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Wirtschaft

Gewinnprognose gesenkt

Nissan erwartet Millionenkosten wegen Ghosn-Affäre

Trotz zuletzt guter Geschäfte senkt Nissan seine Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr. Dabei spielen auch die Korruptionsvorwürfe gegen Ex-Verwaltungsratschef Ghosn eine Rolle.

REUTERS

Nachrichtenmonitor in Japan mit Meldung zu Carlos Ghosn

Dienstag, 12.02.2019   11:52 Uhr

Der japanische Autokonzern Nissan rechnet angesichts einer schwächelnden Nachfrage und der Affäre um Ex-Verwaltungsratschef Carlos Ghosn mit weniger Gewinn im laufenden Geschäftsjahr. Dieses endet am 31. März. Bis dahin dürfte ein Gewinn von 410 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Euro) anfallen, teilte Nissan mit. Bisher war der Autobauer noch von 500 Milliarden Yen ausgegangen. Im dritten Geschäftsquartal (Oktober bis Dezember) verbuchte Nissan einen Anstieg des operativen Gewinns um ein Viertel auf 103,3 Milliarden Yen (827,9 Millionen Euro).

Neben sinkenden Umsätzen machte Nissan auch die Affäre um seinen ehemaligen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn für die pessimistischeren Aussichten verantwortlich. Das Unternehmen rechnet mit Kosten von rund neun Milliarden Yen (70,4 Millionen Euro) im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Ghosn.

Der Manager, der auch Chef des Nissan-Allianzpartners Renault war, sitzt seit Mitte November in Tokio in Untersuchungshaft. Ihm werden finanzielles Fehlverhalten und Untreue vorgeworfen. Ghosn weist die Vorwürfe zurück. Nissan hatte ihn unmittelbar nach seiner Verhaftung als Verwaltungsratschef abgesetzt, im Januar trat Ghosn als Chef von Renault zurück.

Der 64-Jährige bleibt aber Mitglied im Direktorium des französischen Autobauers. Er werde auch seine Positionen bei Alliance Rostec Auto BV und Renault do Brasil behalten, teilte Renault mit.

Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreier-Bündnis mit Mitsubishi Motors eigentlich vertiefen wollen. Renault kritisierte, Nissan wende zu harte Ermittlungsmethoden gegen Ghosn an. Zugleich wurde bekannt, dass Renault ebenfalls Vorwürfe gegen Ghosn prüft. Der Manager hat einen Teil der Kosten seiner Hochzeit in einem Sponsorenvertrag der Firma versteckt.

Die Staatsanwaltschaft in Japan wirft Ghosn vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan angegeben und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

mmq/Reuters/dpa

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