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Wirtschaft

Entwicklungszentrum

Opel mit Betriebsrat einig über Stellenabbau

Bis zu 2000 Mitarbeiter wollte Opel an das französische Unternehmen Segula abgeben, die Arbeitnehmer protestierten. Nun sollen die Ingenieure zwischen dem Wechsel und Abfindungen wählen können.

DPA

Internationales technisches Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim

Mittwoch, 20.03.2019   16:31 Uhr

Der Autobauer Opel hat sich mit dem Betriebsrat über die Zukunft seines Entwicklungszentrums in Rüsselsheim geeinigt. Rund 2000 Beschäftigte, deren Stellen ursprünglich zum französischen Entwicklungsdienstleister Segula ausgelagert werden sollten, können demnach entscheiden, ob sie wechseln oder Opel verlassen wollen. Wollen die Ingenieure ausscheiden, bekommen sie eine Abfindung, Altersteilzeit oder Vorruhestand.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war im August 2017 vom französischen PSA-Konzern übernommen worden. Opel hatte im vergangenen Jahr mit 859 Millionen Euro den ersten operativen Gewinn seit fast 20 Jahren ausgewiesen, in dem allerdings die Sanierungskosten nicht berücksichtigt sind. Die neue Mutter PSA drängte auf weitere Einschnitte, sodass Opel mit Segula einen Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums und des Testgeländes in Rodgau-Dudenhofen vereinbarte. Der Deal soll noch in diesem Sommer vollzogen werden.

Der Plan stieß auf den Widerstand der IG Metall, die das Segula-Geschäftsmodell trotz erheblicher Ausgleichszahlungen von Opel nicht für tragfähig erachtete. Betriebsrat und Gewerkschaft verlangten unter anderem ein Rückkehrrecht zu Opel und einen Kündigungsschutz bis zum Sommer 2023, wie er auch bei einem Verbleib im Unternehmen gegolten hätte. PSA-Chef Carlos Tavares warf der IG Metall daraufhin vor, die Sicherung der 2000 Arbeitsplätze zu gefährden.

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Beschäftigte von Opel bei einer Demonstration (Archiv)

Nun werden voraussichtlich weniger Mitarbeiter zu Segula gehen als ursprünglich geplant. Mit der Einigung könnten die Überkapazitäten überwunden werden und die angestrebte Partnerschaft mit Segula Technologies zustande kommen, teilten Unternehmen und Betriebsrat mit. "Der Weg zur erfolgreichen Umsetzung unseres Projektes ist jetzt frei", sagte Deutschlandchef Martin Lange.

Abwanderung von Ingenieuren zur Konkurrenz befürchtet

Segula beschäftigt weltweit 12.000 Mitarbeiter in 30 Ländern, neben Firmen aus der Autobranche arbeitet der Ingenieur-Dienstleister auch für andere Branchen wie die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie oder den Energiesektor. Auch die Opel-Entwicklungsingenieure sollen künftig auch für Kunden außerhalb der Autoindustrie arbeiten.

"Solche Abfindungsprogramme haben das Risiko, dass die Spitzenkräfte die Abfindungen nehmen und dann zu den Wettbewerbern wechseln", sagte der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, in einer ersten Einschätzung. Aus seiner Sicht seien Arbeitsplätze bei anderen Herstellern oder großen Zulieferern für die meisten Ingenieure attraktiver als ständig wechselnde Auftragsarbeiten.

Zugleich bekräftigte der Opel-Mutterkonzern den Erhalt des verkleinerten Entwicklungszentrums. "Das Entwicklungszentrum wird das Design und die wettbewerbsfähige Entwicklung aller zukünftigen Opel/Vauxhall-Modelle übernehmen", teilte das Unternehmen mit. Zusätzlich sei das Zentrum verantwortlich für weltweite Aufgaben innerhalb des PSA-Konzerns, etwa bei der Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen und einer neuen Motorenfamilie.

Auto-Experte Dudenhöffer sieht das kritisch: Er sagte, mit dem Stellenwechsel und -abbau werde immer klarer, dass die grundlegende Opel-Technik in Zukunft von PSA kommen werde, während in Rüsselsheim nur noch wenige Aufgaben verblieben.

kko/dpa/Reuters

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