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Wirtschaft

Treffen in Hamburg

Gipfel gegen das Flugchaos

Die Bahn soll nach Willen der Regierung helfen, den Luftraum zu entlasten. Doch die müsste erst mal ihr eigenes Streckennetz sanieren. An diesem Freitag sucht die Politik auf dem Luftfahrtgipfel nach Lösungen.

Federico Gambarini/DPA

Flugzeug hebt ab (Symbolbild)

Von und
Freitag, 05.10.2018   10:14 Uhr

Wolfgang Grupp, der Chef und Inhaber des schwäbischen Textilherstellers Trigema, geht schon mal mit gutem Beispiel voran. Er werde Flüge innerhalb Deutschlands künftig meiden, kündigte er Mitte dieser Woche an, nachdem er wiederholt schlechte Erfahrungen mit der Lufthansa-Tochter Eurowings gemacht hatte.

Damit erweist sich der knorrige Unternehmer als Trendsetter. Bei ihrem heute in Hamburg stattfindenden Luftfahrtgipfel will die Bundesregierung exakt das predigen, was Grupp nach eigenen Aussagen schon praktiziert: Abstinenz bei Kurzstreckenflügen. Stattdessen sollen die Passagiere verstärkt auf die Bahn umsteigen.

Die Forderung klingt plausibel und wird von Umweltschützern seit Langem propagiert. Nur: Passiert ist bislang zu wenig. Das zeigen Zahlen, die der Anbieter von Flugdaten, OAG, exklusiv für den SPIEGEL ausgewertet und erhoben hat - am Beispiel der Lufthansa und ihrer Töchter Swiss und Austrian Airlines. Demnach erzielt der Konzern mit der Verbindung zwischen seinen beiden Verkehrsdrehscheiben in München und Frankfurt einen Umsatz pro Jahr von fast 300 Millionen Dollar.

Dabei lässt sich die Distanz mit dem Zug schon in gut drei Stunden bewältigen. Selbst die gut 200 Kilometer lange Strecke zwischen München und Stuttgart wird noch bedient und bringt jährlich immerhin gut 30 Millionen Dollar ein. Noch kürzer ist die Distanz zwischen Düsseldorf und Frankfurt, trotzdem schlägt sie im Konzern noch immer mit Einnahmen von etwa 80 Millionen Dollar zu Buche.

Kann die Bahn das zusätzliche Aufkommen bewältigen?

Der Vorschlag der Regierung, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, kommt da, wie es scheint, genau zur richtigen Zeit. Die Lufthansa will ihr Zug-zum-Flug-Angebot mit der Bahn in den kommenden Monaten ohnehin von bislang acht auf 20 Städte ausweiten. Fraglich ist nur, ob die Bahn das zusätzliche Aufkommen auch bewältigen kann. Vom nächsten Jahr an muss sie einen Teil ihrer Hochgeschwindigkeitsstrecken erneuern. Auf der Strecke von Frankfurt nach Hamburg erhöht sich die Fahrtzeit um eine Dreiviertelstunde. Die Verbindung zwischen Hannover und Göttingen wird sogar über ein halbes Jahr komplett stillgelegt.

Jetzt rächt sich, dass die Bundesregierung jahrelang zugesehen hat, wie das Staatsunternehmen systematisch kaputtgespart wurde. Nun soll ausgerechnet die Bahn das Chaos im Luftraum beseitigen. Ein Teil der gebuchten Plätze bei Flügen in die beiden großen Hubs Frankfurt und München ist mit Anschlussreisenden belegt - sie fliegen etwa von Berlin oder Hamburg über die Drehkreuze in die USA oder nach Asien.

Ein weiteres Thema auf dem Luftfahrtgipfel wird auch die Zukunft der Deutschen Flugsicherung sein. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol erwartet, dass die Anzahl der Flüge, die mit bis zu zwei Stunden Verspätung starten, bis 2040 um das Siebenfache steigen wird. Fluglotsen sollen deshalb von Sonderaufgaben entlastet und flexibler eingesetzt werden können.

Auch das Thema Sicherheitskontrollen soll beim Luftfahrtgipfel zur Sprache kommen. Hier ist Deutschland ebenfalls weit abgeschlagen. Weil hierzulande noch immer die Bundespolizei für das Screening der Passagiere zuständig ist und dafür private Dienstleister sowie teilweise veraltetes Gerät einsetzt, dauert die Fummelei unnötig lange. So können beispielsweise in Amsterdam pro Stunde und Spur im Schnitt 185 Passagiere gecheckt werden, in Madrid sogar 200. In Köln sind es dagegen nur 85 bis 110.

insgesamt 62 Beiträge
Rincewind 05.10.2018
1. Interessant wäre eine UmsatzENTWICKLUNG!
Ein Snapshot von einmaligen Jahresumsätzen sagt überhaupt nichts und hat null Informationswert. Zudem sagt der Umsatz nichts über den Gewinn aus! Ich denke dass eine Stecke, die nur 10 Mio Umsatz macht nicht rentabel sein [...]
Ein Snapshot von einmaligen Jahresumsätzen sagt überhaupt nichts und hat null Informationswert. Zudem sagt der Umsatz nichts über den Gewinn aus! Ich denke dass eine Stecke, die nur 10 Mio Umsatz macht nicht rentabel sein kann. Wie hat sich der Umsatz auf der Strecke Wien-Salzburg ggü. dem Railjet der ÖBB entwickelt? Wie wird sich der Umsatz auf der Verbindung München-Berlin ggü. dem ICE Sprinter entwickeln? Und in keinem Satz wird erwähnt, dass Köln-Frankfurt inzwischen 100% Bahn ist. Schlecht recherchiert...
der_meier 05.10.2018
2. Lokführer freuen sich ..
Das Problem ist ein ganz einfaches: in der Luft gibt es Wettbewerb - wenn auch nicht vollkommen. Auf der Schiene haben wir ein Fast-Monopol und in diesem haben die Lokführer und sonstige Hilfskräfte eine extrem starke [...]
Das Problem ist ein ganz einfaches: in der Luft gibt es Wettbewerb - wenn auch nicht vollkommen. Auf der Schiene haben wir ein Fast-Monopol und in diesem haben die Lokführer und sonstige Hilfskräfte eine extrem starke Position. Diese werden sie nutzen und sich ihre Machtposition vergolden lassen. Parallel dazu wird der PKW-Verkehr massiv behindert durch Dauerbaustellen über 20 km incl Unfall- und Pannenblockaden innerhalb derselben .. Schönes Deutschland ..
k70-ingo 05.10.2018
3.
Mittlerweile verzichte ich auf Beides, auf Kurzstreckenflüge wie auf Bahnfahrten - und fahre nur mit dem Auto. Die Entscheidung basiert auf jeweils schlechten Erfahrungen. Selbst wenn bei einem Langstreckenticket der kostenlose [...]
Mittlerweile verzichte ich auf Beides, auf Kurzstreckenflüge wie auf Bahnfahrten - und fahre nur mit dem Auto. Die Entscheidung basiert auf jeweils schlechten Erfahrungen. Selbst wenn bei einem Langstreckenticket der kostenlose Zug zum Flug dabei ist, verzichte ich darauf und fahre mit dem Auto zum Flughafen. Die Mehrkosten für Sprit und Parkhaus wiegen das Gewürge mit unpünktlichen, dreckigen, mit unangenehmen Zeitgenossen überfüllten Zügen auf jeden Fall auf. Da ist die nervige Gepäckschlepperei durch siffige und zugige Bahnhöfe nicht mit eingerechnet.
meinung2013 05.10.2018
4. Gipfel gegen das Flugchaos
und hierbei könnten viele Leute helfen: einfach nicht mehr fliegen. Dies würde auch der Umwelt enorm helfen. Mehr noch als eine weitere Steuer, CO2 Steuer, die eh nichts weiter ist, als ein moderner Ablasszettel. Inzwischen [...]
und hierbei könnten viele Leute helfen: einfach nicht mehr fliegen. Dies würde auch der Umwelt enorm helfen. Mehr noch als eine weitere Steuer, CO2 Steuer, die eh nichts weiter ist, als ein moderner Ablasszettel. Inzwischen habe ich es geschafft selbst meine beruflichen Dienstreisen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Videokonferenzen tun es auch. Nur noch ganz wenige Termine, bei denen eine Anwesenheit erforderlich ist. Dies ist nur dann der Fall, wenn eine persönliche Abstimmung ansteht, also meist dann, wenn gesetzlich die Anwesenheit vorgeschrieben ist = max. 1x jährlich. Meine Firma freut dies auch, spart sie doch enorm viel Geld. Ich, Ü 60, war in der Abteilung Vorreiter und habe aufgezeigt, daß mit Nutzung vorhandener Technik und Tools Dienstreisen nahezu überflüssig sind. Sehr zum Leidwesen jüngerer Kollegen, die mir immer den Umweltzeigefinger vorhalten. Wenn endlich auch mal der Gesetzgeber digital ist, braucht es gar keine Flüge mehr. Privat tu ich mir keine Flugreise mehr an. Angefangen von der Buchung über die Abfertigung im Flughafen und den Flug selbst, empfinde ich das alles nur noch als eine einzige Frechheit, Schikane. Also lass ich es.
teflonhirn 05.10.2018
5. die Bahn,
die für ihren Strom und Treibstoff Steuern zahlen muss, soll also den steuerbefreit tankenden Billig-Fliegern, die doppelt buchen oder Flüge mangels Umsatz streichen helfen die Leute zu befördern? Hatte der Verkehrt Minister [...]
die für ihren Strom und Treibstoff Steuern zahlen muss, soll also den steuerbefreit tankenden Billig-Fliegern, die doppelt buchen oder Flüge mangels Umsatz streichen helfen die Leute zu befördern? Hatte der Verkehrt Minister nicht kürzlich beschlossen das kostendeckend gefahren werden soll? Was nützt Spezialfutter für Kühe, wenn Politikern so viel heiße ( nennen wir das Gas mal) Luft ablassen.

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