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Wirtschaft

Strafanzeige

HRE und HSH Nordbank sollen ihre Bilanzen geschönt haben

Neue Vorwürfe gegen Hypo Real Estate und HSH Nordbank: Laut "Süddeutscher Zeitung" haben sich die beiden Krisenbanken gegenseitig geholfen, ihre Bilanzen zu schönen. Dabei sollen Risiken in Milliardenhöhe verschleiert worden sein. Die Institute weisen die Vorwürfe zurück.

DPA

HRE-Niederlassung in Berlin: Gemeinsam mit der HSH Nordbank Risiken verschleiert?

Donnerstag, 04.02.2010   12:27 Uhr

Hamburg - Der Vorwurf ist heftig und richtet sich ausgerechnet gegen die beiden Banken, die umfassende Milliardenhilfen vom Staat bekommen haben: Die Hypo Real Estate (HRE) und die HSH Nordbank sollen sich im Jahr 2007 gegenseitig dabei geholfen haben, ihre Bilanzen um mehrere Milliarden Euro zu schönen und so die Bankenaufsicht getäuscht haben.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") behauptet das der Anwalt Gerhard Strate in einer Strafanzeige, die er am Mittwoch bei der Hamburger Staatsanwaltschaft einreichte. Bei der HSH liege ein "gravierender Fall von Bilanzfälschung" vor, auch bei der HRE sei von damaligen Vorstandsmitgliedern die Bilanz gefälscht worden.

Die Banken bestreiten laut "SZ" den Vorwurf. Die HRE habe erklärt, sich an die Gesetze gehalten zu haben. Die HSH Nordbank nannte den Verdacht "absurd". Es liege für jedes Geschäftsjahr ein uneingeschränktes Testat durch internationale Wirtschaftsprüfer vor.

Code-Name "St. Pancras"

Anwalt Strate wirft laut Bericht den beiden Instituten vor, dass die Relation zwischen dem vorhandenen Kapital und den eingegangen Risiken im Herbst 2007 aus dem Lot geraten sei. Um dies im Jahresabschluss zu verschleiern und ein Einschreiten der Bankenaufsicht BaFin zu verhindern, hätten die Institute ein Projekt mit dem Code-Namen "St. Pancras" angeschoben. Mit diesem hätten die Banken versucht, Kreditrisiken aus der Bilanz auszulagern, so der Bericht.

Zunächst hätten die Institute jeweils Immobilienkredite im Wert von 3,8 Milliarden Euro in je eine Zweckgesellschaft ausgelagert. So hätten sie verhindern wollen, dass sie in der Bilanz erscheinen, so der Vorwurf des Anwalts.

Anschließend soll eine dritte Zweckgesellschaft vom amerikanischen Hedgefonds Dynamic Credit Partners gegründet worden sein. An diesen sollen die beiden Institute die Immobilienkredite als Wertpapiere gebündelt verkauft haben, beruft sich die "SZ" auf die Aussagen des Anwalts.

Anschließend soll ein Überkreuzgeschäft von HRE und HSH stattgefunden haben. Beide Institute sollen dem Hedgefonds kurzfristige Kredite gegeben haben, damit dieser die Papiere der jeweils anderen Bank kauft. "Damit wurde ein Großteil der Aktionäre in Sicherheit gewogen und davon abgehalten, Aktien zu verkaufen", sagte Anwalt Strate der "SZ". Den Anlegern sei vorgespiegelt worden, das Jahresergebnis lasse die Ausschüttung von über 100 Millionen Euro zu.

Die Anleger bekamen später allerdings fast nichts.

fro

insgesamt 10 Beiträge
Klo 04.02.2010
1. s
Endlich liegen mal strafrechtlich relevante Vorgänge vor. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die gesetzlichen Höchststrafen zu erwarten haben, denn der Schaden für alle Bürger ist ja wohl gigantisch genug.
Zitat von sysopNeue Vorwürfe gegen Hypo Real Estate und HSH Nordbank: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" haben sich die beiden Krisenbanken gegenseitig dabei geholfen, ihre Bilanzen zu schönen. Dabei sollen Risiken in Milliardenhöhe verschleiert worden sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,675859,00.html
Endlich liegen mal strafrechtlich relevante Vorgänge vor. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die gesetzlichen Höchststrafen zu erwarten haben, denn der Schaden für alle Bürger ist ja wohl gigantisch genug.
elwu 04.02.2010
2. HSH und HRE
stellen also die Verteidigungslinie auf, die Deals seien rechtens gewesen und die Bilanzen wäre auch ohne diese Konstruktion testatfähig gewesen. Es ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, das zu prüfen. Unabhängig davon [...]
stellen also die Verteidigungslinie auf, die Deals seien rechtens gewesen und die Bilanzen wäre auch ohne diese Konstruktion testatfähig gewesen. Es ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, das zu prüfen. Unabhängig davon ist aber die Frage an die Banken zu stellen: wozu sollte dieses Ding denn überhaupt dienen, welchen Nutzen hatte es, und für wen?
frubi 04.02.2010
3. .
Liebes Klo, ich finde ihre Beiträge meist sympathisch und sehe viele Dinge ähnlich. Leider habe ich persönlich jede Hoffnung verloren, dass einer dieser Bankster einen Knast von innen sehen wird. Meiner Meinung nach [...]
Zitat von KloEndlich liegen mal strafrechtlich relevante Vorgänge vor. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die gesetzlichen Höchststrafen zu erwarten haben, denn der Schaden für alle Bürger ist ja wohl gigantisch genug.
Liebes Klo, ich finde ihre Beiträge meist sympathisch und sehe viele Dinge ähnlich. Leider habe ich persönlich jede Hoffnung verloren, dass einer dieser Bankster einen Knast von innen sehen wird. Meiner Meinung nach sollte man das passierte vergessen (unter anderem weil eh niemand bestraft wird, meiner Meinung nach auch von der Politik gewollt) und zusehen, dass man in Zukunft so etwas vermeidet. Das klappt nur, wenn man das ganze System kastriert. Jemand der heute für ein paar Tausend Euro diverse, größere Veränderungen an seinem Reihenhaus vornehmen will der hat hunderte Auflagen an die er sich halten muss. Ein Banker darf mit Milliarden jonglieren, die Wirtschaft gefährden, Arbeitsplätze vernichten und geht ohne Konsequenzen mit Bonuszahlungen raus? Das kann nicht sein und muss geändert werden. Kennen Sie noch Jérôme Kerviel? Etwas mehr als 4 Milliarden vernichtet und was droht ihm? Maximal 5 Jahre Haft und ca. 370t € Strafzahlung. Lächerlich. Zudem müssen private Ratingagenturen abgeschafft werden. Hier ist eine internationale Behörde gefordert die diese Produkte unabhängig bewertet. Hier sollte dann aber auch klar sein, dass kein leitender MA aus den privaten RA in dieser Behörde arbeiten darf.
los 04.02.2010
4. Privathaftung!
Die Vorstände sollten mit ihrem Privatvermögen heran gezogen werden, auch und insbesondere mit dem im Ausland. Wenn man als kleiner Unternehmens auch nur einen falschen Furz läßt, ist man sehr schnell weg, bei den Großen [...]
Die Vorstände sollten mit ihrem Privatvermögen heran gezogen werden, auch und insbesondere mit dem im Ausland. Wenn man als kleiner Unternehmens auch nur einen falschen Furz läßt, ist man sehr schnell weg, bei den Großen gelten wieder mal andere Regeln. Aber Geld baut eben auch in Deutschland goldenen Mauern
dxb 04.02.2010
5. Dürftig
"Zunächst hätten die Institute jeweils Immobilienkredite im Wert von 3,8 Millionen Euro in je eine Zweckgesellschaft ausgelagert." Es ging um 3,8 Milliarden. SPON hat noch nicht einaml korrekt bei der SZ [...]
"Zunächst hätten die Institute jeweils Immobilienkredite im Wert von 3,8 Millionen Euro in je eine Zweckgesellschaft ausgelagert." Es ging um 3,8 Milliarden. SPON hat noch nicht einaml korrekt bei der SZ abgeschrieben. 3,8 Millionen wären peanuts und könnten eine Bilanz gar nicht ausreichend fälschen. Wer das nicht unmittelbar erkennen kann, sollte nicht solche Beiträge schreiben. Aber kann das Niveau von SPON/Spiegel eigentlich noch weiter sinken? PISA schlägt wieder mal zu. Ich halte dürftige Mathematikkenntnisse übrigens nicht für entschuldbar oder gar witzig.
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