht von einer Änderung der bisherigen Firmenstrategie aus.

Weiter teilte das Unternehmen mit: "Wir begrüßen es, dass der Verkaufsvorgang durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geltendem Recht entsprechend intensiv geprüft wird, wie es die Außenwirtschaftsverordnung vorsieht." Bislang gehört die Firma, die als Hauslieferant der Bundeswehr gilt und zum Beispiel das Standard-Sturmgewehr G36 hergestellt hat, zu knapp zwei Dritteln dem deutschen Investor Andreas Heeschen.

Bei Heckler & Koch arbeiten derzeit mehr als 900 Menschen. Die finanzielle Situation des Unternehmens ist angespannt, der Schuldenberg groß. Nach zwei Verlustjahren sieht es 2019 aber wieder besser aus, die Firmenspitze peilt einen kleinen Gewinn an. Die Auftragsbücher sind voll. Angaben zum möglichen neuen Mehrheitseigner machte Heckler & Koch nicht.

FDP-Politiker Houben warnt vor Verkauf ins Nicht-EU-Ausland

Die Verkaufspläne stießen zunächst auf Kritik. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Reinhard Houben, sagte, beim Verkauf eines deutschen Rüstungsunternehmens an ausländische Firmen sei besondere Vorsicht geboten, um die Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik nicht zu gefährden. "Bei einer Übernahme durch große Rüstungskonzerne aus anderen EU-Staaten sehe ich das weniger problematisch - sollte es hingegen um Investoren aus anderen Weltregionen gehen, hätte ich Bauchschmerzen."

Es wäre nicht das erste Mal, das die Traditionsfirma an einen ausländischen Mehrheitseigentümer ginge. Nach Ende des Kalten Kriegs, in dem die Geschäfte von Heckler & Koch floriert hatten, brachder Absatz ein. Anfang der 1990er übernahm ein britischer Rüstungskonzern, die heutige BAE Systems, das Unternehmen. 2002 allerdings trennten sich die Engländer von ihrer deutschen Tochter und Investor Heeschen griff zu. 17 Jahre später geht Heckler & Koch nun möglicherweise erneut ins Ausland.

kko/dpa

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