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Wirtschaft

Gebühren bei S&P

Deutsche Konzerne rebellieren gegen Rating-Riesen

Schelte aus der Politik sind die Rating-Agenturen gewohnt, nun gibt es auch Kritik von deutschen Konzernen. Grund ist eine kräftige Gebührenerhöhung bei Standard & Poor's. Zwölf Unternehmen protestieren laut einem Zeitungsbericht gegen die Preistreiberei.

dapd

Konzernzentrale von Standard & Poor's in New York: Brief von der Kundschaft

Montag, 23.04.2012   11:22 Uhr

Hamburg - Die US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat von zwölf deutschen Großkonzernen einen bösen Brief bekommen. Firmen wie Volkswagen Chart zeigen und Siemens Chart zeigen wehren sich laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") gegen die Gebührenerhöhung von S&P. Demnach werfen die Unternehmen der weltgrößten Rating-Agentur in dem Schreiben Preistreiberei vor.

Die jüngste Gebührenerhöhung laufe "auf eine Verdopplung der Preise, wenn nicht sogar mehr" hinaus, zitierte die Zeitung aus dem Brief. Die Pläne seien "vollkommen inakzeptabel".

S&P hält dem Bericht zufolge dagegen, die Gebühren für Europas Unternehmen stiegen im Schnitt um weniger als fünf Prozent. Einigen Großkonzernen drohten aber "potentiell stärkere Erhöhungen".

Die Rating-Agenturen S&P, Moody's und Fitch kontrollieren rund 95 Prozent des Bewertungsmarkts weltweit und haben eine entsprechende Preismacht. Die meisten Anleiheemittenten - neben Unternehmen vor allem Banken und Staaten - lassen sich von den Rating-Agenturen bewerten, um am Markt günstiger Kapital aufzunehmen. Die Unternehmen akzeptierten deshalb bislang die Gebühren.

Den Brief haben Bayer Chart zeigen, Continental Chart zeigen, Daimler Chart zeigen, Lufthansa Chart zeigen, Deutsche Post Chart zeigen, E.on Chart zeigen, Henkel Chart zeigen, Linde Chart zeigen, RWE Chart zeigen, Siemens, VW sowie der Familienkonzern Bertelsmann unterzeichnet.

Druck der Wettbewerbshüter könnte zunehmen

Sie drohen mit "weiteren Maßnahmen", sollte S&P die Gebühren nicht auf dem Niveau der Vorjahre belassen, hieß es. Laut "FTD" zahlen einige Konzerne derzeit mittlere sechsstellige Gebühren im Jahr an S&P. "Bei Moody's ist es nicht viel anders", zitierte die Zeitung den Finanzmanager eines Unternehmens. Fitch spielt dagegen bei den Dax-Konzernen keine große Rolle.

Durch das Schreiben könnte der kartellrechtliche Druck auf die Agenturen steigen, die bislang weitgehend unbehelligt von den Wettbewerbshütern in Europa agieren. Seit der Finanzkrise gibt es in Europa Bestrebungen, eine eigene Rating-Agentur aufzubauen. Doch die Versuche drohen zu scheitern.

So sieht Finanzminister Wolfgang Schäuble kaum Chancen für eine neue europäische Rating-Agentur als Gegengewicht zur US-Konkurrenz. "Eine vom Staat gegründete Rating-Agentur, oder auch von der Europäischen Kommission, wird sich niemals in dem harten Wettbewerb mit den erfolgreichen Rating-Agenturen durchsetzen", sagte der CDU-Politiker. Auch ein Stiftungsmodell könne er sich nicht vorstellen. Geld aus der deutschen Staatskasse werde es für eine solche Einrichtung von der aktuellen Regierung nicht geben.

mmq/dpa

insgesamt 25 Beiträge
Emmi 23.04.2012
1.
Wer braucht denn überhaupt Ratingagenturen!? Stellen die irgendwas her, was ein Unternehmen unbedingt braucht? Ansonsten würde ich auf deren Dienste einfach verzichten... Sollen sie sich doch selbst (ab)raten...
Wer braucht denn überhaupt Ratingagenturen!? Stellen die irgendwas her, was ein Unternehmen unbedingt braucht? Ansonsten würde ich auf deren Dienste einfach verzichten... Sollen sie sich doch selbst (ab)raten...
tiit 23.04.2012
2.
solvente Unternehmen sollten auch ohne Bewertung ihre Anleihen plazieren können... Wer nicht will und lieber auf wertlose Bewertungen der Rating- Agenturen baut, ist dann selber schuld. Denn das die Bewertungen nichts taugen, [...]
solvente Unternehmen sollten auch ohne Bewertung ihre Anleihen plazieren können... Wer nicht will und lieber auf wertlose Bewertungen der Rating- Agenturen baut, ist dann selber schuld. Denn das die Bewertungen nichts taugen, haben wir ja bei der Bankenkrise lernen dürfen. Und im Zweifelsfall sind die Agenturen sowieso für nichts verantwortlich. Also wofür sind sie gut?
Querspass 23.04.2012
3. Schufa
Genau, die Schufa reicht.:)
Zitat von tiitsolvente Unternehmen sollten auch ohne Bewertung ihre Anleihen plazieren können... Wer nicht will und lieber auf wertlose Bewertungen der Rating- Agenturen baut, ist dann selber schuld. Denn das die Bewertungen nichts taugen, haben wir ja bei der Bankenkrise lernen dürfen. Und im Zweifelsfall sind die Agenturen sowieso für nichts verantwortlich. Also wofür sind sie gut?
Genau, die Schufa reicht.:)
kdshp 23.04.2012
4.
Hallo, ist ja witzig! Da erhöhen die unternehmen ständig die preise und das wo es nur geht UND hier beschwert man sich jetzt. Kann ich nur drüber lachen zeigt aber auch welchen zeitgeist wir haben. Man nimmt was man [...]
Zitat von sysopdapdSchelte aus der Politik sind die Rating-Agenturen gewohnt, nun gibt es auch Kritik von deutschen Konzernen. Grund ist eine kräftige Gebührenerhöhung bei Standard & Poor's. Zwölf Unternehmen protestieren laut einem Zeitungsbericht gegen die Preistreiberei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,829146,00.html
Hallo, ist ja witzig! Da erhöhen die unternehmen ständig die preise und das wo es nur geht UND hier beschwert man sich jetzt. Kann ich nur drüber lachen zeigt aber auch welchen zeitgeist wir haben. Man nimmt was man bekommt beschwert sich aber selber wenn man mehr zahlen muss.
Querspass 23.04.2012
5. Gebührenerhöhung
Sind diese Gebühren Zwangsgebühren? Vergleichbar mit denen der IHKs?
Zitat von sysopdapdSchelte aus der Politik sind die Rating-Agenturen gewohnt, nun gibt es auch Kritik von deutschen Konzernen. Grund ist eine kräftige Gebührenerhöhung bei Standard & Poor's. Zwölf Unternehmen protestieren laut einem Zeitungsbericht gegen die Preistreiberei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,829146,00.html
Sind diese Gebühren Zwangsgebühren? Vergleichbar mit denen der IHKs?

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Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen

Das bedeuten die Ratings

Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

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