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Wirtschaft

Streit mit Lufthansa

Bericht stärkt UFO-Gewerkschaftschef Baublies

Mehr als 200.000 Euro fordert die Lufthansa von Nicoley Baublies, dem Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO. Ein vorläufiger Prüfbericht konstatiert Schlampereien bei der Fluggesellschaft.

DPA

Nicoley Baublies (Archivfoto)

Von
Samstag, 09.03.2019   20:13 Uhr

Es geht um Geld, dubiose Freistellungen von Gewerkschaftern, gefakte Reisekostenabrechnungen und Champagnergelage zu Lasten der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO: Seit Monaten liefert sich die Kabinengewerkschaft mit der Lufthansa-Führung einen Streit, der inzwischen sogar die Staatsanwaltschaft Frankfurt beschäftigt - sie ermittelt gegen Verantwortliche der Spartengewerkschaft wegen des Verdachts der Untreue.

In der Auseinandersetzung mit der Fluglinie kann UFO-Chef Nicoley Baublies nun offenbar einen Punktsieg verbuchen: Er hat gute Chancen, um die Rückzahlung von gut 200.000 Euro an seinen Arbeitgeber, die Lufthansa, herumzukommen.

Ende November hatte die Geschäftsführung dem Gewerkschafter überraschend mitgeteilt, dass er dem Konzern 206.213,03 Euro erstatten soll, weil er zwischen 2015 und 2018 seinen Job als Flugbegleiter schleifen ließ und überwiegend mit Tarifverhandlungen beschäftigt war. Baublies lehnt das ab. Die Vorgehensweise sei mit der Personalabteilung und Crewplanung abgesprochen gewesen, argumentiert er.

Eine eigens eingerichtete Kommission, die den Vorgang bei der Lufthansa seit Dezember überprüfte, stärkt nun Baublies Position. Sie konnte in ihrer Untersuchung keine Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten feststellen, sondern nur Schlamperei.

Fluglizenz erloschen

Demnach hatten Baublies Vorgesetzte noch zu Beginn der letzten, äußerst schwierigen Tarifrunde seit Anfang 2015 versucht, den UFO-Tarifexperten in Dienstplänen zu berücksichtigen. Doch weil die Verhandlungen sich extrem zäh gestalteten, mussten die Flugeinsätze immer wieder verschoben werden. Schließlich wurde darauf verzichtet, Baublies überhaupt noch zum Flugdienst einzuteilen. Deshalb erlosch in der Folge auch seine Fluglizenz.

Die Praxis hätte 2017 eigentlich beendet werden müssen, nachdem mithilfe des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck ein Kompromiss gefunden und in monatelanger Kleinarbeit ausformuliert worden war. Doch niemand kümmerte sich darum, eine neu eingestellte ehemalige Air-Berlin-Managerin etwa wusste von dem Vorgang nichts.

Das Versäumnis fiel im Zuge UFO-interner Querelen bei der Lufthansa erst im vergangenen November auf. Personelle Konsequenzen soll es bei Lufthansa nach Aussagen eines Sprechers trotzdem nicht geben.

Baublies indes soll endlich seine Fluglizenz erneuern. Obwohl er sich nach internen Unterlagen bereits im April 2016 erstmals darum bemüht hatte, wurde auch diese Angelegenheit mehr als zwei Jahre verschleppt.

Baublies war bereits von 2012 bis 2016 UFO-Vorsitzender und ist seit Oktober 2018 wieder auf dem Posten. Unter ihm hatten die Lufthansa-Kabinenbeschäftigten 2012 und 2015 erstmals länger gestreikt und dadurch einen für den Konzern teuren Tarifabschluss durchgesetzt. Zuletzt hatte Baublies auf Wunsch der Geschäftsleitung sogar einen Drogentest absolvieren müssen.

insgesamt 12 Beiträge
Stäffelesrutscher 10.03.2019
1.
Das sieht aber nicht nach Schlamperei aus, sondern nach System. Union-Busting nennt sich das auf Englisch.
Das sieht aber nicht nach Schlamperei aus, sondern nach System. Union-Busting nennt sich das auf Englisch.
ulrics 10.03.2019
2.
Unterdrückung von Gewerkschaftsarbeit kommt mir da in den Sinn.
Unterdrückung von Gewerkschaftsarbeit kommt mir da in den Sinn.
sven2016 10.03.2019
3. Drogentest? Unberechtigte Rückforderungen?
Verschleppung der Erneuerung der Fluglizenz über Jahre? Das hört sich nach einem rachsüchtigen Vorstand an, der unliebsame Gewerkschafter verunglimpft, verleumdet und schikaniert? Sind da nicht die Eigentümer gefragt, um [...]
Verschleppung der Erneuerung der Fluglizenz über Jahre? Das hört sich nach einem rachsüchtigen Vorstand an, der unliebsame Gewerkschafter verunglimpft, verleumdet und schikaniert? Sind da nicht die Eigentümer gefragt, um aufzuräumen?
heimatminister 10.03.2019
4.
Der Versuch des Gewerkschaftsverbots durch Frau Nahles zeigt Wirkung.
Der Versuch des Gewerkschaftsverbots durch Frau Nahles zeigt Wirkung.
skygirl 10.03.2019
5. nun ja....
das bei der UFO vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, sollte jedem in der Luftfahrt tätigen nicht sonderlich überraschen. warum die Mitglieder einem Baublies wie dem hameler Rattenfänger folgen, wo er doch die neue Generation [...]
das bei der UFO vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, sollte jedem in der Luftfahrt tätigen nicht sonderlich überraschen. warum die Mitglieder einem Baublies wie dem hameler Rattenfänger folgen, wo er doch die neue Generation der Flugbegleiter bei LH verraten und verkauft hat, ist mir ein Rätsel. Das er nach vielen Jahren (fliegerischem) Nichtstun wieder zum Drogentest muss, ist auch nicht wirklich ein Skandal - außer in der Welt von Frau Deckstein, die es wohl der LH noch immer übel nimmt, AB nicht gerettet zu haben.

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