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Wirtschaft

Umstrukturierung

"Die Schrumpfungsstrategie bei Opel akzeptieren wir nicht"

Bei Opel schreitet die harte Sanierung voran, die Produktion im Stammwerk Rüsselheim soll offenbar um ein Drittel reduziert werden. Gewerkschaften wehren sich gegen die Pläne.

DPA

Beschäftigte von Opel am Stammsitz Rüsselsheim (Archivfoto)

Donnerstag, 04.04.2019   13:29 Uhr

Die Vertrauensleute der IG Metall machen Front gegen Pläne des neuen Mutter-Konzerns PSA, die Kapazität des Rüsselsheimer Opel-Stammwerks drastisch zu reduzieren. Dem Vernehmen nach sehen die Pläne vor, die Produktion mit derzeit noch 3000 Beschäftigten um ein Drittel zu kürzen. "Diese Schrumpfungsstrategie akzeptieren wir nicht", heißt es in einer im Werk verbreiteten Resolution. Zuerst hatten die Zeitungen der "VRM-Gruppe" darüber berichtet.

Statt 60 Autos sollen laut den Plänen im Stammwerk noch 40 Wagen pro Stunde vom Band rollen. 2021 könnte das bislang in Polen gebaute Kompaktmodell Astra nach Rüsselsheim zurückkehren und den Mittelklasse-Wagen Insignia ergänzen. Das Unternehmen verwies erneut darauf, dass man das zweite Modell für Rüsselsheim noch in diesem Jahr nennen werde.

Die Vertrauensleute verlangten eine Übergangsstrategie mit Kurzarbeit, bis das neue Modell nach Rüsselsheim kommt. Einen weiteren Abbau von Stammpersonal werde man nicht akzeptieren. Die Gewerkschafter hielten PSA vor, in den französischen Werken einen weit höheren Anteil von Leiharbeitern zu ausbeuterischen Bedingungen zu beschäftigen. Einen systematischen Einsatz von Leiharbeitern auf Stammarbeitsplätzen will man bei Opel verhindern.

Viele Leiharbeiter

Die Aufspaltung des Entwicklungszentrums mit rund 7000 Mitarbeitern kommt nach Angaben des Ingenieurs-Dienstleisters Segula voran, der bis zu 2000 Leute von Opel übernehmen will. Die übrigen Beschäftigten sollen weiterhin Opel-Modelle entwickeln und zentrale Aufgaben für den PSA-Konzern erledigen. Seit dem Rekrutierungsbeginn am Montag hätten bereits mehr als 300 Entwickler Interesse an einem Wechsel gezeigt, sagte Segula-Sprecher Immo von Fallois.

Keine Fortschritte gibt es Fallois zufolge bei den Verhandlungen um einen Haustarifvertrag bei Segula. Man sei mit dem IG-Metall-Bezirk in Frankfurt im guten Kontakt. Den Wechslern sichert der französische Dienstleister unveränderte Entgelte und Arbeitszeiten, die Übernahme der Pensionsverpflichtungen sowie den auch bei Opel gültigen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2023 zu.

Etliche Opel-Beschäftigte wenden sich unterdessen von ihrem Unternehmen ab. Mehr als 1000 Beschäftigte des Entwicklungszentrums hätten sich bereits für das von der IG Metall ausgehandelte neue Abfindungsprogramm interessiert, hieß es in Arbeitnehmerkreisen.

hej/dpa

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