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Wirtschaft

Milliardenbetrug bei Malaysias Staatsfonds

USA ermitteln gegen Deutsche Bank

Ein Betrüger - Spitzname "Billion Dollar Whale" - soll Milliarden von Malaysias Staatsfonds 1MDB für sein Luxusleben abgezweigt haben. Laut einem Bericht rückt jetzt die Deutsche Bank in dem Fall ins Visier der Ermittler.

Getty Images

Milliarden-Betrüger Jho Low bei einer von ihm ausgerichteten Party in New York - hier mit dem Model Gigi Hadid

Donnerstag, 11.07.2019   10:46 Uhr

1MDB, der Name des Staatsfonds Malaysias, sagte noch vor ein paar Jahren selbst Finanzexperten wenig. Inzwischen ist das anders: Die Abkürzung - sie steht für "1Malaysia Development Berhad" - ist inzwischen zur Chiffre geworden für einen der größten Betrugsskandale der Finanzgeschichte.

Hauptbeschuldigter ist ein Malaysier namens Jho Low. "Billion Dollar Whale", diesen Spitznamen haben Autoren eines in den USA zu dem Fall erschienenen Buchs dem mutmaßlichen Betrüger Low gegeben - in Anlehnung an die Milliardensummen, die Low für seinen luxuriösen Lebenswandel abgezweigt haben soll (die Hintergründe des Falls hat unser Korrespondent in New York hier aufgeschrieben).

Nun gerät offenbar auch die Deutsche Bank in den Strudel des Skandals. Das US-Justizministerium hat einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Finanzskandal gegen die Deutsche Bank eingeleitet.

Die Behörde prüfe, ob das Unternehmen durch seine Arbeit für den Fonds gegen Korruptions- und Anti-Geldwäsche-Gesetze verstoßen habe. Die Deutsche Bank gab an, sie kooperiere mit den Behörden und sei von 1MDB in die Irre geführt worden.

Goldman Sachs ist schon länger im Visier der Ermittler

Bis zu drei Milliarden Dollar sollen nach Angaben von malaysischen und US-Justizbehörden zwischen 2009 und 2014 veruntreut worden sein, unter anderem von Low und malaysischen Spitzenpolitikern. Wichtige Bankgeschäfte für den Fonds wickelte die US-Investmentbank Goldman Sachs ab, gegen die Ermittlungen in den USA eingeleitet worden sind.

Die Deutsche Bank wiederum hatte dem Staatsfonds laut "Wall Street Journal" noch 2014 bei der Beschaffung von 1,2 Milliarden Dollar geholfen - als es bereits Bedenken wegen der Leitung und der Finanzdaten von 1MDB gegeben habe. Die Ermittlungen gegen die Deutsche Bank wurden laut dem Bericht vom ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner unterstützt, der sich in dem Skandal schuldig bekannte.

Die Staatsanwaltschaft interessiert sich demnach für eine frühere Kollegin Leissners, eine ehemalige Mitarbeiterin der Deutschen Bank im Asien-Pazifik-Raum. Der Zeitung zufolge verließ sie das Geldinstitut vergangenes Jahr, nachdem herauskam, dass sie in Verbindung zu einem malaysischen Investor stand, der eine zentrale Rolle in dem Skandal spielte.

Die lange Reihe der Probleme der Bank in den USA

Die Deutsche Bank steckt in den USA bereits wegen verdächtiger Transaktionen beim Familienunternehmen von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, in Schwierigkeiten. Die Bank wird verdächtigt, interne Berichte über fragwürdige Geldflüsse auf Konten von Kushner-Firmen und aus dem Trump-Konzern zurückgehalten zu haben.

Deutschlands größtes Geldinstitut hatte am Sonntag eine umfassende Neuaufstellung des Konzerns beschlossen. Im Zuge dessen sollen bis 2022 rund 18.000 Stellen wegfallen - bereits am Montag erhielten die ersten betroffenen Mitarbeiter ihre Kündigungen.

beb/AFP

insgesamt 24 Beiträge
stolpe 11.07.2019
1. Abwickeln
Ich bin seit Jahrzehnten Kunde dieses Instituts, aber ich denke, es ist vielleicht an der Zeit, die Deutsche Bank abzuwickeln. Wenn ich in mich gehe, traue ich diesem Institut gerade noch zu, mein Girokonto zu führen, aber keinen [...]
Ich bin seit Jahrzehnten Kunde dieses Instituts, aber ich denke, es ist vielleicht an der Zeit, die Deutsche Bank abzuwickeln. Wenn ich in mich gehe, traue ich diesem Institut gerade noch zu, mein Girokonto zu führen, aber keinen Deut weiter. Eine Bank muss nicht international sein, höchste Renditen erwirtschaften oder glitzernde Bürotürme in Frankfurt haben. Sie muss solide sein, vertrauenswürdig und langweilig. Das war die Deutsche Bank mal. Jetzt nicht mehr.
Beijinger 11.07.2019
2. Ich habe es vorher schon mal beschrieben
Deutsche Bank - Ignoranz und Arroganz sind keine Basis für ein erfolgreiches Geschäft. Wie dumm kann eine Bank sein, um auf die erwähnten "Unternehmer" reinzufallen? Andererseits, wenn diese Dummheit dort auch grassierte und [...]
Deutsche Bank - Ignoranz und Arroganz sind keine Basis für ein erfolgreiches Geschäft. Wie dumm kann eine Bank sein, um auf die erwähnten "Unternehmer" reinzufallen? Andererseits, wenn diese Dummheit dort auch grassierte und heute noch im täglichen Rhythmus die Schlagzeilen aus dem WH dominieren: "Gleich und gleich gesellt sich halt gern.". Gibt's eventuell jemanden, der dafür haftet? Ok, man wird ja mal fragen dürfen.....
Nonvaio01 11.07.2019
3. weiter so
von der DB wird in 2-3 jahren nichts mehr uebrig sein und das voellig verdient.
von der DB wird in 2-3 jahren nichts mehr uebrig sein und das voellig verdient.
str.21.de 11.07.2019
4. Na also, doch wieder Geldwäsche.
Ich frage mich, wie die Deutsche Bank immer wieder mit so extrem kriminellen Machenschaften bei unserer Justiz durchkommt. Der ganze Vorstand gehört in den Knast, aber daran hat das Volk (aka die demokratische Regierung) kein [...]
Ich frage mich, wie die Deutsche Bank immer wieder mit so extrem kriminellen Machenschaften bei unserer Justiz durchkommt. Der ganze Vorstand gehört in den Knast, aber daran hat das Volk (aka die demokratische Regierung) kein Interesse dran. Vielleicht sind unsere Politiker ebenso kriminell. Vielleicht im geringeren Umfang, aber trotzdem extrem tolerant den kriminellen Freunden/Vorgesetzten gegenüber. Es ist an der Zeit, dass eine öffentliche Währung wie Bitcoin das Geld ersetzt, mit der Zusatzfunktion, dass ausschließlich Beträge unter 10.000€ mit Privatsphärenschutz gegenüber dem Finanzamt bezahlbar sind. Jede andere Transaktion muss dem Finanzamt einsehbar sein. Ja, so was ist mit Bitcoin möglich. Nicht aber mit den traditionellen Währungen, wo gewaschen wird was das Zeug hält, mit Unterstützung (wegschauen) der Regierung.
pnegi 11.07.2019
5. Peanuts...
Warten wir doch mal auf die Ergebnisse aus dem Danske Geldwäsche Skandal. Dort geht es um mehr als 1 Billlion. Und die Deutsche Bank wird mutmasslich mit etwas mehr als 300 Mrd $ in Verbindung gesetzt. Wenn zB die Strafzahlung [...]
Warten wir doch mal auf die Ergebnisse aus dem Danske Geldwäsche Skandal. Dort geht es um mehr als 1 Billlion. Und die Deutsche Bank wird mutmasslich mit etwas mehr als 300 Mrd $ in Verbindung gesetzt. Wenn zB die Strafzahlung auf 10% hinaus liefe (was einer milden Strafe entspräche) wären dass in etwa das Doppelte des Börsenwertes der Deutschen Bank. Ich denke nicht, dass das mit dem Malaysia Fond getoppt werden kann. Allerdings vermisse ich Neuigkeiten aus der Danske-Untersuchung. Es scheint, das Gericht ist seit Monaten in Ferien... Oder man wartet bis der mutmassliche Delinquent (die Danske und die Deutsche Bank) tot sind und man das Verfahren einstellen kann? Letztendlich ist das, was gegenwärtig in der Deutschen Bank geschieht, eine Art Insolvenz-Verschleppung...

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