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Wirtschaft

Bilanzskandal

Toshiba-Chef tritt zurück

Seit Jahren weiß er von systematisch frisierten Büchern: Jetzt zieht sich Toshibas Konzernchef von seinem Posten zurück. Auch für die Regierung ist der Skandal ein Problem.

REUTERS

Toshiba-Präsident Tanaka: Jahrelang Kenntnis über falsche Zahlen

Dienstag, 21.07.2015   13:04 Uhr

Der Bilanzskandal bei Toshiba hat Konsequenzen für das Top-Management. Konzernchef und Präsident Hisao Tanaka ist am Dienstag zurückgetreten, teilte der japanische Technologiekonzern mit. Eine externe Prüfung hatte zuvor ergeben, dass Tanaka über Jahre Kenntnis von den falschen Zahlen in den Büchern gehabt habe. Bereits vergangene Woche hatte das Unternehmen Tanakas Rücktritt für September angekündigt, nun muss er früher gehen.

Auch Tanakas Vorgänger und Vizeverwaltungsratschef Norio Sasaki sowie Berater Atsutoshi Nishida geben ihre Posten wegen des Skandals ab. Tanakas Platz übernimmt Verwaltungsratschef Masashi Muromachi. Der Konzern erwägt zudem, mehr als die Hälfte des Direktoriums mit externen Managern zu besetzen.

Der größte japanische Bilanzskandal seit Jahren kam im April ans Licht. Eine Prüfung durch externe Gutachter ergab, dass Toshiba Chart zeigen mit Wissen der Firmenspitze systematisch zu hohe Gewinne angegeben und dabei vorsätzlich gehandelt hat. Die "unsachgemäße Buchführung" sei vom Management "systematisch" veranlasst worden, heißt es in dem Untersuchungsbericht. Das Unternehmen muss demnach seine Gewinne für die Geschäftsjahre von April 2008 bis März 2014 um 151,8 Milliarden Yen (1,13 Milliarden Euro) nach unten korrigieren.

"Sehr bedauerlich"

Der Skandal wirft ein schlechtes Licht auf die von der Regierung unterstützten Bemühungen, das Management japanischer Unternehmen zu verbessern, um weltweit Investoren anzulocken. Finanzminister Taro Aso bezeichnete die Bilanzfälschung am Dienstag daher als "sehr bedauerlich". "Wenn es Japan nicht gelingt, angemessene Grundsätze der Unternehmensführung umzusetzen, dann kann es das Vertrauen der Märkte verlieren." Ob Toshiba nun mit finanziellen Strafen zu rechnen habe, wollte er nicht sagen.

An der Börse legten die Toshiba-Aktien am Dienstag sechs Prozent zu, allerdings liegt die Aktie noch rund 23 Prozent unter dem Wert vor Bekanntwerden des Skandals.

Erste Hinweise auf den Bilanzskandal hatte es gegeben, als Regulierungsbehörden vor einigen Monaten auf Unregelmäßigkeiten stießen. Daraufhin wurde eine unabhängige Kommission unter der Leitung eines früheren Tokioter Staatsanwalts mit einer umfangreichen Untersuchung der Bücher beauftragt, deren Ergebnisse nun das Ausmaß zutage brachten.

kpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
cruisenbcn.com 21.07.2015
1. hem , da versteh ich was nicht
" systematisch zu hohe Gewinne angegeben und dabei vorsätzlich gehandelt hat". Wie kann dass denn sein. Ach so bei Großunternehmen werden ja keine Gewinnsteuern eingetrieben. Deswegen! zu hohe Gewinne. Die Welt ist [...]
" systematisch zu hohe Gewinne angegeben und dabei vorsätzlich gehandelt hat". Wie kann dass denn sein. Ach so bei Großunternehmen werden ja keine Gewinnsteuern eingetrieben. Deswegen! zu hohe Gewinne. Die Welt ist verkehrt.
rickmarten 21.07.2015
2. Unklug angestellt
Das japanische Steuersystem gilt selbst unter Fachleuten als undurchschaubar. Großunternehmen vom Kaliber Toshiba gehören zu einem engen Netzwerk zwischen Wirtschaft und Politik. Dadurch werden die Markteintrittsbarrieren für [...]
Das japanische Steuersystem gilt selbst unter Fachleuten als undurchschaubar. Großunternehmen vom Kaliber Toshiba gehören zu einem engen Netzwerk zwischen Wirtschaft und Politik. Dadurch werden die Markteintrittsbarrieren für ausländische Unternehmen extrem hoch, allerdings mit einem Nebeneffekt: japanische Firmen scheuen teilweise das Engagement im Ausland, weil sie Verhältnisse wie in Japan unterstellen.
Emil Peisker 21.07.2015
3. Hohe Gewinne = Kursanstieg der Aktie...
Klare Begründung: Hohe Gewinne = Kursanstieg der Aktie. Viele der Führungskräfte halten viele Aktien, da würden negative Bilanzen den Wert der Aktie in einigen Jahren schon halbieren...:-)
Zitat von cruisenbcn.com" systematisch zu hohe Gewinne angegeben und dabei vorsätzlich gehandelt hat". Wie kann dass denn sein. Ach so bei Großunternehmen werden ja keine Gewinnsteuern eingetrieben. Deswegen! zu hohe Gewinne. Die Welt ist verkehrt.
Klare Begründung: Hohe Gewinne = Kursanstieg der Aktie. Viele der Führungskräfte halten viele Aktien, da würden negative Bilanzen den Wert der Aktie in einigen Jahren schon halbieren...:-)
fluffy123 21.07.2015
4. Bilanzskandal bei Toshiba ..lach ..
... wohl eher Tradition. Sie sollten mal die Bilanzen der japanischen Notenbak anschauen, dann hätten sie nen echte Skandal. Aber nö ... keine Rücktritte...
... wohl eher Tradition. Sie sollten mal die Bilanzen der japanischen Notenbak anschauen, dann hätten sie nen echte Skandal. Aber nö ... keine Rücktritte...
Banause_1971 21.07.2015
5. Alles halb so wild.
Ganz Amerika frisiert seine Bilanzen, indem es z.B. bei der Produktion von Prozessoren für PCs eine GANZ seltsame Berechnung anstellt. Da wird der Wert eines 200mhz-Prozesors aus dem Jahr x genommen, und dann wird berechnet, dass [...]
Ganz Amerika frisiert seine Bilanzen, indem es z.B. bei der Produktion von Prozessoren für PCs eine GANZ seltsame Berechnung anstellt. Da wird der Wert eines 200mhz-Prozesors aus dem Jahr x genommen, und dann wird berechnet, dass ein heutiger 2 Gigahertz-Prozessor 10x mehr wert sein muss, und siehe daaaa, die Wirtschaft boomt (auch wenn der neue Prozessor heute günstiger ist, als der völlig veraltete Hochleistungsprozessor aus dem Jahr X). SO schönt man Bilanzen, ihr Anfänger. ;-)

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