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Wirtschaft

Angeschlagene Restaurantkette

Vapiano-Chef Everke tritt ab

Man habe sich bei der Expansion "etwas verhoben", gestand Vapiano-Chef Cornelius Everke vor kurzem ein. Jetzt muss die Restaurantkette ihre Krise ohne ihn meistern: Everke geht schon zum Ende des Monats.

VAPIANO/Boris Breuer

Wollte "zurück zu den Wurzeln": Cornelius Everke

Sonntag, 18.08.2019   19:48 Uhr

Der Chef der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano, Cornelius Everke, hat seinen Rücktritt angekündigt. In einer Mitteilung des Unternehmens wurden persönliche Gründe genannt. Der Vertrag werde "einvernehmlich" und schon zum 31. August beendet, hieß es weiter.

Die schnell gewachsene Restaurantkette steckt seit längerem tief in der Krise (Eine Analyse finden Sie hier). Bei einem Umsatz von rund 372 Millionen Euro musste das Unternehmen 2018 einen Verlust von 101 Millionen Euro hinnehmen. Dies lag vor allem an hohen Abschreibungen und höheren Betriebskosten im Zuge der Ausdehnung. Der Schuldenberg wuchs deutlich an. Auf gleicher Fläche - also ohne Berücksichtigung der neuen Restaurants - sank der Umsatz um ein Prozent.

Einen Nachfolger für Everke hat Vapiano der Mitteilung zufolge noch nicht gefunden. Die Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall soll das Unternehmen vorübergehend bis mindestens April 2020 führen. Die dauerhafte Nachfolge soll dann in einem "strukturierten Prozess" gesucht werden.

Der Aufsichtsrat möchte in seiner turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung am Dienstag den Vertrag des Finanzchefs Lutz Scharpe für weitere drei Jahre bis Juni 2023 verlängern. In der Mitteilung von Sonntagabend betont das Unternehmen, Kontinuität auf der Position des Finanzvorstands zu wollen.

Das scheint angesichts der Entwicklungen der vergangenen Monate auch notwendig. Dreimal hatte Vapiano im Frühjahr die Vorlage des Jahresabschlusses verschoben und dies mit Verhandlungen wegen eines dringend benötigten Kredits über 30 Millionen Euro begründet. Erst Ende Mai kam eine verbindliche Kreditzusage von den finanzierenden Banken und den Großaktionären. Rund vier Wochen später gab es dann erst den Jahresabschluss.

Probleme nicht nur im Ausland

Vapiano war 2017 an die Börse gegangen. Mit den Erlösen aus dem Börsengang setzte die Kette auf Expansion, im vergangenen Jahr kamen mehr als 30 neue Restaurants hinzu. In 33 Staaten ist Vapiano inzwischen präsent mit rund 230 Restaurants, die meisten davon in Deutschland. Noch-Vorstandschef Everke räumte im Juni Fehler bei der Wachstumsstrategie ein. "In der Vergangenheit haben wir uns bei der Auslandsexpansion etwas verhoben", sagte er.

Doch die Probleme sind nicht nur im Ausland zu suchen. Lange Warteschlangen sorgten auch in Deutschland bei Kunden immer wieder für Ärger. Dieses Problem will das Unternehmen nach früheren Angaben angehen, indem Arbeitsabläufe geändert und die Menükarte vereinfacht werden.

49 verschiedene Gerichte hatte man dauerhaft auf der Karte plus 10 saisonale Gerichte, zudem konnte man unter elf verschiedenen Pastasorten wählen. Das sei zu viel, zumal es Bestellungen kompliziert mache, sagte Everke im Juni. Einen asiatischen Salat brauche man zum Beispiel künftig nicht mehr. Er kündigte an, die Menükarte bald zu verschlanken. "Wir müssen zurück zu den Wurzeln, also zur klassischen, ehrlichen italienischen Küche."

dab/dpa

insgesamt 32 Beiträge
sven2016 18.08.2019
1. Drei Sorten Pasta, drei Pizzen
und ein paar Salate. Und dann nach Hause liefern. Das wird letztlich das Geschäftsmodell werden ... Der Hype ist durch. Jetzt kämpft eine ganz normale Restaurantkette mit Selbstbedienung (na, zur Hälfte jedenfalls) um [...]
und ein paar Salate. Und dann nach Hause liefern. Das wird letztlich das Geschäftsmodell werden ... Der Hype ist durch. Jetzt kämpft eine ganz normale Restaurantkette mit Selbstbedienung (na, zur Hälfte jedenfalls) um ihre Nische.
BorisBombastic 18.08.2019
2. Konzeptionslos
Und aus der Zeit gefallen. Die Speisekarte und das Angebot bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung. Keiner will heute mehr alleine mit einem Tablett in der Hand durchs Lokal irren. Schlechter Service bei hohen Preisen in [...]
Und aus der Zeit gefallen. Die Speisekarte und das Angebot bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung. Keiner will heute mehr alleine mit einem Tablett in der Hand durchs Lokal irren. Schlechter Service bei hohen Preisen in Kantinen Umgebung. Das war vielleicht Anfang 2000 hip, heute eher nicht.
faz-leser 18.08.2019
3. Einmal und nie wieder
Ich war genau ein einziges Mal bei Vapiano und danach nie wieder. Die Gründe: 1. Ständiges und wiederholtes Anstehen und 2. Preise wie im Restaurant für Selbstbedienung. Das macht keinen Spaß.
Ich war genau ein einziges Mal bei Vapiano und danach nie wieder. Die Gründe: 1. Ständiges und wiederholtes Anstehen und 2. Preise wie im Restaurant für Selbstbedienung. Das macht keinen Spaß.
Rhinkiekerrees@gmail.com 18.08.2019
4. Lieber den Pizza Bäcker um die Ecke
Das schmeckt besser
Das schmeckt besser
burlei 18.08.2019
5. Ist das nicht völlig normal?
Jemand hat eine Idee und setzt diese in die Tat um. Die Idee fällt auf fruchtbaren Boden und es läuft. Dann kommt der Knackpunkt. Manager übernehmen das Sagen, der Laden geht an die Börse, die Dividende werden das A und O der [...]
Jemand hat eine Idee und setzt diese in die Tat um. Die Idee fällt auf fruchtbaren Boden und es läuft. Dann kommt der Knackpunkt. Manager übernehmen das Sagen, der Laden geht an die Börse, die Dividende werden das A und O der Firmenpolitik. Expandieren, möglichst schnell, möglichst billig, Kostenfaktoren ausmerzen (also möglichst viel Arbeit von möglichst wenig Personal bei möglichst geringem Lohn erledigen lassen). Wenn feststeht, dass der Laden so nicht zu halten ist, die Brocken hin werfen und sich das nächste Objekt suchen, bei der man mit seinen hervorragenden Kenntnissen und Erfolgen im Vorstand börsennotierter Unternehmen glänzen kann, um seine gesammelten Erfahrungen im An-die Wand-fahren-von-Unternehmen präsentieren zu können.

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