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Wirtschaft

Safra Sarasin

Schweizer Bank muss Drogerieunternehmer Müller Millionen zahlen

Der Drogeriemilliardär Erwin Müller bekommt 45 Millionen Euro Schadensersatz von der Schweizer Bank Sarasin. Die Bank hatte Müllers Geld in einem Fonds angelegt, der mit der umstrittenen Cum-Ex-Methode arbeitete.

DPA

Sarasin-Hauptsitz in Basel (Archivfoto)

Montag, 22.05.2017   16:55 Uhr

Das Landgericht Ulm hat Safra Sarasin zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Die Schweizer Bank muss demnach 45 Millionen Euro an den Drogerieunternehmer Erwin Müller zahlen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Milliardär Müller Opfer einer fehlerhaften Kapitalanlageberatung geworden ist.

Der Chef der gleichnamigen Drogeriemarktkette hatte Ausgleich für Verluste verlangt, die ihm bei Investitionen in den hochriskanten Luxemburger Sheridan-Fonds entstanden waren. Die Bank müsse zudem Verzugszinsen zahlen und die Kosten des langwierigen Rechtsstreits tragen, urteilte das Landgericht. Ihm sei offenkundig zugesagt worden, dass seine Einlagen gegen Kapitalverlust versichert wären, was jedoch nicht der Fall war.

Der Unternehmer hatte geltend gemacht, er sei über das umstrittene Geschäftsmodell des Fonds sowie über die damit verbundenen Risiken für seine private Millioneninvestition im Unklaren gelassen worden. Die Sarasin-Bank bestritt die Vorwürfe. Sie kann gegen die Entscheidung des Gerichts binnen eines Monats Berufung einlegen.

Der Sheridan-Fonds arbeitete mit der umstrittenen Cum-Ex-Methode. Das sind Aktien-Transaktionen rund um den Dividendenstichtag eines Unternehmens, die zu einer doppelten Erstattung der Kapitalertragsteuer führen, obwohl diese nur einmal gezahlt wurde.

Diese Praxis, bei der eine Gesetzeslücke ausgenutzt wurde, gilt inzwischen als nicht mehr zulässig. Anleger verloren Millionen, nachdem das Bundesfinanzministerium die Praxis gestoppt hatte. Der Schaden für den Fiskus aus den Geschäften wird von Experten auf bis zu zwölf Milliarden Euro geschätzt.

asa/dpa/Reuters

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