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Wirtschaft

Verbot von Leerverkäufen

Ermittler hatten Hinweise auf Attacke gegen Wirecard

Um die Börsenturbulenzen von Wirecard zu stoppen, schritt sogar die Finanzaufsicht ein. Nun wurde bekannt: Ermittler hatten Hinweise auf eine Spekulationsattacke gegen den Dax-Konzern.

REUTERS

Montag, 25.02.2019   17:13 Uhr

Es war eine ungewöhnliche Reaktion auf außergewöhnliche Kursausschläge: Am 18. Februar hatte die Finanzaufsicht BaFin neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse beim Zahlungsdienstleister Wirecard untersagt. Nun wird klar, was die Kontrolleure zu dem Schritt bewogen hat. Denn die BaFin und die Münchner Staatsanwaltschaft haben nach eigenen Angaben eine drohende Attacke von Spekulanten auf Wirecard verhindert.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, dass sie am 15. Februar von dem Zahlungsdienstleister "ernstzunehmende Informationen" über eine geplante weitere Attacke erhalten habe. Demnach wurde auch mit "viel Geld" versucht, die Medienberichterstattung zu beeinflussen.

Zuvor hatte bereits das "Handelsblatt" berichtet, der Dax-Konzern sollte mit negativer Berichterstattung erpresst werden. Demnach versuchte ein Mittelsmann, Journalisten in Großbritannien mit Millionensummen zu bestechen. Gleichzeitig habe er Wirecard Chart zeigen gegen Zahlung einer ähnlichen Summe angeboten, die Berichterstattung zu verhindern. Dieser Verdacht sei nun auch Teil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I rund um Marktmanipulationen. Wirecard selbst wollte die Informationen nicht kommentieren. Auch die Staatsanwaltschaft nahm dazu nicht Stellung. Die Behörde bleibe bei ihrem Vorgehen, "möglichst zurückhaltend auf Anfragen zu antworten, um keine Gelegenheit zu geben, den Kurs der Wirecard weiter zu beeinflussen", hieß es.

Die Informationen über eine geplante Attacke waren einer der Gründe dafür, dass die Finanzaufsicht BaFin Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse für zwei Monate verboten hatte: "Wir hatten diese Informationen von der Staatsanwaltschaft", sagte eine BaFin-Sprecherin dem "Handelsblatt". "Sie waren ein Baustein für das Verbot."

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Fotostrecke: Die Akteure im Fall Wirecard

Die Londoner "Financial Times" hatte in den vergangenen Wochen drei Artikel veröffentlicht, in denen einem Wirecard-Mitarbeiter in Singapur kriminelle Manipulationen vorgeworfen wurden. Folge waren dramatische Kursstürze der Wirecard-Aktie, zeitweise verlor das Papier mehr als 30 Prozent seines Werts. Wirecard hat die Berichte der "FT" mehrfach zurückgewiesen.

(Lesen Sie hier die Hintergründe zum Finanzkrimi um Wirecard.)

Da derartige Ausschläge bei Aktienkursen eines Dax-Unternehmens sehr ungewöhnlich sind, überprüfen Bafin und Staatsanwaltschaft, ob gezielte Manipulation dahintersteckt.

Sogenannte Short-Seller nutzten die Unsicherheit um Wirecard für Leerverkäufe. Sie liehen sich Anteilsscheine, stießen sie auf dem Markt ab und kauften sie später zurück. Damit wetteten die Spekulanten auf fallende Kurse. Die Wirecard-Aktie notiert immer noch etwa ein Drittel unter dem Wert vor der Berichterstattung.

mmq/dpa-AFX/AFP

insgesamt 6 Beiträge
Watschn 25.02.2019
1. Bafin wurde also von Wirecard 'geholfen'....
Das Ganze behält m.E. einen strengen Geruch... Seltsam ist, dass die unmittelbare Konkurrenz (Paypal & Co.) mit viel geringeren Margen vorlieb nehmen muss. Wirecard hat hier in Europa kaum Umsatz; den generiert sie angeblich [...]
Das Ganze behält m.E. einen strengen Geruch... Seltsam ist, dass die unmittelbare Konkurrenz (Paypal & Co.) mit viel geringeren Margen vorlieb nehmen muss. Wirecard hat hier in Europa kaum Umsatz; den generiert sie angeblich grösstenteils in Asien mit Transaktionen in eher zweifelhaften Nischenmärkten mit Online-gaming/-spielcasinos, Partner-Erlebnischats, Bezahlchatforen u. Erotik- u. Pornoportalen.
felisconcolor 25.02.2019
2. So so
diese "angeblichen" zweifelhaften Nischenmärkte sind also eine Entschuldigung für eine kriminelle Marktmanipulation gegenüber Wirecard. Diese sogenannten Leerverkäufer sollten generell verboten werden. Stellen [...]
Zitat von WatschnDas Ganze behält m.E. einen strengen Geruch... Seltsam ist, dass die unmittelbare Konkurrenz (Paypal & Co.) mit viel geringeren Margen vorlieb nehmen muss. Wirecard hat hier in Europa kaum Umsatz; den generiert sie angeblich grösstenteils in Asien mit Transaktionen in eher zweifelhaften Nischenmärkten mit Online-gaming/-spielcasinos, Partner-Erlebnischats, Bezahlchatforen u. Erotik- u. Pornoportalen.
diese "angeblichen" zweifelhaften Nischenmärkte sind also eine Entschuldigung für eine kriminelle Marktmanipulation gegenüber Wirecard. Diese sogenannten Leerverkäufer sollten generell verboten werden. Stellen sie sich mal vor ich hätte mir ihren Diesel vor bekannt werden der Dieselaffäre geliehen. Ihn dann klammheimlich verkauft um ihn dann während des Skandals billig wieder gekauft. Sie selbst hätte ich großzügig mit 50 Euro und nem vollen Tank abgefunden. So kann ich das mit Aktien machen. Und das Ganze ist auch noch legal.
Hamberliner 25.02.2019
3. Schutz durch Algorithmen?
Mir ist mal aufgefallen, dass die Berliner Börse sich in der Lage sieht, in bestimmten Fällen auf ihrer Webseite eine Warnung vor betrügerischen Kursmanipulationen an der jeweiligen Aktie einzublenden. Ich weiß jetzt nicht, ob [...]
Mir ist mal aufgefallen, dass die Berliner Börse sich in der Lage sieht, in bestimmten Fällen auf ihrer Webseite eine Warnung vor betrügerischen Kursmanipulationen an der jeweiligen Aktie einzublenden. Ich weiß jetzt nicht, ob so eine Warnung auch frühzeitig bezüglich der Wirecard-Aktie kam, aber ich finde es schon bemerkenswert, und ich finde es gleichzeitig schade, dass die Frankfurter Börse das nicht kann oder will. Ich stell es mir als eine spannende Herausforderung vor, Algorithmen zu entwickeln die vollautomatisch erkennen, wenn etwas faul ist. Auch Kriminelle haben nur begrenzte Kapazitäten und werden sich deshalb zuallererst besonders lohnende Opfer suchen. Daraus können wir dummen Kleinanleger den Schluss ziehen, bei besonders spektakulären Aktien Vorsicht walten zu lassen.
soundcheck 26.02.2019
4. Nocheinmal: Leerverkäufe gehören verboten!
Auch wenn ich mich jetzt bei einigen wieder unbeliebt mache, bleibe ich bei meiner Meinung: Leerverkäufe gehören verboten! Wenn dieser Artikel zutreffen sollte, sieht man einmal mehr mit welch krimineller Energie hier versucht [...]
Auch wenn ich mich jetzt bei einigen wieder unbeliebt mache, bleibe ich bei meiner Meinung: Leerverkäufe gehören verboten! Wenn dieser Artikel zutreffen sollte, sieht man einmal mehr mit welch krimineller Energie hier versucht wird zu Lasten der Anleger die Kurse zu beeinflussen. Auch die Rolle der Stückeverleiher finde ich etwas dubios. Es hiess ja, es sind in der Regel Banken und Fonds welche die Stücke verleihen. Für mich sind die aber in diesem Fall nur Verwahr- bzw. Kapitalsammelstelle ihrer Kunden bzw. Anleger. Und genau da handeln sie gegen deren Interessen. Das Argument, dass sie ja Provision dafür bekommen und dadurch bei (Fonds) die Performance verbessern finde ich lächerlich, wenn man, wie im Fall Wirecard die Kursrückgänge dagegenhält. Und die Banken geben die Verleihgebühren ja sicherlich nicht an ihre betroffenen Aktionäre weiter. Ich sehe auch keinen wirtschaftlichen Gesamtnutzen, ausser dass sich einige wenige durch diese Möglichkeit bereichern können. Den wirtschaftlichen Nutzen konnte mir aber auch keiner der Shortsell Befürworter zufriedenstellend oder überzeugend erklären. Möchte nochmal zwei Aktien erwähnen: Aurelius und Osram. Die wurden auch zum Spielball der Shortseller.
Hamberliner 26.02.2019
5. Re: Nocheinmal: Leerverkäufe gehören verboten!
Mit Einzelaktien tätige ich normalerweise keine Leerverkäufe, da habe ich bessere mathematische Methoden programmiert, aber mit ETFs sind Leerverkäufe mein Ziel und mein Prinzip, wobei derjenige, von denen ich sie leihe, [...]
Zitat von soundcheckAuch wenn ich mich jetzt bei einigen wieder unbeliebt mache, bleibe ich bei meiner Meinung: Leerverkäufe gehören verboten! Wenn dieser Artikel zutreffen sollte, sieht man einmal mehr mit welch krimineller Energie hier versucht wird zu Lasten der Anleger die Kurse zu beeinflussen. Auch die Rolle der Stückeverleiher finde ich etwas dubios. Es hiess ja, es sind in der Regel Banken und Fonds welche die Stücke verleihen. Für mich sind die aber in diesem Fall nur Verwahr- bzw. Kapitalsammelstelle ihrer Kunden bzw. Anleger. Und genau da handeln sie gegen deren Interessen. Das Argument, dass sie ja Provision dafür bekommen und dadurch bei (Fonds) die Performance verbessern finde ich lächerlich, wenn man, wie im Fall Wirecard die Kursrückgänge dagegenhält. Und die Banken geben die Verleihgebühren ja sicherlich nicht an ihre betroffenen Aktionäre weiter. Ich sehe auch keinen wirtschaftlichen Gesamtnutzen, ausser dass sich einige wenige durch diese Möglichkeit bereichern können. Den wirtschaftlichen Nutzen konnte mir aber auch keiner der Shortsell Befürworter zufriedenstellend oder überzeugend erklären. Möchte nochmal zwei Aktien erwähnen: Aurelius und Osram. Die wurden auch zum Spielball der Shortseller.
Mit Einzelaktien tätige ich normalerweise keine Leerverkäufe, da habe ich bessere mathematische Methoden programmiert, aber mit ETFs sind Leerverkäufe mein Ziel und mein Prinzip, wobei derjenige, von denen ich sie leihe, ich selbst bin. Von mir selbst ETFs ausleihen und sie verkaufen, wenn der Buckel bald kommen müsste, sie zurück kaufen und an mich selbst zurück geben, wenn es schlimmer nicht werden kann. Danke für das Kompliment, dass Du mich deswegen mit Al Capone und Jacques Mesrine auf eine Stufe stellst, auf die Idee wär ich gar nicht gekommen. Warum nimmst Du eigentlich Pseudo-Journalisten, Fake-News-Verbreiter, Desinformatoren in Schutz, die Aktienkurse manipulieren, und schiebst die Schuld an deren Tun denen in die Schuhe, die einfach nur kaufen und verkaufen?

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