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Wirtschaft

Dax-Gehälterstudie

VW-Vorstände verdienen 97-mal so viel wie ihre Mitarbeiter

In keinem deutschen Unternehmen klafften die Verdienste von Vorständen und einfachen Mitarbeitern 2018 so weit auseinander wie bei VW. Der Topverdiener des Dax führt jedoch einen anderen Konzern.

SvenSimon/ picture alliance

Volkswagen-Vorstand im Mai 2018: Im Schnitt sechs Millionen Euro Vergütung - bei den Mitarbeitern sind es 62.000 Euro

Dienstag, 11.06.2019   13:24 Uhr

Das Jahr 2018 war kein Rekordjahr - zumindest nicht, was die Vergütung der Topmanager deutscher Großunternehmen betrifft. Im Schnitt sind die Vorstandsgehälter bei den 30 Dax-Konzernen um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken: von 3,64 auf 3,56 Millionen Euro. Das geht aus einer Analyse der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München hervor.

Damit spiegelte die Vergütung der Topmanager in den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zwar grundsätzlich die negative Entwicklung an der Börse im vergangenen Jahr wider, stellt die DSW fest. Allerdings sanken die Vorstandsgehälter damit weit weniger stark als etwa die Aktienkurse, die im Schnitt um 18,3 Prozent an Wert verloren. Selbst wenn die Dividendenzahlungen berücksichtigt werden, betrug der Wertverlust hier noch 12,7 Prozent.

Die einfachen Mitarbeiter der Großkonzerne mussten im vergangenen Jahr zwar in der Regel keine Verdienstrückgänge hinnehmen. Dennoch klafft zwischen ihnen und den Topmanagern eine riesige Lücke: Im Schnitt verdiente ein Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns 52-mal so viel wie ein durchschnittlicher Angestellter. Diese Lücke ist im Vergleich zum Vorjahr nicht kleiner geworden.

Am eklatantesten war das Gehaltsgefälle bei Volkswagen: Bei den Autobauern verdienten die Vorstände im Schnitt 97-mal so viel wie angestellte Mitarbeiter. Bei Fresenius, dem Konzern mit der zweithöchsten Vergütungskluft, war es noch das 79-fache. Heidelberg Cement landet mit einem Faktor von 73 auf Platz drei.

In der folgenden Grafik sehen Sie das Gehaltsgefälle zwischen Vorstand und durchschnittlichem Arbeitnehmer für alle 30 Dax-Konzerne.

Auffallend ist, dass gleich bei fünf der zehn Dax-Konzerne mit der größten Gehaltskluft die Vorstandsgehälter sogar unterdurchschnittlich sind: Sowohl bei der Deutschen Post (2,75 Millionen Euro), Adidas (2,90 Millionen Euro), Continental (2,87 Millionen Euro) als auch bei Henkel (3,51 Millionen Euro) war das der Fall. Zu erklären ist das mit den relativ niedrigen durchschnittlichen Löhnen der Mitarbeiter dieser Konzerne.

Umgekehrt landeten mit der Deutschen Bank (5,09 Millionen Euro), SAP (4,44 Millionen Euro) und Covestro (4,0 Millionen Euro) drei Konzerne im unteren Drittel des Gehaltskluft-Rankings, bei denen die Vorstände deutlich überdurchschnittlich verdienen: In diesen Unternehmen sind auch die durchschnittlichen Gehaltszahlungen relativ hoch.

In diesen beiden Diagrammen können Sie die durchschnittliche Vergütung der Vorstände und den durchschnittlichen Aufwand pro Mitarbeiter der Konzerne für das Jahr 2018 in absoluten Euro-Beträgen ablesen:

Absoluter Spitzenverdiener der deutschen Dax-Topmanager war erneut SAP-Chef Bill McDermott. Er erhielt eine Vergütung von insgesamt rund 10,8 Millionen Euro. Platz zwei belegte Volkswagen-Chef Herbert Diess mit rund 7,9 Millionen Euro, Platz drei ein relativ Unbekannter: Bernd Scheifele von Heidelberg Cement mit rund 7,3 Millionen Euro. Siemens-Chef Joe Kaeser erhielt mit 6,96 Millionen Euro die vierthöchste Vergütung eines Dax-Vorstands.

Im Normalfall besteht die Vergütung von Dax-Vorständen aus je einem fixen, einem variablen (also erfolgsabhängigen) und einem aktienkursbasierten Bestandteil.

fdi

insgesamt 137 Beiträge
wolflangecker 11.06.2019
1. Am Problem vorbei
Nicht die Gehaltsunterschiede sind das Problem, 100 mal mehr ist international gesehen nichts, sondern das Steuersystem, wodurch dem Vorstand aufgrund seines hohen Gehaltes mehr Spielraum in der Steuervermeidung gegeben ist.
Nicht die Gehaltsunterschiede sind das Problem, 100 mal mehr ist international gesehen nichts, sondern das Steuersystem, wodurch dem Vorstand aufgrund seines hohen Gehaltes mehr Spielraum in der Steuervermeidung gegeben ist.
ich2010 11.06.2019
2.
Das ist wieder mal eine die übliche Neiddebatte. Warum man überhaupt die Gehälter eines Vorstands und das eines Geringverdieners vergleicht ist mir ein Rätsel.Wobei nicht einmal genau erläutert wurde, wessen Gehalt hier am [...]
Das ist wieder mal eine die übliche Neiddebatte. Warum man überhaupt die Gehälter eines Vorstands und das eines Geringverdieners vergleicht ist mir ein Rätsel.Wobei nicht einmal genau erläutert wurde, wessen Gehalt hier am unteren Ende als Vergleichsgröße herangezogen wurde. Das einer ungelernten Arbeitskraft, die möglicherweise noch in der Probezeit ist und null Berufserfahrung hat? Das hat keinerlei Aussagekraft. Nicht einmal aus der "moralischen" Sicht. Was auch immer das ist. Wer bestimmt denn, was moralisch annehmbar ist und was nicht. Man frage 10 Leute und bekommt 20 Meinungen. Den einen stört es gar nicht, der andere gönnt seinem Nachbarn nicht mal das zweite Butterbrot.
br0iler 11.06.2019
3. wieder typisch deutsch.
Das gibt es auch nur in dieser Form in Deutschland. Wenn einige wenige super viel verdienen muss der Durchschnittsdeutsche darauf neidisch sein und darf das auch dem Anderen nicht gönnen. Wehe ein "Reicher" zeigt das [...]
Das gibt es auch nur in dieser Form in Deutschland. Wenn einige wenige super viel verdienen muss der Durchschnittsdeutsche darauf neidisch sein und darf das auch dem Anderen nicht gönnen. Wehe ein "Reicher" zeigt das auch noch mit dickem Autos, Häusern oder Uhren. DAS ist dann der "Feind", das muss ein pöser Kapitalist sein, der nichts anderes zu tun hat als die armen Arbeiter auszubeuten. Diese "Neidkultur" gibts in anderen Ländern komischerweise nicht, jedenfalls nicht in so extremer Form wie in D. Warum gönnt man einem Anderen nicht seinen Luxus? Warum schert man sich überhaupt um Dinge anderer Leute. Mir ist es doch egal, ob Herr XYZ 2 Jachten, 5 Porsche und 3 Mallefinkas hat. Man gönnt den Anderen nur nichts und ist neidisch, wenn man selbst mit sich nicht zufrieden ist. Und daran kann jeder selbst arbeiten! Geld ist übrigens nicht alles. Mir ist es egal, was andere Leute, die ich nicht kenne, verdienen. Ich komme mit meinem Geld klar und das reicht mir.
olli0816 11.06.2019
4. Das Problem ist nicht das Gehalt
Ich denke, auch wenn es wie hier 100 Mal mehr als der durchschnittliche Mitarbeiter ist, sollte jedes Unternehmen die Möglichkeit haben, alle Gehälter selber zu bestimmen. Dabei werden einige reich, aber genau das ist ein Anreiz [...]
Ich denke, auch wenn es wie hier 100 Mal mehr als der durchschnittliche Mitarbeiter ist, sollte jedes Unternehmen die Möglichkeit haben, alle Gehälter selber zu bestimmen. Dabei werden einige reich, aber genau das ist ein Anreiz für viele Leute, solche Positionen anzustreben. Gleichzeitig ist es ja das Dilemma der Politik: Für viele dort tätige Minderleister, die als CEO von VW keine drei Monate durchhalten würden ist das Salär zu hoch, für wirklich gute Kräfte leider zu niedrig. Der Staat sollte nur die Rahmenbedingungen festlegen. Es spricht auch nichts dagegen, bei einem Jahresbrutto von größer 1 Million noch einmal die EST um 10% zu erhöhen. Bei 250k EURO kommt ja auch der Zuschlag von 3% rauf. Damit wird ein Vorstand immer noch wohlhabend, aber gleichzeitig hat die Gesellschaft auch etwas davon. Gerade, wenn jemand erfolgreich ist und z.B. 15 Millionen bekommt. Damit sollte es aber dann auch wieder gut sein. Ein Vorstand hat viel Verantwortung und auch wenn man hier immer gegenteiliges liest, sehr häufig Kenntnisse, die die Allgemeinheit nicht hat, um den Job ausüben zu können. Der Bandarbeiter kann es definitiv nicht. Das Problem ist eher die Korumpierung der Politik und natürlich die Maßnahmen einiger grauen bis schwarzen Schafen in den Konzernen. Sollte so jemand überführt und verurteilt werden wie z.B. bei VW, dann sollte dieser Vorstand mit seinem kompletten Privatvermögen inklusive Überschreibungen an enge Verwandte der letzten fünf Jahre haften. Kann er es nicht begleichen, wird automatisch private Insolvenz angemeldet, damit ein Insolvenzverwalter das Vermögen entsprechend dem Schaden verwalten kann. Gleiches für die nun jahrzehntelangen Bestechungen, wofür Siemens schon ewig bekannt ist. Die Verquickung Politik/Wirtschaft ist das besorgniserregende, nicht die Gehälter einzelner Vorstände. Die Dieselaffaire und der Anteilseigner Niedersachsen an VW haben dies klar gezeigt.
ronald1952 11.06.2019
5. Nicht einmal der Staat als Anteilseigner
achtet darauf das eine einigermaßen gerechte Verteilung vorgenommen wird. Wer bitte soll es denn sonst richten? Vom Betriebsrat hört man da ja auch nichts. Es ist wirklich erbärmlich geworden hier in Deutschland.Es hat nichts [...]
achtet darauf das eine einigermaßen gerechte Verteilung vorgenommen wird. Wer bitte soll es denn sonst richten? Vom Betriebsrat hört man da ja auch nichts. Es ist wirklich erbärmlich geworden hier in Deutschland.Es hat nichts mit Neid zu tun, jeder soll Verdienen aber bitte Gerecht wie es sich gehört. schönen Tag noch,

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