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Wissenschaft
Ausgegraben

Dürre offenbart Standorte fehlender Stonehenge-Steine

Mike Pitts

Von
Montag, 19.08.2013   15:51 Uhr

Bildeten die Steinsäulen von Stonehenge einst einen vollständigen Kreis? Der trockene Sommer scheint den alten Archäologen-Streit entschieden zu haben - ein fehlender Gartenschlauch ermöglichte die Entdeckung.

Wenn wir an Stonehenge denken, sehen wir vor Augen einen Steinkreis. Schön ordentlich im Rund aufgestellte Steine, von allen Seiten gleich anzuschauen. In Wahrheit aber ist Stonehenge alles andere als rund, sondern hat eher die Form eines angeknabberten Kekses.

Nähert man sich dem Monument von Nordosten her, sieht man die heile Seite - die Postkartenansicht. Doch kommt man vom Südwesten auf Stonehenge zu, wirkt das ganze schon krümeliger. Große Lücken klaffen da im Ring, die größte von ihnen ist so breit, dass vier weitere Steine darin Platz hätten.

War es nur der Zahn der Zeit, der sich einen großen Biss aus dem Stonehenge-Keks genommen hat? Oder ist die offene Anordnung vielleicht sogar die volle Absicht der Erbauer gewesen? Diese Frage ist nicht neu, sie wird bereits seit dem 18. Jahrhundert diskutiert. In der neuen Ausgabe der Zeitschrift "British Archaeology" liefert Herausgeber Mike Pitts nun einen neuen Beitrag zu der Diskussion: "Neue Hinweise, die das heiße, trockene Wetter verursacht hat, scheinen den Fall nun zugunsten des kompletten Kreises entschieden zu haben," schreibt er.

Umrisse werden sichtbar

Manchmal kann Archäologie so einfach sein. Der heiße, trockene Sommer diesen Jahres dörrte das Gras Südenglands mächtig aus. Auf Flächen, die sonst mit dichter Vegetation bedeckt sind, traten dadurch Abdrücke archäologischer Spuren zu Tage. Ein Boden, der von schweren Steinen oder Mauern über einen langen Zeitraum zusammengedrückt wurde, kann weniger Wasser speichern als die Umgebung - die Umrisse der Bebauung werden durch die besonders verdorrten Pflanzen als braune Flecken sichtbar.

Mike Pitts

Stonehenge: Weiße Flecken zeigen fehlende Steine

In diesem Jahr mussten die Archäologen sich also nur in Flugzeuge setzen, um zahlreiche neue archäologische Stätten entdecken zu können. In Wales beispielsweise fand der Luftbildarchäologe Toby Driver von der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales (RCAHMW) während der vergangenen Wochen ein neues römisches Fort, ein weiteres römisches Camp sowie zahlreiche eisenzeitliche Höfe und Befestigungen.

In Stonehenge war es nicht allein die Dürre, sondern auch die Geldknappheit von English Heritage, die zu den Neuentdeckungen führte. Denn wie Pitts berichtet, war der Gartenschlauch, den die Denkmalpflegeorganisation den Angestellten zum Bewässern der Rasenfläche zur Verfügung stellte, zu kurz. Der Sprenkler reichte nicht bin in die Südwestecke des Monuments, das Gras dort musste ohne zusätzliches Wasser auskommen.

Ring-Gläubige und Ring-Ungläubige

Als die Halme dann zu dörren begannen, entdeckte der Stonehenge-Kenner und Autor mehrerer Broschüren zu dem Monument Tim Daw braune Flecken. Zunächst fielen sie ihm nur an den Stellen der Gruben - der so genannten Y- und Z-Löcher - auf. Dann aber entdeckte Daw die braunen Flecken auch auf der Südwestseite des Ringes aus Sarsensteinen. Auch in der riesigen Lücke von Position 17 bis 20.

Die Idee, dass der Ring niemals komplett hatte sein sollen, brachte 1747 als erster der Architekt John Wood ins Spiel. "The whole Work was never compleat" schrieb er in seiner Veröffentlichung der zentimetergenauen Vermessung des Monuments und säte damit den Keim des Zweifels, der bis heute nicht ausgerottet werden konnte. Noch 1995 fand eine geophysische Bodenuntersuchung keine Spur von Steinen in den Lücken der Südwestseite. Und ein 3D-Laserscan der Sarsen im vergangenen Jahr zeigte, dass die Blickrichtung auf das Monument tatsächlich diejenige aus Nordosten war.

Denn während die Steine auf dieser Seite größer und besser bearbeitet waren, wurde auf die Steine am Südwestende des Monuments weniger Mühe verwendet. Allerdings zeigten die Scans auch, wie arg die Steine im Laufe der Jahrtausende gelitten hatten. Die Schadspuren machten es wiederum wahrscheinlich, dass andere Steine die massiven Angriffe mit Werkzeugen oder gar Stürze nicht überstanden haben.

Vielleicht, schließt Pitts seinen Bericht, können sich nun Ring-Gläubige und Ring-Ungläubige auf einen Kompromiss einigen: Der Kreis war "komplett, aber ein wenig rau an der Rückseite."

insgesamt 42 Beiträge
Maulwürfin 19.08.2013
1.
So schnell und billig kann es gehen :-). Und wieder mal wird auf spektakuläre Weise deutlich, dass wir trotz aller Bemühungen längst nicht alles wissen und die Archäologie immer noch zu den wichtigen und unterstützenswerten [...]
So schnell und billig kann es gehen :-). Und wieder mal wird auf spektakuläre Weise deutlich, dass wir trotz aller Bemühungen längst nicht alles wissen und die Archäologie immer noch zu den wichtigen und unterstützenswerten Fächern gehört.
Layer_8 19.08.2013
2.
Vielleicht hat das heutige Fehlen der Südwestecke nebenbei und zusätzlich auch was mit der allgemeinen Wetterlage dort zu tun? Atlantische Tiefausläufer aus Südwesten, und das über Jahrtausende?
Vielleicht hat das heutige Fehlen der Südwestecke nebenbei und zusätzlich auch was mit der allgemeinen Wetterlage dort zu tun? Atlantische Tiefausläufer aus Südwesten, und das über Jahrtausende?
Oberleerer 19.08.2013
3.
Das wirft jetzt die Frage auf: Wo sind die fehlenden Steine? Welche Maßnahme machte es lohnenswert, einige der riesigen Steine zu entfernen und vermutlich in der Nähe einer anderen Verwendung zuzuführen?
Das wirft jetzt die Frage auf: Wo sind die fehlenden Steine? Welche Maßnahme machte es lohnenswert, einige der riesigen Steine zu entfernen und vermutlich in der Nähe einer anderen Verwendung zuzuführen?
Cleo96 19.08.2013
4.
@Maulwürfin: Es gibt Bilder (Zeichnungen) von ca. 1835 die Stonehenge ganz, ganz anders zeigen als wir es heute kennen. Zerfallen. Im Laufe der letzten 200 Jahre wurde es oft "restauriert" und so wieder aufgebaut, wie [...]
@Maulwürfin: Es gibt Bilder (Zeichnungen) von ca. 1835 die Stonehenge ganz, ganz anders zeigen als wir es heute kennen. Zerfallen. Im Laufe der letzten 200 Jahre wurde es oft "restauriert" und so wieder aufgebaut, wie man es sich vorstellte. 1901, dann ca. 1920 und zuletzt von 1958 bis 1961.
r@zzi0n@l 19.08.2013
5. was Menschen dazu bewegt
sich ein paar dämliche Steine erfurchtsvoll zu betrachten, erschliesst sich mir nicht unbedingt. Noch weniger Verständnis kann ich dafür aufbringen, Gelder dafür zu verschwenden, um "wissenschaftliche" oder [...]
sich ein paar dämliche Steine erfurchtsvoll zu betrachten, erschliesst sich mir nicht unbedingt. Noch weniger Verständnis kann ich dafür aufbringen, Gelder dafür zu verschwenden, um "wissenschaftliche" oder "archäologische" Untersuchungen an diesen Trümmern vorzunehmen. Lasst die Dinger da in Ruhe liegen und gut ist. Wer will, kann hingehen, gucken und auf die Aliens warten. Und wem zu wenig Klötze da rumstehen, der kann ja neue klopfen und dazu stellen. Aber bitte nicht mit Mitteln, die aus öffentlichen Töpfen bezahlt werden. Da kann man mal die richtig wichtigen Dinge mit finanzieren.

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Zur Autorin

  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

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