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Wissenschaft

Silberschatz

Archäologen untersuchen mehr als 9000 mittelalterliche Münzen

2017 entdeckten zwei Schatzsucher in Baden-Württemberg einen gewaltigen Münzschatz aus dem Mittelalter, behielten ihn aber zunächst für sich. Nun haben Forscher den besonderen Fund vorgestellt.

Simon Sachseder/dpa

Unrestaurierte Silbermünzen: Hobby-Schatzsucher hatten die Exemplare im Sommer 2017 gefunden

Dienstag, 16.04.2019   18:58 Uhr

Wissenschaftler haben einen Schatzfund mit mehr als 9000 mittelalterlichen Silbermünzen am Dienstag in Esslingen präsentiert. "Es ist in den letzten 30 Jahren sicherlich der größte spätmittelalterliche Münzschatzfund in Baden-Württemberg überhaupt", sagte Claus Wolf, Präsident des Landesdenkmalamtes.

Zwei Männer, die in Ellwangen eigentlich auf der Suche nach militärischen Überbleibseln waren, hatten den Schatz im Sommer 2017 entdeckt - und zunächst für sich behalten. Monate später meldete ihn einer der beiden doch noch den Behörden. Fachleute haben den Fund daraufhin untersucht und nun öffentlich vorgestellt.

Die meisten Münzen haften noch aneinander - aus ihrem Gewicht lässt sich laut Experten aber schließen, dass es sich um rund 9200 Geldstücke handeln muss. Rund hundert von ihnen wurden bislang restauriert. Zum Schatz gehörten außerdem ein Ring, Keramikscherben von mindestens zwei Gefäßen sowie verschiedene Textilien, berichtet Wolf.

Simon Sachseder/ DPA

So viel wert wie ein Bauernhof

Ein Teil der Scherben gehört zu dem Gefäß, in dem die Münzen um das Jahr 1300 gelagert wurden. Außerdem rekonstruierten die Forscher eine sogenannte Becherkachel. Welche Funktion sie hatte, ließ sich allerdings nicht mehr nachvollziehen, weil die Stücke nicht sachgerecht ausgegraben wurden.

Wie viel die Münzen im Mittelalter wert waren, wissen die Forscher nicht genau. Sie vermuten aber, dass sich damit ein Bauernhof finanzieren ließ. Demnach handele es sich um eine Summe, die die einfache Bevölkerung im Mittelalter kaum hätte ansparen können.

Simon Sachseder/ DPA

Restaurierte Silbermünzen

Die Entdecker hatten im Zusammenhang mit dem Schatz zunächst von über tausend Silbertalern gesprochen. Obwohl sie schließlich mit den Experten kooperierten, kam einiger Ärger auf sie zu. Am Wohnsitz des einen Mannes fanden Ermittler des Landeskriminalamtes auch noch Münzen, nachdem die Schatzsucher den Fund bereits gemeldet hatten. Inzwischen wurde ein Strafbefehl wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung erlassen. Die Finder mussten zudem eine Geldstrafe zahlen - ob sie diese in Münzen beglichen haben, ist nicht bekannt.

Im Video: Jäger der verlorenen Schätze - Sondengänger auf Beutefang

Foto: SPIEGEL TV

jme/dpa

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