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Emissionen

Klimaschützer kritisieren deutsche Erdgas-Subventionen

Wer hierzulande Erdgas statt Benzin tankt, zahlt weniger Steuern. Zu Unrecht, urteilt ein Brüsseler Klimaverband. Deutschland sei eines der wenigen Länder in der EU, das weiter auf klimaschädliche Brennstoffe setzt.

Stefan Sauer/DPA

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Montag, 09.09.2019   10:30 Uhr

In kaum einem anderen EU-Land werden fossile Brennstoffe so sehr gefördert wie in Deutschland, berichten Klimaschützer in einer aktuellen Studie. Das Brüsseler Climate Action Network hat geprüft, ob die internationale Zusage tatsächlich eingehalten wird, Subventionen für klimaschädliche Brennstoffe abzubauen. Dafür untersuchte die Organisation die nationalen Energie- und Klimapläne aller 28 EU-Staaten.

Das Ergebnis: Deutschland ist einer von fünf EU-Staaten, der sogar neue Fördermaßnahmen für fossile Brennstoffe plant.

"Allemal besser als Heizöl"

So gelten hierzulande für Erdgas als Autotreibstoff bis 2026 ermäßigte Steuersätze. Und auch sonst setzt die Bundesregierung darauf, Erdgas anstelle von Erdöl oder Kohle zu nutzen, die dem Klima noch mehr schaden. Kanzlerin Angela Merkel warb kürzlich dafür, von Heizöl- auf Gasheizungen umzusteigen. "Das ist allemal besser, als wenn die Menschen weiter alle mit Heizöl heizen", sagte sie Ende August in Den Haag.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Einbau von Ölheizungen von 2030 an komplett verbieten. Bestehende Ölheizungen sollen aber weiterbetrieben werden dürfen, sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer lehnte den Vorschlag umgehend ab. Die Union setzt vor allem auf Anreize wie eine Abwrackprämie.

Grüne und Klimaverbände fordern dagegen eine Abkehr von allen fossilen Brennstoffen, weil auch beim Verbrennen von Erdgas erhebliche Mengen Kohlendioxid freiwerden. Dafür sollen aus ihrer Sicht Steuervergünstigungen oder Zuschüsse gestrichen werden.

"Im Rahmen der G20 haben die EU-Regierungen sich schon 2009 zu einem Ende von Subventionen für fossile Brennstoffe verpflichtet", sagte Studienautorin Laurie van der Burg. Die aktuellen Klimapläne müssten entsprechend korrigiert werden.

Alle EU-Staaten müssen bis Jahresende die endgültige Version ihrer Energie- und Klimapläne vorlegen. Die Dokumente sollen sicherstellen, dass die EU ihre Klimaziele für 2030 erreicht. Das deutsche Klimakabinett soll am 20. September entscheiden, wie das nationale Ziel umgesetzt wird, bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990.

koe/dpa

insgesamt 163 Beiträge
dgbmdss 09.09.2019
1. wo ist die Kritik an den Bürgerinitiativen
die z.B. die Gleichstromtrasse nach Bayern und andere emissionsreduzierende nfrastrukturprojekte wie die Bahnanbindung an den Gotthardtunnel oder den Brennertunnel ( im Bau ) verhindern?
die z.B. die Gleichstromtrasse nach Bayern und andere emissionsreduzierende nfrastrukturprojekte wie die Bahnanbindung an den Gotthardtunnel oder den Brennertunnel ( im Bau ) verhindern?
Flauschie 09.09.2019
2. Na endlich
Erdgas war noch nie sauber - schon gar nicht, wenn man auch die Verluste bei der Foerderung mit in die Bilanz rechnet. Stichwort: "Fugitive Gas". Dass das selbst den Gruenen nicht auffaellt, ist schon ein ziemlich [...]
Erdgas war noch nie sauber - schon gar nicht, wenn man auch die Verluste bei der Foerderung mit in die Bilanz rechnet. Stichwort: "Fugitive Gas". Dass das selbst den Gruenen nicht auffaellt, ist schon ein ziemlich Hammer.
missourians 09.09.2019
3.
Wird hier bei Erdgas von Flüssiggas gesprochen? An der Tankstelle für Fahrzeuge ist Erdgas CNG Methangas, Flüssiggas LPG aus der Mineralölindustrie bzw. Fossil. Erdgas CNG Methangas muss steuervergünstigt bleiben, weil [...]
Wird hier bei Erdgas von Flüssiggas gesprochen? An der Tankstelle für Fahrzeuge ist Erdgas CNG Methangas, Flüssiggas LPG aus der Mineralölindustrie bzw. Fossil. Erdgas CNG Methangas muss steuervergünstigt bleiben, weil es CO2 neutral ist. Methangas wird in Biogasanlagen aus Stroh, Holz- und Pflanzenresten gewonnen. D.h. aus Stoffen die CO2 in O2 umgewandelt haben, wird wieder CO2 bei der Verbrennung freigegeben. Das zeigt ein geschlossener CO2 Kreislauf, gegenüber dem Flüssiggas, das aus der Erde (eingelagert) wieder zusätzlich freigesetzt wird. Also wie fossile Öle... Erdgas ist momentan technisch das einfachste und schnellste Mittel, wenigstens im Straßenverkehr die Umweltbelastungen zu senken. Die Technik ist da und wird angeboten. Die Mehrkosten beim Fahrzeugkauf sind sogar bis zu 50% weniger gegenüber beim Dieselkauf zum Benziner. Es werden bei der Verbrennung ca. 25% weniger CO2, kein NO2 und kein Feinstaub, hauptsächlich H2O ausgestoßen. Durch die Biogasanlagen, könnte und kann man regional den Brennstoff produzieren und somit Pipelines, teure und umweltbelastende Transorte ersparen! ...und man wäre unabhängiger von ausländischen Produzenten.
sanjoerg 09.09.2019
4. Alternativen zu Erdgas?
Der Unterschied zwischen Luftverschmutzung und CO2 wird häufig übersehen. CO2 ist schädlich für das Klima aber zählt nicht zu den Luftschadstoffen, die schon bei geringen Konzentrationen Gesundheitsschäden verursachen. [...]
Der Unterschied zwischen Luftverschmutzung und CO2 wird häufig übersehen. CO2 ist schädlich für das Klima aber zählt nicht zu den Luftschadstoffen, die schon bei geringen Konzentrationen Gesundheitsschäden verursachen. Erdgas weist die sauberste Verbrennung auf und setzt von allen fossilen Brennstoffen am wenigsten CO2 frei, weil Erdgas den höchsten Wasserstoffanteil aufweist, der zu Wasser verbrennt. Moderne Gas-Brennwertthermen werden bei einfachen Wartungsintervallen mit dem höchster Effizienz betrieben. Was wären die Alternativen: Pelletheizungen? Im Vergleich zu Erdgasheizungen sind Pelletheizung starke Luftverschmutzer mit geringer Effizienz. Pelletheizungen machen nur dann Sinn, wenn Abfallhölzer als Rohstoff dienen und diese in gut durchlüfteten Landstrichen genutzt werden. Die Nutzung von Wäldern zu Heizzwecken führt beschleunigt Artensterben und Umweltzerstörung. Wärmepumpen? Wärmepumpen sind effiziente Elektroheizungen. Der Strom darf jedoch nicht aus der Kohle stammen. Wenn wir E-Mobilität verwirklichen wollen, können wir nicht gleichzeitig alle Heizungen auf Wärmepumpen umstellen. Passivhäuser? Ja, eine gute Idee, allerdings wird das Wohnen in Ballungsgebieten damit für Normalverdiener unbezahlbar. Hier müsste die öffentliche Hand richtig Geld zur Verfügung stellen. Weiter auf Erdgas zu setzen ist aus meiner Sicht der sinnvollste Weg. Erdgas kann künftig – im Gegensatz zur Holzverbrennung – tatsächlich klimaneutral erzeugt werden, mithilfe erneuerbarem Strom: Power to Gas. Diese Umstellung kann hier so erfolgen, dass Kohlestrom aussen vor bleibt. Dies, weil das Mischungsverhältnis von erneuerbarem Gas und fossilem Gas entsprechend dem Ausbau von erneuerbarem Strom verändert werden kann.
darthmax 09.09.2019
5. Subvention
wenn Steuern auf ein Produkt erhoben werdebn, dann kann es sich nicht Subvention nennen. Sonst wäre Katzenfutter ,da nur 7,5 % MWST ja gegenüber Babynahrung 19% Mwst subventioniert. Bei der Mineralölsteuer ging es seinerzeit [...]
wenn Steuern auf ein Produkt erhoben werdebn, dann kann es sich nicht Subvention nennen. Sonst wäre Katzenfutter ,da nur 7,5 % MWST ja gegenüber Babynahrung 19% Mwst subventioniert. Bei der Mineralölsteuer ging es seinerzeit vornehmlich um die Staatskasse und dann natürlich um die Hoffnung, durch Steuern den Verbrauch zu senken und die Handelsbilanz zu verbessern. Diese Theorie ( CO2) findet immer noch Anhänger.
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