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Wirtschaft

Stresstest-Debakel

Helaba zürnt europäischer Bankenaufsicht

Die Hessische Landesbank könnte beim Banken-Stresstest durchfallen, weil die europäische Bankenaufsicht Einlagen des Geldinstituts nicht anerkennt. Banker und Politiker protestieren: Die Helaba sei kerngesund - die Behörde wolle sich lediglich profilieren.

dapd

Helaba-Zentrale in Frankfurt: Scheitern beim Stresstest droht.

Donnerstag, 14.07.2011   01:07 Uhr

Frankfurt am Main - Die Finanzkrise hatte sie anders als die meisten Landesbanken ohne Geld aus dem Rettungspaket überstanden - nun droht ausgerechnet ihr eine herbe Niederlage: Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) könnte beim Stresstest der Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) durchfallen. Grund ist nach Angaben der Bank jedoch keine Unterfinanzierung - sondern eine Formalie.

Die Helaba wurde für den Banken-Stresstest vom Land Hessen eigens mit 1,92 Milliarden Euro Stillen Einlagen ausgestattet sowie der Zusage, diese im Ernstfall in hartes Kernkapital umzuwandeln. Obwohl diese Einlagen damit der Norm der EBA entsprächen, werde das Kapital nicht anerkannt, sagte ein Sprecher der Bank.

Ähnlich wie die NordLB und die HSH Nordbankgalt die Helaba von vornherein als Wackelkandidat. Niedersachsen und Hessen unterstützten daher ihre Landesbanken in Form von Stillen Einlagen. Im Vorfeld des Tests war jedoch deutlich geworden, dass die EBA die Stillen Einlagen nicht als Kernkapital anerkennen würde. Die Kernkapitalquote ist die zentrale Messgröße für den Stresstest, sie darf bei einer simulierten erneuten Rezession mit steigenden Zinsen nicht unter fünf Prozent sinken.

Die Bank versucht Schadensbegrenzung

Um die Helaba für den Stresstest fit zu machen, beschloss das Land Hessen im April, seine Stillen Einlagen in hartes Kernkapital umzuwandeln. Zunächst habe die EBA bestätigt, dass die Umwandlung rechtzeitig erfolgt sei, sagte nun ein Sprecher der Helaba. Vor fünf Tagen habe die Londoner Behörde dann Vertragsentwürfe von der Landesregierung angefordert- nur um am Dienstag mitzuteilen, dass die Zeit für deren Prüfung nicht mehr ausreiche. Ohne die zusätzlichen Landesmittel läge die Kernkapitalquote der Bank im Krisenszenario nur bei rund vier Prozent, mit Einlagen wären es 6,8 Prozent.

Die Entscheidung der Aufseher erzürnt die Landesbank - und sie erhält Unterstützung: Die Praxis der EBA führe "ohne rechtliche Legitimation zu einer Halbierung des Kernkapitals", sagte Helaba-Vorstandschef Brenner. Ohne Not werde eine kerngesunde Bank an den Pranger gestellt. Die Helaba sei "ausreichend kapitalisiert", bestätigte auch Sabine Lautenschläger, Vizepräsidentin der Bundesbank.

Die Bank versucht nun, das Schlimmste zu verhindern: Sie fordert die EBA auf, keine Zahlen zu veröffentlichen, in denen die Stillen Einlagen unberücksichtigt bleiben - damit würde die Helaba nach dem jetzigen Kenntnisstand aus dem Stresstest herausfallen.

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) sagte, die Bank habe sich an die Spielregeln der EBA gehalten: "Dass diese nun in letzter Minute geändert wurden, lässt an der Seriosität dieses Vorgehens zweifeln." Mit der Entscheidung würden die Aufseher die Bank "auf eine Stufe mit unterfinanzierten Kreditinstituten in Südeuropa" stellen. Ein Sprecher des Verbandes öffentlicher Banken äußerte die Vermutung, die Aufsichtsbehörde EBA wolle sich mit einer Durchfallquote profilieren.

usp/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
cirkular 14.07.2011
1. Rezension
"Die Kernkapitalquote ist die zentrale Messgröße für den Stresstest, sie darf bei einer simulierten erneuten Rezension mit steigenden Zinsen nicht unter fünf Prozent sinken." Eine Rezension sollte der Bank nicht [...]
"Die Kernkapitalquote ist die zentrale Messgröße für den Stresstest, sie darf bei einer simulierten erneuten Rezension mit steigenden Zinsen nicht unter fünf Prozent sinken." Eine Rezension sollte der Bank nicht wirklich gefährlich werden können.
eumel2 14.07.2011
2. ...
Richtig so, dass "stille" Einlagen nicht anerkannt werden. Offenkundig ist die Helaba nicht in der Lage, das notwendige Eigenkapital aus eigener Kraft zu stemmen. Wenn das so weiterginge, wird irgendwas der große [...]
Richtig so, dass "stille" Einlagen nicht anerkannt werden. Offenkundig ist die Helaba nicht in der Lage, das notwendige Eigenkapital aus eigener Kraft zu stemmen. Wenn das so weiterginge, wird irgendwas der große Schmelz-Tag kommen, bei dem all die kleinen Schneeball-ich-garantiere-für-dein-Kapital-bzw-bin-deine-Rückversicherung-Systeme zusammenbrechen und alles in einem gewaltigen Sog den Bach runtergeht. Die ersten Schritte werden ja in GRE, POR, IRL schon getan...
katerramus 14.07.2011
3. Vorgeschmack auf vereintes Europa
mit der unlegitimierten Allmacht der EU-Kommision. Die stille Teilhabe war fristgerecht umgewandelt worden. Staatsbanken werden nach und nach aus dem Verkehr gezogen, da sie nicht gänzlich unter Kontrolle der Zockerbande [...]
mit der unlegitimierten Allmacht der EU-Kommision. Die stille Teilhabe war fristgerecht umgewandelt worden. Staatsbanken werden nach und nach aus dem Verkehr gezogen, da sie nicht gänzlich unter Kontrolle der Zockerbande stehen. Die WestLB wurde auch aufgrund von EU-Bestimmungen zerschlagen und zu einer nicht marktfähigen Schrumpfbank zerteilt. Man darf gespannt sein, ob die anderen Banken, die durchgefallen sind, sich auch in öffentlicher Hand befinden.
si_tacuisses 14.07.2011
4. Die WEST - LB war noch nie marktfähig.
Die abgehalftertern Politclowns, die dort in den Aufsichtsgremien die Hand aufhielten, hatten vom Bankengeschäft weniger Ahnung als ein Ochse vom Glockenleuten.
Zitat von katerramusmit der unlegitimierten Allmacht der EU-Kommision. Die stille Teilhabe war fristgerecht umgewandelt worden. Staatsbanken werden nach und nach aus dem Verkehr gezogen, da sie nicht gänzlich unter Kontrolle der Zockerbande stehen. Die WestLB wurde auch aufgrund von EU-Bestimmungen zerschlagen und zu einer nicht marktfähigen Schrumpfbank zerteilt. Man darf gespannt sein, ob die anderen Banken, die durchgefallen sind, sich auch in öffentlicher Hand befinden.
Die abgehalftertern Politclowns, die dort in den Aufsichtsgremien die Hand aufhielten, hatten vom Bankengeschäft weniger Ahnung als ein Ochse vom Glockenleuten.
Rolf-Dieter Gmeiner 14.07.2011
5. EBA will eine gesunde Landesbank zerschlagen, die Gründe sind sehr durchsichtig
Die Helaba hat im Gegensatz zu anderen Landesbanken keine Probleme. Wenn solche jetzt von der Europäischen Bankenaufsicht künstlich herbeigeredet werden, stecken dahinter - wie kann es bei Europa anders sein - handfeste [...]
Die Helaba hat im Gegensatz zu anderen Landesbanken keine Probleme. Wenn solche jetzt von der Europäischen Bankenaufsicht künstlich herbeigeredet werden, stecken dahinter - wie kann es bei Europa anders sein - handfeste Interessen ausländischen Kapitals, sprich europäischer Großbanken, die in Deutschland bislang nicht Fuß fassen konnten. Die starken Gemeinschaften von Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen schützen uns vor der Gier dieser Großbanken. Und da die EU etwas gegen gewachsene nationale Strukturen hat, müssen die zerschlagen werden. Da macht man sich in Brüssel gerne zum Büttel internationaler Bankkonzerne, wobei nicht auszuschließen ist, dass diese Konzerne die Brüsseler EU-Landschaft "pflegen". Geld dafür hätten sie ja genug. Die einen machen es vielleicht für Geld, die anderen, weil sie Deutschlands Bankensystem zerschlagen wollen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Sparkassen vielfach im 18. Jh. von Fürsten gegründet wurden, die ihre Bürger vor den wucherischen Banken schützen wollten. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken dienten als Genossenschaftsbanken dem Zweck, das Handwerk und den kleinen Handel vor Banken zu schützen. Ein Blick in die Geschichte ist mitunter hilfreich, heutige Entwicklungen besser zu verstehen. Wer angesichts solcher Entwicklungen noch glaubt, EU und Euro würden dem Mittelstand dienen, irrt.

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