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Wirtschaft

HSH Nordbank

Hamburger Finanzsenator gerät in Erklärungsnot

Pikantes Detail: Der Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge war nach SPIEGEL-Informationen an einem Unternehmen beteiligt, dessen Geschäftsführer die kriselnde HSH Nordbank beraten hat. Garantierter Mindestumsatz pro Monat: fast 40.000 Euro.

DPA

Finanzsenator Carsten Frigge: "Formal gibt es keinen Grund dafür"

Samstag, 23.10.2010   15:04 Uhr

Hamburg - Diese Nachricht dürfte dem Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge eher unangenehm sein. Der CDU-Politiker war an einer Firma beteiligt, deren Geschäftsführer einen Beratungsauftrag der HSH Nordbank hatte. Der Mann kassierte dafür 5600 Euro pro Tag, bei sieben Garantietagen pro Monat.

Bei der Firma handelt es sich um die Düsseldorfer C4 Consulting. Frigge hält daran immer noch 50 Prozent der Anteile. C4 Consulting wiederum gehörte bis Mitte 2009 mehr als ein Viertel der Berliner C4 Communications GmbH. Deren Geschäftsführer, Dirk Große-Leege, hat nach eigenen Angaben von März 2009 bis August 2010 die HSH Nordbank in "Kommunikationsangelegenheiten" beraten.

Brisant ist, dass Große-Leege dem HSH-Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher auch im Zusammenhang mit der Entlassung des New Yorker Filialleiters als Consultant zur Seite stand.

In den Akten der US-Ermittler, die den Fall untersuchen, findet sich eine E-Mail von Große-Leege an Nonnenmacher. Darin heißt es, mit Bezug auf interne Ermittlungen gegen K.: "Auf diese Weise werden Sie das Problem loswerden - ok?" Frigges Ex-Partner mag dazu nicht Stellung nehmen: "Informationen, die das Vertragsverhältnis berühren, unterliegen der Vertraulichkeit."

Nonnenmacher bestreitet alle Vorwürfe

Frigge versichert, von Große-Leeges Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Fall K. nichts gewusst zu haben. Das Beratungsmandat selbst hält er für unproblematisch, weil nicht C4 Communications, sondern Große-Leeges eigene Firma GLS Vertragspartner der Bank gewesen sei.

Deshalb habe er seinen Dienstherrn auch dann nicht über seine Geschäftsbeziehungen zu dem HSH-Berater informiert, als er im März 2010 Finanzsenator wurde - und damit zuständig für die Hamburger Beteiligung an der Skandalbank. "Formal gibt es keinen Grund dafür, aber es kann natürlich auch nicht schaden", sagte Frigge dem SPIEGEL.

HSH Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher hat am Freitag Bespitzelungsvorwürfe zurückgewiesen. Mit einem Antwortschreiben reagierte er auf eine Frist des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Jost de Jager (CDU), sich bis zum Freitag zu Ausspähvorwürfen zu erklären. Das Sicherheitsunternehmen Prevent AG "ist in keinerlei Weise beauftragt worden, Personen zu überwachen, schon gar nicht Vertreter aus Politik und Medien, bzw. der Anteilseigner", versicherte Nonnenmacher. Das teilte die HSH Nordbank mit.

De Jager hatte bis "Dienstschluss" Freitag eine klare schriftliche Aussage zu in der Öffentlichkeit kursierenden Vorwürfen verlangt, insbesondere über die Observierung von Politikern im Auftrag der Bank. Berichten zufolge soll es zudem Abhörskandale und Intrigen gegen Mitarbeiter der Bank gegeben haben. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln.

Nonnenmacher bestritt jegliche "Ausforschungsaufträge" der Bank. "Gleichwohl teile ich ausdrücklich Ihre Auffassung, dass die in der Berichterstattung aufgestellten Behauptungen der Aufklärung bedürfen", schrieb der Bankmanager an de Jager. Laut Nonnenmacher lagen die "Tätigkeitsfelder" grundsätzlich im Ermessen von Prevent. "Die Bank war ausschließlich an einer Gesamtlageeinschätzung und daraus gegebenenfalls abzuleitende Personenschutzmaßnahmen interessiert."

insgesamt 6 Beiträge
Sapientia 23.10.2010
1. Ist doch klar!
Sehen Sie noch mal genauer nach, da kommen dann noch ganz andere Sachen zum Vorschein, wetten?
Zitat von sysopPikantes Detail: Der Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge war nach SPIEGEL-Informationen indirekt an einem Unternehmen beteiligt, das die kriselnde HSH Nordbank beraten hat. Garantierter Mindestumsatz pro Monat: fast 40.000 Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724939,00.html
Sehen Sie noch mal genauer nach, da kommen dann noch ganz andere Sachen zum Vorschein, wetten?
sic tacuisses 23.10.2010
2. C D U
war doch klar. So ist nun mal das christliche Weltbild dieser Zeitgenossen.
Zitat von sysopPikantes Detail: Der Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge war nach SPIEGEL-Informationen indirekt an einem Unternehmen beteiligt, das die kriselnde HSH Nordbank beraten hat. Garantierter Mindestumsatz pro Monat: fast 40.000 Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724939,00.html
war doch klar. So ist nun mal das christliche Weltbild dieser Zeitgenossen.
roofstomper 23.10.2010
3. Nützliche Aufwendungen oder Beratungsleistungen?
Den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung folgend sind Aufträge klar und verständlich zu erteilen, da andernfalls die verlangte Leistung schwerlich erbracht werden kann und folglich keine aussagefähige Rechnung gestellt [...]
Den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung folgend sind Aufträge klar und verständlich zu erteilen, da andernfalls die verlangte Leistung schwerlich erbracht werden kann und folglich keine aussagefähige Rechnung gestellt werden kann. Ohne nachvollziehbare Rechnung wiederum darf nicht gezahlt werden. Dem Artikel folgend ist doch gezahlt worden. Folglich liegt entweder eine Betrugs- bzw. sogar Untreuehandlung vor oder es handelt sich um eine der irgendwie "nützlichen Aufwendungen". Die wiederum fallen in diesem unserem Lande unter den Korruptionsbegriff. Wenn es zutrifft, was Herr Nonnenmacher zu den Aufträgen an die Sicherheitsfirma sagt, dann hat diese unbeauftragte Leistungen erbracht, die selbstverständlich nicht bezahlt werden dürfen. Falls doch bezahlt wurde, dann trifft die Konstellation Schädigung des Unternehmens zu. Wie auch immer, wer derartige Beratungsaufträge erteilt, kann wohl alles mögliche, bestimmt aber nicht, ein Unternehmen seriös zu führen.
PolitikerFreund 23.10.2010
4. -
Es ist mal wieder alles ohne Worte. Ob es für diesen Auftrag eine Ausschreibung gegeben hat?
Es ist mal wieder alles ohne Worte. Ob es für diesen Auftrag eine Ausschreibung gegeben hat?
Joe67 24.10.2010
5. Korruptionssumpf im Norden
Langsam wird klar, warum sich der offensichtliche unfähige und vermutlich auch kriminelle Herr Nonnenmacher so lange hat halten können. Fachliche Leistung bzw. Missleistung - egal Angewandte Methoden jenseits der Legalität [...]
Langsam wird klar, warum sich der offensichtliche unfähige und vermutlich auch kriminelle Herr Nonnenmacher so lange hat halten können. Fachliche Leistung bzw. Missleistung - egal Angewandte Methoden jenseits der Legalität - egal Versenkte Steuermilliarden - egal Politiker die dieses System mitspielen und davon profitieren haben nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt, sondern ziehen auch das Ansehen ihrer Partei, ihrer Zunft sowie der Demokratie in Deutschland in den Dreck. Wenn die demokratische Kontrolle offensichtlich nicht funktioniert, muss dringend nachgebessert werden: Strafbarkeit der Korruption (in Deutschland gibt es hier viele Lücken z.B. bei Abgeordneten, Beraterverträgen etc.) Unabhängige Staatsanwaltschaften (Die Staatsanwaltschaften sind weisungsgebunden und ermitteln praktisch nie im Dunstkreis einer amtierenden Regierung) Stärkung der Plebiszitären Elemente (So manche Selbstbedienung der Politiker liesse sich per Volksentscheid stoppen) Persönliche Haftbarkeit von Aufsichtsräten und Politikern, wenn sie gegen Gesetze verstoßen oder es versäumen Vorstände bzw, Aufsichtsräte haftbar zu machen. (Heute hackt hier eine Krähe der anderen kein Auge aus) Die Grünen sollten die Person von Herrn Nonnenmacher zur Koalitionsfrage machen.
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