Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Kooperation bei Roboterautos

VW macht nach Aurora mit Ford weiter

VW beendet die Zusammenarbeit mit der US-Roboterautofirma Aurora - und will bei selbstfahrenden Autos künftig mit Ford kooperieren. Auch bei einem schwedischen Batteriehersteller steigt der deutsche Konzern ein.

Hauke-Christian Dittrich / DPA

Autonom fahrendes Fahrzeug "Cedric"

Mittwoch, 12.06.2019   15:59 Uhr

Autonomes Fahren gilt als Schlüsseltechnologie für die Zukunft - vor allem weil damit lukrative Robotaxi-Dienste betrieben werden könnten. Volkswagen hat jetzt jedoch das Ende der Zusammenarbeit mit der Roboterwagen-Firma Aurora bekannt gegeben: "Die Aktivitäten im Rahmen unserer Partnerschaft sind abgeschlossen", hieß es. Bei der Entwicklung selbstfahrender Autos strebt der Konzern Medienberichten zufolge nun eine Kooperation mit Ford an.

Das 2016 gegründete Start-up Aurora aus dem Silicon Valley entwickelt Software für selbstfahrende Autos. Zusammen mit VW wollte es "Mobilität für alle auf Knopfdruck" entwickeln . Erst im Februar hatte Aurora sich bei Investoren 530 Millionen Dollar besorgt. Mit dem Geld soll die Entwicklung der Technologie beschleunigt werden. Am Montag gab Aurora eine Partnerschaft zur Entwicklung selbstfahrender Nutzfahrzeuge mit dem VW-Konkurrenten Fiat Chrysler bekannt.

VW sei nun auf die gemeinsame Entwicklung selbstfahrender Autos mit Ford fokussiert, schrieben die "Financial Times" und der Finanzdienst Bloomberg. Schon seit einiger Zeit wurde berichtet, Volkswagen wolle sich an Fords Roboterwagen-Firma Argo AI beteiligen. Dabei sei eine Argo-Bewertung von rund vier Milliarden Dollar besprochen worden, hieß es bei Bloomberg. VW und Ford hatten sich bereits auf die gemeinsame Entwicklung unter anderem von Vans verständigt.

Aurora war unter anderem vom ehemaligen Chefentwickler der Google-Roboterwagen, Chris Urmson, gegründet worden - sowie von Sterling Anderson, der bei Tesla einst für das Autopilotsystem zuständig war. Unter den Geldgebern sind der bekannte Risikokapitalgeber Sequoia und auch Amazon.

Als besonders weit bei der Entwicklung von Roboterwagen-Technik gilt die Google-Schwesterfirma Waymo, die erste Erfahrungen mit einer Robotaxi-Flotte in Arizona sammelt. Ford-Rivale General Motors plant einen eigenen Dienst mit Technologie des übernommenen Start-ups Cruise. Der Fahrdienstvermittler Uber entwickelt ebenfalls Roboterwagen-Technik. Und auch Apple arbeitet an Software zum autonomen Fahren.

900 Millionen Euro für gemeinsame Batterieaktivität mit Northvolt

Außer bei der Steuerung will VW auch in Sachen Antrieb umrüsten. Bis zum Jahr 2023 will der Konzern in seine E-Auto-Initiative 30 Milliarden Euro stecken - und steigt nun beim schwedischen Batteriehersteller Northvolt ein. VW investiere rund 900 Millionen Euro in gemeinsame Batterieaktivitäten mit dem Unternehmen, teilte VW mit. Volkswagen übernimmt zunächst rund 20 Prozent und will mit Northvolt für die in Niedersachsen geplante Batteriezellfertigung ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Ein Teil des Geldes soll direkt in das Joint Venture gehen, ein anderer Teil an Northvolt.

Die Elektrifizierung der Autos könnte in der Branche Experten zufolge allerdings Tausende Jobs kosten. Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge werden netto knapp 114.000 Arbeitsplätze verloren gehen, selbst wenn der Anteil von Elektroautos bis zum Jahr 2035 lediglich auf 23 Prozent steigt. Eine Studie von e-mobil, einer Innovationsagentur des Landes Baden-Württemberg, plädiert daher für einen langsameren Umstieg auf E-Autos.

Volkswagen hatte bereits im April mitgeteilt, mit Northvolt zusammen rund eine Milliarde Euro in ein gemeinsames Batteriezellwerk in Salzgitter investieren zu wollen. Das Werk soll frühestens ab 2020 aufgebaut werden, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Northvolt gab derweil bekannt, rund eine Milliarde Dollar durch eine Kapitalerhöhung eingesammelt zu haben.

Batteriezellfertigung ist energieintensiv, die Produktion in Niedersachsen soll daher nach den Worten des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) von der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG) befreit werden. Anfang 2024 soll dann die Zellfertigung für Volkswagen starten.

apr/dpa

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP