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Wirtschaft

Internationale Agentur

Ökostrom könnte mehr als 80 Prozent des Weltbedarfs decken

Nur noch Wind, Sonne und andere regenerative Energiequellen: Im Jahr 2050 könnte das reichen, um den weltweiten Strombedarf fast völlig zu decken, rechnet die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien vor.

DPA

Windkraftanlagen in NRW (Archiv)

Dienstag, 09.04.2019   08:58 Uhr

Das Potenzial regenerativer Energiequellen ist noch lange nicht erschöpft, rechnet eine Untersuchung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) vor. Im Gegenteil: Bis zum Jahr 2050 könnten Wind, Sonne und andere alternative Quellen bis zu 86 Prozent des weltweiten Bedarfs decken - selbst wenn im gleichen Zeitraum die Stromnachfrage deutlich steigt, etwa durch eine höhere Verbreitung von Elektroautos.

Elektrizität wäre in einem solchen Szenario dann der zentrale globale Energieträger mit einem Anteil von 50 Prozent. Derzeit sind es 20 Prozent. Der Zuwachs ergibt sich aus der Kalkulation, dass 2050 weltweit rund eine Milliarde E-Autos unterwegs sein könnten und Strom zudem auch verstärkt zum Heizen, aber auch zur Gewinnung von Wasserstoff eingesetzt würde. Wasserstoff wiederum könnte Kerosin oder Öl im Flug- und Schiffsverkehr ersetzen.

Dieser Umbau des Energiesektors weltweit sei nötig, um die internationalen Klimaziele des Vertrags von Paris zu erreichen. Darin ist verankert, dass die weltweite Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit gehalten werden soll.

Kostspielig, aber auch lohnend

Laut der Irena-Studie wäre dies aber auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Zwar seien für diesen beschleunigten Umbau zusätzliche Investitionen von rund 15 Billionen Dollar nötig. Dies sei aber schon weniger als in früheren Studien geschätzt, da Wind- und Solarstrom immer günstiger würden. Jeder Dollar würde sich zudem bei einer schnelleren Energiewende durch vermiedene Schäden des Klimawandels und reduzierten Gesundheitskosten bis zum Siebenfachen bezahlt machen.

Die derzeitigen Pläne reichten nicht aus, um den energiebedingten Treibhausgasausstoß um 70 Prozent für die Weltklimaziele zu reduzieren. In den vergangenen fünf Jahren seien sie sogar jeweils um durchschnittlich ein Prozent gestiegen. Mit dem beschleunigten Einsatz von Wind- oder Solarstrom könnten sie aber um rund 75 Prozent bis 2050 gesenkt werden.

Die Irena-Studie soll am Dienstag beim "Berlin Energy Transition Dialogue" vorgestellt werden. Die internationale Konferenz im Außenministerium befasst sich mit der Energiewende weltweit.

beb/Reuters

insgesamt 478 Beiträge
tempus fugit 09.04.2019
1. Wenn nicht ein...
...Frackingdepp und Handpuppe von Erdöl- und Gasgiganten einen weltweiten Brand auslöst, ist diese Projektion mehr als realistisch. DE - nach gut 1 Dtzd. Jahren - hat es geschafft (gegen viele politische und wirtschaftliche [...]
...Frackingdepp und Handpuppe von Erdöl- und Gasgiganten einen weltweiten Brand auslöst, ist diese Projektion mehr als realistisch. DE - nach gut 1 Dtzd. Jahren - hat es geschafft (gegen viele politische und wirtschaftliche Widerstände... - Altmaier & Co. plus EVU- und Netzbetreiber) heute satte 40% an EE-Strom zu erzeugen. Und das in einem hochindustrialisierten (noch...) Land mit einer der besten, stabilsten und sichersten Stzromversorgung dieser Erde. Und ein ganz wichtiger Punkt: Wegen Wind und Sonnenschein und Wasserdynamik und Geothermie und Biogas und und und wird niemand DE oder die EU angreifen, nicht mal der Doofnick überm Teich!
bommipit 09.04.2019
2. Was......
mich erstaunt an der ganzen Diskussion ist die Frage wie man später die E Fahrzeuge besteuern will. Man zahlt ja heute Steuern aufs Benzin oder aufs Gas und Heizöl zum Heizen. Da hört man nichts zu. Oder wird es ein [...]
mich erstaunt an der ganzen Diskussion ist die Frage wie man später die E Fahrzeuge besteuern will. Man zahlt ja heute Steuern aufs Benzin oder aufs Gas und Heizöl zum Heizen. Da hört man nichts zu. Oder wird es ein Überraschungspaket. Natürlich Brauch man eine Energiewende,ohne Frage,aber ich hätte vorher schon gewusst was es mich kosten wird.
hektor2 09.04.2019
3. Küste
Ich wohne an der Küste und ich bin es leid, wie hier die Landschaft systematisch zerstört, der schöne Horizont verschandelt wird. Umweltschutz sieht für mich anders aus.
Ich wohne an der Küste und ich bin es leid, wie hier die Landschaft systematisch zerstört, der schöne Horizont verschandelt wird. Umweltschutz sieht für mich anders aus.
Ökofred 09.04.2019
4. Interessant...
Noch interessanter wäre es gewesen, auch etwas vom derzeitigen Staus quo zu erfahren, das steht auf den Seiten der IEA (Internationalen Energieagentur). Der Zuwachs der Energieerzeugung durch reg. Energie ist deutlich höher als [...]
Noch interessanter wäre es gewesen, auch etwas vom derzeitigen Staus quo zu erfahren, das steht auf den Seiten der IEA (Internationalen Energieagentur). Der Zuwachs der Energieerzeugung durch reg. Energie ist deutlich höher als der durch Öl, Kohle und Atomenergie zusammen und macht heute immerhin schon 25% der Gesamtstromerzeugung aus (Solar und wind allein 7%, der Rest Hydro). https://www.iea.org/geco/electricity/
Mehrleser 09.04.2019
5.
Kein Wort dazu, wie die Energie zwischengespeichert werden soll (Stichwort "Dunkelflaute"), kein Wort dazu, wie die Energie auch dahin verteilt werden soll, wo keine erneuerbaren Energien vor Ort angezapft werden [...]
Kein Wort dazu, wie die Energie zwischengespeichert werden soll (Stichwort "Dunkelflaute"), kein Wort dazu, wie die Energie auch dahin verteilt werden soll, wo keine erneuerbaren Energien vor Ort angezapft werden können. Und kein Wort dazu, welcher Flächen- und Landschaftsbedarf mit dem Ausbau verbunden ist. Kurzum, kein Wort zu all den strittigen Fragen, die technisch geklärt werden müssen und denen wiederum die lokalen Interessen (Krötenhabitate usw.) der gleichen Bürgerinitiativen und Ökos entgegenstehen, die gleichzeitig den Ausstieg aus der konventionellen Energiewirtschaft fordern. Solange für diesen Konflikt keine Lösungen (Enteignungen, Einschränkung der Klagemöglichkeiten) gefunden werden, wird das alles nichts.
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