Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Nach Abstürzen

Qatar und Ethiopian vertrauen weiter auf Boeing

"Ich bin mir sicher, dass das Flugzeug bald wieder in den Himmel steigen wird", sagt Quatar-Chef Akbar al-Baker über die verunglückte Boeing 737 Max. Auch der Chef der Unglücks-Airline Ethiopian spricht dem US-Konzern das Vertrauen aus.

REUTERS

Qatar-Chef Akbar al-Baker (Archivbild)

Montag, 25.03.2019   14:19 Uhr

Nach den Abstürzen zweier Boeing-Maschinen mit insgesamt 346 Toten haben die Fluglinien Qatar Airways und Ethiopian ihre Zusammenarbeit mit dem US-Flugzeugbauer bekräftigt. "Wir haben Vertrauen in die Boeing-Flugzeuge und sind sicher, dass sie das Problem finden werden", sagte Qatar-Konzernchef Akbar al-Baker in Maskat. "Ich bin mir sicher, dass das Flugzeug bald wieder in den Himmel steigen wird."

Der Manager kündigte allerdings an, die Auslieferung eines bestellten Max-Jets im April zu verschieben, bis die Ursache des Absturzes bekannt sei. Bislang hat Qatar nur fünf Maschinen des Typs erhalten. Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda hatte vor wenigen Tagen eine Milliarden-Bestellung über 49 Passagiermaschinen des Typs rückgängig gemacht.

Am 10. März war eine Boeing-Maschine des Typs 737 MAX im Dienst von Ethiopian Airlines abgestürzt, im Herbst hatte es die indonesische Lion Air getroffen. Der Chef von Ethiopian äußerte sich ähnlich wie Al-Baker. "Lasst mich ganz klar sagen: Ethiopian Airlines glaubt an Boeing", sagte Tewolde GebreMariam. Trotz der Tragödie seien beide Unternehmen weiter verbunden. Man werde mit Boeing und anderen zusammenarbeiten, damit das Fliegen sicherer werde.

Tewolde wiederholte, dass die Piloten von Ethiopian Airlines ausreichend für das Fliegen mit der Unglücksmaschine Boeing 737 Max 8 geschult gewesen seien. Die Fluggesellschaft sei die einzige in Afrika und eine der wenigen auf der Welt, die einen vollständigen Flugsimulator für die Boeing 737 Max habe. Die "New York Times" und andere Medien hatten zuvor berichtet, der Pilot der Absturzmaschine habe kein oder unzureichendes Training am Flugsimulator absolviert.

Nach ersten Erkenntnissen über Gemeinsamkeiten der beiden Abstürze ist das Flugkontrollsystem MCAS und das damit verbundene Training der Piloten in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt. Das MCAS soll bei zu steilem Flugwinkel einen Strömungsabriss verhindern, indem es automatisch die Nase der Maschine absenkt. Bei beiden Abstürzen kämpften die Piloten vergeblich darum, einen ungewollten Sinkflug ihrer Maschinen zu verhindern.

In etlichen Ländern bleiben die entsprechenden Maschinen des Airbus-Rivalen am Boden. Boeing selbst empfahl seinen Kunden, mit den rund 350 betriebenen Maschinen vorerst nicht abzuheben. Zuvor hatten nationale Behörden weltweit Startverbote für das Flugzeugmodell verhängt, das erst seit 2017 am Markt ist.

dab/Reuters/dpa

insgesamt 18 Beiträge
N-Zyan 25.03.2019
1. Vollstes Vertrauen in Boeing
Das spricht nicht gerade für die Airline-Chefs. Jenseits von vorschnellen Urteilen sollte doch zumindest der vollständige Bericht über die Unglücksursachen abgewartet werden. Ich hoffe nicht, dass für ihre Aussagen bei [...]
Das spricht nicht gerade für die Airline-Chefs. Jenseits von vorschnellen Urteilen sollte doch zumindest der vollständige Bericht über die Unglücksursachen abgewartet werden. Ich hoffe nicht, dass für ihre Aussagen bei zukünftigen Anschaffung von Boeing ein "Sonderrabatt" gewährt wird.
hileute 25.03.2019
2. Dann muss man bei denen
halt etwas genauer gucken mit welchem Typ man fliegt, Problem gelöst.
halt etwas genauer gucken mit welchem Typ man fliegt, Problem gelöst.
Zuversicht 25.03.2019
3.
Ich bin mir sicher, dass das Flugzeug bald wieder in den Himmel steigen wird ... das schon, die Frage wird sein wie hoch die Auslastung mit Fluggästen sein wird. Aber Boeing wird sich für solche Aussagen sicher erkenntlich [...]
Ich bin mir sicher, dass das Flugzeug bald wieder in den Himmel steigen wird ... das schon, die Frage wird sein wie hoch die Auslastung mit Fluggästen sein wird. Aber Boeing wird sich für solche Aussagen sicher erkenntlich zeigen. Dass einzige Glück für Boeing ist, dass die Konkurrenz nicht in der Lage ist so viele alternative Flugzeuge bereitzustellen.
claus7447 25.03.2019
4.
Nicht unbedingt - ein Wechsel zu Airbus ist problematisch. Zum einen müsste sich die Airline hinten anstellen (ca. 5.000 ausstehende Lieferungen) - oder vermutlich teuer bei einer Finanzierungs-Gesellschaft einkaufen (die [...]
Zitat von N-ZyanDas spricht nicht gerade für die Airline-Chefs. Jenseits von vorschnellen Urteilen sollte doch zumindest der vollständige Bericht über die Unglücksursachen abgewartet werden. Ich hoffe nicht, dass für ihre Aussagen bei zukünftigen Anschaffung von Boeing ein "Sonderrabatt" gewährt wird.
Nicht unbedingt - ein Wechsel zu Airbus ist problematisch. Zum einen müsste sich die Airline hinten anstellen (ca. 5.000 ausstehende Lieferungen) - oder vermutlich teuer bei einer Finanzierungs-Gesellschaft einkaufen (die Flieger aus Vorrat kaufen). Nicht zu verachten ist die Umstellung der Infrastruktur, Schulung, Ersatzteilbevorratung. Es ist ein Rattenschwanz. Und wie sie schreiben - vermutlich ist Boeing etwas großzügig insb. unmittelbar betroffenen Airlines.
w.diverso 25.03.2019
5. Man weiß ja
wie solche positiven Aussagen initiiert werden. Wird Boeing schon einiges gekostet haben. Wird aber eine Kleinigkeit sein im Vergleich zu dem was die sonstige PR-Arbeit jetzt kosten wird. Das Misstrauen der Reisenden wird nicht [...]
wie solche positiven Aussagen initiiert werden. Wird Boeing schon einiges gekostet haben. Wird aber eine Kleinigkeit sein im Vergleich zu dem was die sonstige PR-Arbeit jetzt kosten wird. Das Misstrauen der Reisenden wird nicht von alleine verfliegen.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Boeing

Der Konzern
Boeing ist mit einem Umsatz von fast 70 Milliarden Dollar und rund 170.000 Mitarbeitern der größte Flugzeughersteller der Welt. Neben Passagierflugzeugen ist das Unternehmen auch im Verteidigungssektor und in der Raumfahrt aktiv.
Die Geschäftsfelder
Boeing erzielt jeweils rund die Hälfte seines Umsatzes mit den beiden Bereichen "Kommerzielle Flugzeuge" und "Verteidigung, Raumfahrt & Sicherheit". Zu den bekanntesten Produkten des Konzerns gehören der Jumbojet (B747) und die AWACS-Aufklärungsflugzeuge.
Der Chef
Jim McNerney ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender von Boeing. Nach einem Studium in Yale und Harvard arbeitete er unter anderem beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, der Unternehmensberatung McKinsey und dem Mischkonzern General Electric.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP