Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

HSH-Nordbank-Affäre

Staatsanwalt verwirft Nonnenmachers Beschwerde

Es wird eng für HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Schleswiger Generalstaatsanwalt eine Beschwerde der Bank zurückgewiesen - und stattdessen den Vorwurf erhoben, dass im Konflikt mit Ex-Manager Roth "falsche Spuren gelegt" worden sein könnten.

dpa

HSH-Chef Nonnenmacher: Landesregierungen beraten über seine berufliche Zukunft

Von , und
Dienstag, 26.10.2010   11:16 Uhr

Hamburg - Für Dirk Jens Nonnenmacher geht es in diesen Tagen um alles. Die Landeskabinette von Schleswig-Holstein und Hamburg wollen in Kürze zusammenkommen, um über die Zukunft der HSH Nordbank zu beraten. In den Sitzungen soll es auch um das berufliche Überleben des Vorstandsvorsitzenden Nonnenmacher gehen.

Und nun noch dies: Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes Schleswig-Holstein hat nach SPIEGEL-Informationen eine Beschwerde zurückgewiesen, mit der die Bank gegen die Einstellung von Ermittlungen gegen das frühere Vorstandsmitglied Frank Roth vorgegangen war.

Von vorne. Die Bank hatte Roth im April 2009 fristlos gefeuert - mit der Begründung, er habe Geschäftsgeheimnisse an Journalisten verraten. Deswegen hatte sie Roth auch angezeigt. Schon im Juni stellte die Staatsanwaltschaft Kiel das Verfahren allerdings ein. Stattdessen ging sie gegen Verantwortliche der Bank vor, Vertraute von Nonnenmacher, wegen falscher Verdächtigung von Roth. Die Bank legte dagegen beim Generalstaatsanwalt Beschwerde ein.

"Eine Indiskretion hätte hilfreich sein können"

Diese Beschwerde hat der Generalstaatsanwalt in Schleswig nun zurückgewiesen - und zwar mit deutlichen Worten. Im fünfseitigen Beschluss heißt es: "Vielmehr spricht einiges dafür, dass er (Roth, d. Red.) Opfer einer Aktion geworden ist, mit der falsche Spuren gelegt worden sind." Und weiter:

"Vor diesem Hintergrund trägt auch das vermeintliche Tatmotiv des Beschuldigten Roth nicht. Wenn es dazu heißt, der Beschuldigte Roth habe gewusst, dass der Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Nonnenmacher ihn bei nächstmöglicher Gelegenheit habe aus dem Vorstand entfernen lassen wollen, Professor Dr. Nonnenmacher sei mithin die einzige Gefahr für sein weiteres Verbleiben im Vorstand der HSH Nordbank gewesen, dann ergibt dies auch umgekehrt einen Sinn."

Im Klartext: Roth könnte gut Recht haben mit seinem Verdacht, dass die Bankspitze ihn mit Tricks loswerden wollte. Nonnenmacher habe es nämlich "nicht in der Hand gehabt (...), den Beschuldigten Roth zu entlassen", schreibt der Generalstaatsanwalt. Demnach "hätte eine - vermeintliche - Indiskretion des Beschuldigten Roth hilfreich sein können, seine sofortige Abberufung - ohne Abfindung - zu bewirken".

Außerdem beschuldigt der Generalstaatsanwalt Wolfgang Gößmann, Nonnenmacher-Vertrauter und mittlerweile freigestellter Justiziar der Bank, er habe im Rahmen der Ermittlungen in einem Punkt "offenkundig die Unwahrheit gesagt". Gößmann hat stets betont, er sei in keinerlei unrechtmäßige Aktionen verwickelt gewesen.

"Außer einigen Ungereimtheiten kein schuldhaftes Verhalten"

Gößmann hatte Roth in dem ersten Ermittlungsverfahren belastet und war selbst an einer Aktion beteiligt, bei der Roth angeblich Geheimnisverrat nachgewiesen wurde.

Der Einstellungsbeschluss des Generalstaatsanwalts stammt schon vom 18. Oktober, wird aber erst jetzt bekannt. Roths Sprecher Stephan Holzinger teilte mit, durch den Beschluss des Generalstaatsanwalts sei "nicht nur die Unternehmenskommunikation der HSH demaskiert. Auch der Aufsichtsrat hat sich wohl erneut blamiert: Denn spätestens mit der Vorlage des Wilme-Hale-Berichts hätte er nachfragen müssen, wie es denn um die Beschwerde beim Generalstaatsanwalt steht".

Am 21. Oktober war dem HSH-Aufsichtsrat ein Bericht der Anwaltskanzlei Wilmer Hale vorgelegt worden. Laut der Bank ergab sich daraus angeblich, dass es außer einigen Ungereimtheiten kein schuldhaftes Verhalten von Mitarbeitern und Nonnenmacher gegeben habe.

Ein Sprecher der HSH Nordbank sagte nun auf Anfrage zum Bericht des Generalstaatsanwalts, die Bank habe den Einstellungsbeschluss erst am Freitagabend erhalten. Nonnenmacher sei von der Rechtsabteilung der Bank erst am Montag informiert worden.

insgesamt 4 Beiträge
sic tacuisses 26.10.2010
1. Peanuts - Kopper ist so schweigsam ???
Keine Ehrenerklärung für Nonnenmacher ?
Zitat von sysopEs wird eng für HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Schleswiger Generalstaatsanwalt eine Beschwerde der Bank zurückgewiesen - und stattdessen den Vorwurf erhoben, dass im Konflikt mit Ex-Manager Roth "falsche Spuren gelegt" worden sein könnten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725324,00.html
Keine Ehrenerklärung für Nonnenmacher ?
CHANGE-WECHSEL 26.10.2010
2. Bananenrepublik
So etwas gibt es nur in einer Bananenrepublik, dass sich ein Krimineller auch noch beschweren kann!
Zitat von sysopEs wird eng für HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Schleswiger Generalstaatsanwalt eine Beschwerde der Bank zurückgewiesen - und stattdessen den Vorwurf erhoben, dass im Konflikt mit Ex-Manager Roth "falsche Spuren gelegt" worden sein könnten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725324,00.html
So etwas gibt es nur in einer Bananenrepublik, dass sich ein Krimineller auch noch beschweren kann!
esopherah 26.10.2010
3. wenn man keine ahnung hat....
Natürlich kann sich jeder gegen beschuldigugnen und einstellungen von verfahren beschweren. Wäre es nicht so, dann wäre es die berühmte banannenrepublik. Früher gabs mal sowas wie logisches denken und gesunder [...]
Zitat von CHANGE-WECHSELSo etwas gibt es nur in einer Bananenrepublik, dass sich ein Krimineller auch noch beschweren kann!
Natürlich kann sich jeder gegen beschuldigugnen und einstellungen von verfahren beschweren. Wäre es nicht so, dann wäre es die berühmte banannenrepublik. Früher gabs mal sowas wie logisches denken und gesunder menschenverstand. Das wurde anscheinend durch rtl2 ersetzt...
frubi 26.10.2010
4. .
Er kann sich doch beschweren. Mit anderen Verbrechern aus dem Finanzwesen sind wir ja auch ziemlich milde umgegangen. Ich glaube immer noch nicht an Konsequenzen für Dirk. Der lacht sich doch Abends beim Wein schlürfen [...]
Zitat von CHANGE-WECHSELSo etwas gibt es nur in einer Bananenrepublik, dass sich ein Krimineller auch noch beschweren kann!
Er kann sich doch beschweren. Mit anderen Verbrechern aus dem Finanzwesen sind wir ja auch ziemlich milde umgegangen. Ich glaube immer noch nicht an Konsequenzen für Dirk. Der lacht sich doch Abends beim Wein schlürfen kaputt.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Die Landesbanken in der Übersicht

BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP