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Zahlungsabwickler

Polizei durchsucht Wirecard-Büros in Singapur - Aktie bricht erneut ein

Nach mehreren Berichten der "Financial Times" über angebliche Manipulationen hat die Polizei in Singapur Büros von Wirecard durchsucht - die Aktie stürzt erneut ab. Der Zahlungsabwickler verklagt nun die Zeitung.

DPA

Die Firmenzentrale von Wirecard (Archivbild)

Freitag, 08.02.2019   13:53 Uhr

In Singapur hat die Polizei am Freitag nach einer Serie von Berichten in der "Financial Times" ("FT") über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten bei Wirecard die Räumlichkeiten des Zahlungsabwicklers in dem asiatischen Stadtstaat durchsucht. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei. Die Nachricht ließ den Kurs der Wirecard-Aktien Chart zeigen erneut um bis zu 13,4 Prozent auf 95,90 Euro einbrechen.

Wirecard selbst teilte mit, bereits am Donnerstag habe man den Behörden volle Kooperation bei den Ermittlungen zugesichert. Vertreter des Konzerns hätten sich am Freitagmorgen mit den Strafverfolgungsbehörden in der Unternehmenszentrale in Singapur getroffen und der Polizei Unterlagen zu den Ermittlungen über "verleumderische Vorwürfe" in den Berichten der "Financial Times" übergeben. "Nach einer so negativen Medienberichterstattung ist die Einleitung von Ermittlungen ein normaler Vorgang", teilte der Zahlungsabwickler mit.

Unabhängig davon hatte Wirecard am Freitag mitgeteilt, die "FT" zu verklagen: "Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor", heißt es in einem Statement des Konzerns. Die Zeitung hatte mehrere namentlich genannte Mitarbeiter des Unternehmens in den Artikeln mit Unregelmäßigkeiten in Verbindung gebracht. "Wir bekräftigen, dass die Vorwürfe gegen Wirecard-Mitarbeiter unbegründet sind", teilt der Konzern mit.

Wirecard spricht von "allen verfügbaren rechtlichen Mitteln"

Hintergrund sind drei kritische Berichte der "Financial Times", die seit etwa einer Woche Vorwürfe krimineller Kontomanipulationen und Fälschung von Dokumenten gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur veröffentlicht. Die im Leitindex Dax gehandelte Aktie brach nach allen drei Berichten jeweils um bis zu 25 Prozent ein. Seit Beginn der Berichterstattung hat das Unternehmen allein bis Donnerstag rund acht Milliarden Euro an Börsenwert verloren - der Kursverlust am Freitag noch nicht eingerechnet.

In dem jüngsten, am Donnerstag veröffentlichten Artikel würden "Wirecard-Mitarbeiter mit unbewiesenen und falschen Behauptungen verleumdend verurteilt", teilte das Unternehmen mit. "Wir werden alle verfügbaren rechtlichen Mittel einsetzen, um das Unternehmen und insbesondere unsere Mitarbeiter und deren Persönlichkeitsrechte zu schützen."

Die "Financial Times" hatte berichtet, der für Asien zuständige Finanzchef von Wirecard habe sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie die eigenen Bücher manipuliert werden könnten. Mit verschobenen Geldern seien so Scheinumsätze erzeugt worden. Damit hätten die Behörden in Hongkong davon überzeugt werden sollen, Wirecard eine Lizenz zu geben. Zudem hätten zwei Führungskräfte in Deutschland von der Praxis "zumindest etwas Kenntnis" gehabt.

Staatsanwaltschaft München und Finanzaufsicht ermitteln

Die Staatsanwaltschaft München hat wegen der Kursturbulenzen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Behörde ermittle wegen möglicher Marktmanipulation gegen unbekannt, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Finanzaufsicht Bafin prüft, ob es sich um eine gezielte Attacke von Spekulanten handelte.

Das Unternehmen habe selbst eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, sagte die Sprecherin. Die Behörde prüfe aber immer auch von Amts wegen, ob sie ein Ermittlungsverfahren in die Wege leite. Gegen Verantwortliche von Wirecard werde jedoch nicht ermittelt, sagte der zuständige Leitende Oberstaatsanwalt der dpa. Der Anfangsverdacht sei dafür nicht ausreichend.

kko/fdi/Reuters/dpa

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