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Wissenschaft

Ernährung

Was Fleischverzicht für den Klimaschutz bringt

Der Weltklimarat fordert eine Kehrtwende beim Fleischkonsum, Politiker in Deutschland debattieren über eine höhere Fleischsteuer. Welchen Effekt hätte der Verzicht auf Burger und Steaks?

Darko Novakovic/ iStockphoto/ Getty Images

Tote Schweine in einem Schlachthaus: Laut dem Klimarechner des Umweltbundesamts ist jeder Bürger im Schnitt für 11,61 Tonnen CO2 im Jahr verantwortlich

Eine Analyse von
Donnerstag, 08.08.2019   18:25 Uhr

Wer Fleisch isst, belastet das Klima. So viel steht fest. Eine Forderung des Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes und der neue Sonderbericht des Weltklimarats haben die Debatte über Ernährung und die Auswirkungen auf das Klima jetzt neu belebt.

Thomas Schröder vom Tierschutzbund hat zuletzt vorgeschlagen, eine Fleischsteuer einzuführen, drei Tage später verwies der Weltklimarat erneut auf den Beitrag der Fleischproduktion zum globalen Temperaturanstieg. Politiker diskutieren nun darüber, die Mehrwertsteuer für Fleisch von 7 auf 19 Prozent zu erhöhen.

Die zusätzlichen Einnahmen sollen an Landwirte fließen, die ihre Ställe artgerecht umbauen. Parallel ließen sich CO2-Emissionen senken, wenn insgesamt weniger Fleisch gegessen und produziert wird, so die Hoffnung. Ob der Plan aufgeht, ist allerdings fraglich.

Klimakiller Rindfleisch

Den mit Abstand größten Einfluss auf den CO2-Ausstoß durch die Viehhaltung hat Rindfleisch. Das liegt daran, dass nicht nur Treibhausgase entstehen, um Futter für die Tiere zu produzieren und Bäume gefällt werden, um Weideland zu gewinnen. Die Kühe stoßen auch selbst das klimaschädliche Gas Methan aus.

Jedes Kilo Rindfleisch, das in Deutschland verkauft wird, erzeugt laut dem Klimarechner des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) im Schnitt ein Äquivalent von gut zwölf Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Wird ein Kilogramm Schweinefleisch erzeugt, entstehen ungefähr vier Kilogramm CO2 - also gerade mal ein Drittel. Geflügel liegt in einem ähnlichen Bereich. Bei der Produktion von einem Kilo Kartoffeln entstehen dagegen nur 0,4 Kilogramm CO2-Emissionen.

Jeder Deutsche isst im Jahr ungefähr 60 Kilogramm Fleisch (siehe Grafik oben). Meist kommen die klimafreundlicheren Fleischsorten auf den Teller. Knapp zwei Drittel stammt vom Schwein, knapp ein Viertel ist Geflügel, 16 Prozent entfallen auf Rindfleisch (siehe Grafik unten).

So hat die Ernährung insgesamt nur einen kleinen Anteil am CO2-Ausstoß, ist zugleich aber ein Bereich, in dem jeder etwas zur Verbesserung beitragen kann. Laut dem Klimarechner des Umweltbundesamts ist jeder Bürger im Schnitt für 11,61 Tonnen CO2 im Jahr verantwortlich, 1,74 Tonnen davon entfallen auf die Ernährung.

Reduziert ein Durchschnittsdeutscher seinen Fleischkonsum um ungefähr ein Viertel, spart er 0,1 Tonnen CO2 ein, bei vollständig vegetarischer Ernährung spart er 0,45 Tonnen. Das entspricht einem Viertel des durch die Ernährung entstehenden CO2.

37 Millionen Tonnen CO2-Ersparnis durch vegetarische Ernährung

Rechnet man die Werte auf die Gesamtbevölkerung hoch, könnte sich der jährliche CO2-Ausstoß in Deutschland durch reduzierten Fleischkonsum von allen Bürgern um 8,3 Millionen Tonnen verringern, würden alle auf vegetarische Ernährung umstellen, würde er um ungefähr 37 Millionen Tonnen sinken.

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Zur Einordnung: Inlandsflüge waren 2018 für zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich. Insgesamt hat Deutschland in dem Jahr 866 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen - würde die Bevölkerung weniger Fleisch essen, ließen sich immerhin knapp ein Prozent davon einsparen, wären alle Vegetarier, wären es ungefähr vier Prozent. Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn wirklich alle ihre Ernährung umstellen.

Die Kompensationsagentur atmosfair hat berechnet, dass jeder Bewohner der Erde im Jahr nur noch 2,3 Tonnen CO2-Äquivalente verursachen darf, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt werden soll. Wie die genannten Zahlen zeigen, wird dieses Budget in Deutschland derzeit fast vollständig durch die CO2-intensive, fleischlastige Ernährung ausgeschöpft.

Fest steht aber auch: Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, braucht es neben einem klimagerechten Speiseplan vor allem politische Lösungen, die die Verkehrswende vorantreiben, den CO2-Ausstoß bei der Produktion von Konsumgütern verringern und die Energiewende beschleunigen.

Allerdings sind strikte Klimavorgaben in der Bevölkerung oft unpopulär. Das lässt sich auch jetzt an den Reaktionen beobachten. Dabei gibt es im aktuellen Fall einen guten Grund, eine höhere Mehrwertsteuer abzulehnen - allerdings weniger aufgrund der Klimaeffekte, sondern wegen der Auswirkungen auf das Tierwohl.

Denn ganz abgesehen von der Frage, ob das zusätzliche Geld tatsächlich bei den Tieren ankommen würde, eignet sich die Maßnahme grundsätzlich nicht, um Menschen zu moderatem Fleischkonsum zu motivieren. Stattdessen wird über den Preis der Anreiz geschaffen, dass mehr Menschen wieder zu billigerem Fleisch greifen. Der Grund dafür ist die vom Gesamtpreis abhängige, prozentuale Steigerung der Kosten.

Ein Beispiel: Wer sein Fleisch bisher beim Discounter günstig für fünf Euro kauft, müsste mit 19 Prozent Mehrwertsteuer künftig 56 Cent mehr ausgeben. Ein Bürger der für die gleiche Fleischmenge auf dem Biowochenmarkt zehn Euro zahlt, käme auf 1,12 Euro mehr. Absolut gesehen am meisten würde eine Steuererhöhung also diejenigen treffen, die jetzt schon bereit sind, mehr für Fleisch aus guter Haltung auszugeben - zumindest wenn man den Plan für mehr Tierwohl und Klimaschutz über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer umsetzen will.

insgesamt 170 Beiträge
jogola 08.08.2019
1. Ich wär für Zoll auf
Soja https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/soja-als-futtermittel/
Soja https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/soja-als-futtermittel/
claus7447 08.08.2019
2. Erstaunlich...
... das wären ca. jeden Tag eine Schweineschnitzel a 160 Gramm. Nun - Greta wird ihre Freude an mir haben - lieber weniger, dafür besser und direkt vom Bauernhof.
... das wären ca. jeden Tag eine Schweineschnitzel a 160 Gramm. Nun - Greta wird ihre Freude an mir haben - lieber weniger, dafür besser und direkt vom Bauernhof.
Fletsch 08.08.2019
3. Methan
Das Methan entsteht doch wahrscheinlich durch die Verdauung von Gras duch die Kuh. Da das Gras ja wieder waechst (bevor es von der naechsten Kuh gefressen wird) saugt es dadurch das CO2 wieder aus der Luft. Also muesste Kuhhaltung [...]
Das Methan entsteht doch wahrscheinlich durch die Verdauung von Gras duch die Kuh. Da das Gras ja wieder waechst (bevor es von der naechsten Kuh gefressen wird) saugt es dadurch das CO2 wieder aus der Luft. Also muesste Kuhhaltung doch CO2 neutral sein....?
iffelsine 08.08.2019
4. Also ein gutes Kilo Rindfleisch gibt es nicht unter 38€ !
Mit 19% MWSt sind das dann 42,26€ - na und ? Kaum/kein Rindfleisch mehr zu essen kommt für mich nicht in Frage ! Ich zucke zwar bei einem Kilopreis von 799€ für ein Kilo japanisches Wagyu, aber es schmeckt toll ! Aber für die [...]
Mit 19% MWSt sind das dann 42,26€ - na und ? Kaum/kein Rindfleisch mehr zu essen kommt für mich nicht in Frage ! Ich zucke zwar bei einem Kilopreis von 799€ für ein Kilo japanisches Wagyu, aber es schmeckt toll ! Aber für die Foristen, die jetzt schreien und in ihr veganes Brötchen beissen: ich fahre einen i3 - also ein Elektrowagen.
SuperWeidi 08.08.2019
5. Wenn ich auf den Klimakiller Rindfleisch verzichte,
verbessere ich den CO2 Ausstoss um 16% ( Rundfleisch Anteil am Fleischkonsum ) x 20% ( Essenanteil am Gesamt CO2 Ausstoss ) = 3,2% ( Wow, das ist die Lösung )
verbessere ich den CO2 Ausstoss um 16% ( Rundfleisch Anteil am Fleischkonsum ) x 20% ( Essenanteil am Gesamt CO2 Ausstoss ) = 3,2% ( Wow, das ist die Lösung )
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