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Wirtschaft

Bilanz des Energiekonzerns

RWE-Chef erwartet drastischen Jobabbau wegen Kohleausstieg

Das schwächere Geschäft mit Braunkohle und Kernkraft hat den Gewinn von RWE 2018 stark sinken lassen. Der Energiekonzern rechnet auch mit kräftigem Stellenabbau.

DPA

Protest vor Braunkohlebagger

Donnerstag, 14.03.2019   11:16 Uhr

RWE erwartet durch den Kohleausstieg einen erheblichen Stellenabbau. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der von der Kohlekommission zusätzlich bis 2022 empfohlenen Kraftwerks-Stilllegungen auf Nordrhein-Westfalen entfallen werde, teilte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz im Geschäftsbericht für 2018 mit.

Diesen Schritt hatte Schmitz bereits im Oktober nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst angekündigt. Nun konkretisierte der Manager: Weitere Schließungen würden Auswirkungen auf den Tagebau von RWE haben. "Und sie werden dazu führen, dass Stellen wegfallen. Ich rechne mit einem signifikanten Abbau bereits bis 2023", wird Schmitz zitiert. Genaue Zahlen nannte er immer noch nicht.

RWE werde bei dem Stellenabbau wohl nicht allein mit den üblichen sozialverträglichen Maßnahmen auskommen, sagte der Manager in einem Video-Interview des Energiekonzerns. Er setze aber auch hier auf die Gespräche mit der Bundesregierung. RWE beschäftigt im Rheinischen Revier knapp zehntausend Mitarbeiter.

Konzern prüft Erhalt des Hambacher Forsts

RWE erwägt laut Nachrichtenagentur Reuters dennoch einen Verzicht auf die Rodung des von Umweltschützern seit Jahren verteidigten Gebiets. "Wir werden prüfen, was mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich ist", sagte Schmitz laut Redetext auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Klar sei, dass das eine Menge Geld kosten würde. Wirtschaftlich und betrieblich wäre das zwar nicht sinnvoll. "Aber Symbole haben eben ihren Preis." Zuvor hatte der Konzern bereits angekündigt, die kommenden eineinhalb Jahre auf die Rodung zu verzichten.

Allerdings liefen auch insgesamt, etwa bei der Kernenergie, die Geschäfte des Energiekonzerns schlechter. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank nach Unternehmensangaben 2018 um gut ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis sank von 973 Millionen auf 591 Millionen Euro. Beide Kennziffern lagen im Rahmen der Unternehmensprognose. Diese Zahlen beziehen sich dabei auf RWE alleine, die vor dem Verkauf und der Zerschlagung stehende Tochter Innogy ist darin nicht mehr enthalten. 2019 geht der Konzern von einem ähnlich hohen Gewinn aus.

So produzierte RWE 2018 weniger Strom, auch wegen des steigenden Anteils an erneuerbaren Energien. Außerdem schaltete der Konzern Block B des Kernkraftwerks Gundremmigen ab. Im vierten Quartal wurden zudem zwei Blöcke im Kohlekraftwerk Niederaußem in die Sicherheitsreserve überführt, das heißt, sie wurden vorläufig stillgelegt und stehen dem Strommarkt nur noch in Ausnahmesituationen zur Verfügung.

"Das operative Geschäft läuft nach Plan, und unsere finanzielle Basis ist sehr gut", kommentierte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. Die Aktionäre sollen daher wie angekündigt eine Dividende von 70 Cent je Aktie erhalten. Ein Jahr zuvor hatten Aktionäre insgesamt 1,50 Euro je Aktie bekommen, allerdings war darin eine Sonderdividende von einem Euro im Zusammenhang mit Rückzahlungen zu Unrecht gezahlter Atomsteuern enthalten. Für das neue Geschäftsjahr kündigte RWE eine Ausschüttung von 80 Cent je Aktie an.

apr/Reuters/dpa

insgesamt 35 Beiträge
Ein_denkender_Querulant 14.03.2019
1. Nur die Spitze vom Eisberg
Dazu kommen weitere zehntausend Stellen im Gesundheitswesen, die wegfallen, wenn wir plötzlich viel gesünder leben werden. Diesen Wahnsinn, der unsere Rentenkassen zum Platzen bringen wird, muss man stoppen, oder doch nicht, [...]
Dazu kommen weitere zehntausend Stellen im Gesundheitswesen, die wegfallen, wenn wir plötzlich viel gesünder leben werden. Diesen Wahnsinn, der unsere Rentenkassen zum Platzen bringen wird, muss man stoppen, oder doch nicht, weil Gesundheit wichtiger ist?
misterknowitall2 14.03.2019
2. Nur zu...
so ist das eben, wenn veraltete Technik das Zeitliche segnet. Es kommt auch was Neues, was wieder Arbeit schafft. Gut, die satten Gewinne durch Abzocke der Bürger sind Geschichte, aber was soll daran verwerflich sein?
so ist das eben, wenn veraltete Technik das Zeitliche segnet. Es kommt auch was Neues, was wieder Arbeit schafft. Gut, die satten Gewinne durch Abzocke der Bürger sind Geschichte, aber was soll daran verwerflich sein?
mirage122 14.03.2019
3. Denen fällt nichts anderes ein, oder?
Na klar: Das ist eine Strategie in der Wirtschaft, die gern genommen wird. Es müssen immer die Mitarbeiter daran glauben. Wie wäre es denn mal, den unnötigen Affenschwanz in der Führungsebene zu überdenken oder hier [...]
Na klar: Das ist eine Strategie in der Wirtschaft, die gern genommen wird. Es müssen immer die Mitarbeiter daran glauben. Wie wäre es denn mal, den unnötigen Affenschwanz in der Führungsebene zu überdenken oder hier beispielsweise Boni und sonstige Sonderzahlungen zu kürzen - ganz einfach auch, weil die getroffenen Entscheidungen wenig erfolgreich waren. Stattdessen wird die Bundesregierung zwecks Unterstützung angerufen, die dann wieder unsere Steuergelder verschleudert, weil das Management seine eigenen Fehler nicht einsieht: Und "unser aller kompetente Herr Altmaier" macht auch gern das Geldsäckchen auf!
karl-felix 14.03.2019
4. Ja
wohl dem , der in RWE-Aktien investierte. Eine Erhöhung der regulären Gewinnausschüttungen von 40% und in 2019 um 60% gegenüber 2016 , das hat schon was bei 0% Zinsen auf das Sparbuch , allerdings sind die Aktionäre [...]
Zitat von Ein_denkender_QuerulantDazu kommen weitere zehntausend Stellen im Gesundheitswesen, die wegfallen, wenn wir plötzlich viel gesünder leben werden. Diesen Wahnsinn, der unsere Rentenkassen zum Platzen bringen wird, muss man stoppen, oder doch nicht, weil Gesundheit wichtiger ist?
wohl dem , der in RWE-Aktien investierte. Eine Erhöhung der regulären Gewinnausschüttungen von 40% und in 2019 um 60% gegenüber 2016 , das hat schon was bei 0% Zinsen auf das Sparbuch , allerdings sind die Aktionäre verwöhnt . Im letzten Jahr gabs schliesslich 200% Sonderdividende als Sahnehäubchen obendrauf auf die reguläre Gewinnausschüttung. Wer in RWE-Vorzüge investierte, profitierte von satten Kursgewinnen . Das ist der Stoff aus dem Millionäre gemacht werden . Auf Ihre Gesundheit . . Kann man nicht meckern ..
Gleichstrom 14.03.2019
5.
Naja, das ist eben so, wenn Regierungsbeschlüsse und wirtschaftliche Beschlüsse gleichermaßen eine Entscheidung beeinflussen. Was mich aber immer wieder erstaunt: Jede Gelegenheit wird von Arbeitgeberverbänden oder großen [...]
Naja, das ist eben so, wenn Regierungsbeschlüsse und wirtschaftliche Beschlüsse gleichermaßen eine Entscheidung beeinflussen. Was mich aber immer wieder erstaunt: Jede Gelegenheit wird von Arbeitgeberverbänden oder großen Konzernen genutzt, sich dafür zu loben, wie heldenhaft man doch Risiken eingehe, sich dem Markt anvertraue und so weiter - aber realisiert sich dann ein solches Risiko, wird nach Hilfe geschrien, während auf der äquivalenten anderen Seite, dem Steuernzahlen, systematisch und mit hohem Aufwand gespart wird, auch mit Lobbytätigkeit. Wenn ich mir dazu ansehe, wieviele Leute umgesiedelt und enteignet wurden, zwangsweise, um klimaschädliche Kohle für billigen Strom auszugraben, wird mir schlecht - steht der Staat wirklich auf des Bürgers Seite, weist er Unternehmen in die Schranken? Nein, tut er nicht! Damit verglichen finde ich Hilfen für unverschuldet Arbeitslose, die aufgrund RWE's schlechter Planung hinsichtlich veralteter Großanlagen und deren überfälliger Außerbetriebnahme ihrer vorigen Arbeit nicht mehr werden nachgehen können noch richtig gut. Klar, RWE sollte das bezahlen, aber ... bleiben wir realistisch - Risiken werden abgewälzt, auf den Staat, auf die Arbeitnehmer, auf jeden - nur nicht auf die Aktionäre. Das sind eben die Schattenseite minimierter Regulierung und klientelinteressengetriebener Politik, die bzgl der Rechtssicherheit und Entschädigungsansprüche Tatsachen geschaffen hat, die zwei schlechte und null gute Lösungen erlauben....... Davon abgesehen ist der Kohleausstieg Voraussetzung dafür, daß Elektroautos eines Tages mal sinnvoll werden können, und die werden, politisch gewollt, ja in den Markt gedrückt werden durch unrealistische Bewertung im Flottenverbrauch. Um also eine selbstgemachte Schädlichkeit zu verkleinern, ist hier nun Eile geboten - die Zeit, in der Elektroautos bevorzugt behandelt werden, aber Kohlekraftwerke noch in Betrieb sind, sollte so kurz wie möglich ausfallen. Wovon abgesehen eine am Stromüberschuß orientiert arbeitende Syntheseanlage für Kraftstoffe aus pflanzlischen Rohstoffen, die einem geschlossenen Kohlenstoffkreislauf angehören, gleich das Problem, den Strom nicht in den Süden zu bekommen, tweilweise mitlösen könnte aufgrund der simplen Speicherbarkeit und vorhandener Infrastruktur - Zumischbarkeit vorausgesetzt kann das den ganzen Fahrzeugbestand ein gutes Stück verträglicher machen. Aber selbst so ein grober, kleiner und auf der Hand liegender Blick aufs Ganze geht offenbar zu weit, ist zu kompliziert. Gewinn muß man damit nicht machen. Wie war das noch mit den Risiken, deren Inkaufnahme einen als Unternehmer ja automatisch zum Helden macht? Das mal mit Tatsachen zu unterfüttern ist lange überfällig!

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