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Wissenschaft

DNA-Analyse

Was Amische gesund altern lässt

Die Amischen verzichten meist auf moderne Technik, leben weitgehend isoliert - und sind im hohen Alter oft erstaunlich fit. Jetzt glauben Forscher, das Gesundheitsgeheimnis der US-Glaubensgemeinschaft entdeckt zu haben: Es liegt in den Kraftwerken der Körperzellen.

AP

Amische: Forscher finden genetische Gründe für Gesundheit im Alter

Donnerstag, 04.11.2010   11:24 Uhr

Washington - Die Erkenntnis ist ein Fortschritt auf der Suche nach ewigem Leben: Ob jemand im Alter noch gesund ist, hängt offenbar stark vom Erbgut ab. Darauf deuten die Ergebnisse einer Untersuchung unter den Amischen hin. Bei der weitgehend isoliert lebenden Glaubensgemeinschaft im Osten der USA kommen bestimmte Genvarianten demnach häufig bei Menschen vor, die auch mit über 80 Jahren noch körperlich und geistig fit sind.

Die betreffenden Gene befinden sich im Erbgut der Mitochondrien, die Körperzellen mit Energie versorgen und eine Schlüsselrolle bei verschiedenen Alterungsprozessen spielen. Das untermauere die Theorie, dass Gesundheit im hohen Alter mit einer Besonderheit im Mitochondrien-Erbgut einhergehe, berichteten William Scott von der University of Miami in Coral Gables und seine Kollegen auf der Jahrestagung der American Society of Human Genetics in Washington.

Die Amischen sind eine christliche Glaubensgemeinschaft, die in einzelnen Gemeinden in den USA und Kanada relativ abgeschieden von der Außenwelt lebt und viele technische Fortschritte ablehnt. Familie und Gemeinschaft haben dagegen einen besonders hohen Stellenwert. In einigen Gemeinden sind ungewöhnlich viele Menschen über 80 noch erstaunlich fit und werden selten krank.

Vorfahren aus Europa

Um herauszufinden, welche Erbfaktoren für diese Besonderheit verantwortlich sein könnten, untersuchten Scott und seine Kollegen die Gene von 263 Amischen, die 80 Jahre oder älter waren. Etwa ein Drittel von ihnen ordneten die Wissenschaftler als "erfolgreich alternd" ein: Sie brauchten im Alltag nur wenig Hilfe, zeigten keine Symptome von Depressionen und waren sehr zufrieden mit ihrem Leben. Die restlichen zwei Drittel der Versuchsteilnehmer wurden als Kontrollgruppe benutzt.

Die Forscher suchten nach einer bestimmten Gruppe von Erbinformationen in den Mitochondrien, die mit dem erfolgreichen Altern verbunden ist. Diese sogenannte Haplogruppe wird ausschließlich von der Mutter auf die Kinder vererbt. In bestimmten Volksgruppen treten deshalb typische Haplogruppen besonders häufig auf.

Weil die Amischen europäische Vorfahren haben, verglichen die Forscher die Genvarianten mit den in Europa verbreiteten Haplogruppen. Eine Variante ist unter den erfolgreich alternden Amischen demnach sehr weit verbreitet: 15 Prozent der rüstigen Senioren trugen die Haplogruppe X, aber nur zwei Prozent der Europäer und nur drei Prozent der Kontrollgruppe verfügten über dieses genetische Merkmal. Um aber zu verstehen, wie diese Erbfaktoren sich auf das Altern auswirken, sei weitere Forschung nötig, betonte Studienleiter Scott.

boj/dapd

insgesamt 40 Beiträge
Hilfskraft 04.11.2010
1. DNA-Analyse: Was die Amischen gesund altern lässt
da seit Beginn die Amisch untereinander kopulieren, sollte vielleicht mal die Frage gestellt werden, in wie weit die alle miteinander verwandt sind. Vielleicht ist das ja die Antwort? H.
da seit Beginn die Amisch untereinander kopulieren, sollte vielleicht mal die Frage gestellt werden, in wie weit die alle miteinander verwandt sind. Vielleicht ist das ja die Antwort? H.
rap 04.11.2010
2. ?
die materielle und soziale Lebesweise der Amishen finde ich (im Gegensatz zum meisten mir sonst bekannten, incl hier, Stichwort betriebsblind) vorbildlich. Über die Genetik derselben war mir bisher eher das hier bekannt: [...]
die materielle und soziale Lebesweise der Amishen finde ich (im Gegensatz zum meisten mir sonst bekannten, incl hier, Stichwort betriebsblind) vorbildlich. Über die Genetik derselben war mir bisher eher das hier bekannt: http://de.wikipedia.org/wiki/Amische#Gesundheit Also Genschäden durch Inzucht. Hätte den Artikel wohl ein bißchen verkompliziert ;) Merke: die real world ist fast beliebig komplex. Ich schätze eine gesunde Lebensweise ist der Schlüssel, wie bei den Amishen praktiziert: gesunde ackernahe Ernährung, viel Bewegung incl Schwitzen ;) Wenig Sitzen, kein (ökologisch tödliches) elektronisches Spielzeug. Stattdessen viel Gemeinschaft und gemeinsame Freude :) Die meisten modernen Menschen haben mehr Angst vor Schweiß (iih biologisch, bzw körperlich, der Körper ist nicht weniger wert als der Intellekt, Irrlehre) als vor radioaktiven oder chemischen Giften.... Dabei ist Bewegungsmangel die Todesursachen Nr.1. Herz- und Kreislaufkrankheiten. Zuviel Luxus tötet. So wie die Sitzheizung die Spermien.... Imho ist unsere sogenannte "Zivilisation" auf Sand gebaut. Man betrachte nur! mal die ökologischen Katastrophen in Zusammenhang mit den 3 großen B´s: Benzin, Baumwolle, Beton (6,5% des globalen CO2-Ausstoßes, Zementherstellung, Aushärtung) Etc etc Es gibt hier eigentlich nichts (was mir spontan einfallen würde) was man nicht wesentlich verbessern könnte. Und Kriege (um die letzten Ressourcen, die Erdölförderung geht schon zurück, bei steigendem Verbrauch) sind immer wesentlich teurer als präventive Änderungen der eigenen Lebensweise. Hin zu mehr echter Lebensqualität
Miguelito 04.11.2010
3. zu monokausal
Ich denke, daß diese Erklärung viel zu monokausal ist... eine bessere Ernährung (kein Fastfood) und mehr Bewegung tragen sicher eine ganze Menge zu den besseren Lebenserwartungen bei, ebenso die doch durch möglichst fern von [...]
Zitat von sysopDie Amischen*verzichten meist auf moderne Technik, leben weitgehend isoliert - und sind*im hohen Alter oft*erstaunlich fit. Jetzt glauben Forscher, das Gesundheits-Geheimnis der US-Glaubensgemeinschaft entdeckt zu haben: Es liegt in den Kraftwerken der Körperzellen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,727105,00.html
Ich denke, daß diese Erklärung viel zu monokausal ist... eine bessere Ernährung (kein Fastfood) und mehr Bewegung tragen sicher eine ganze Menge zu den besseren Lebenserwartungen bei, ebenso die doch durch möglichst fern von modernen Städten gelegenen Dörfer. Da entfällt dann das ständige Einatmen von Abgasen etc. Unter den Amish gibt es auch viele, die Alkohol und Tabak ablehnen, was die Lebenserwartung noch einmal verbessert.
Stanley365 04.11.2010
4. Was für ein Quark ...
Die Amish hängen nicht vor dem Fernseher oder PC ab, bewegen sich viel an der frischen Luft, ernähren sich i.d.R. ohne Industriefraß und schmeissen nicht bei jedem Wehwehchen sofort irgendeine Pille ein. Wen wundert's, daß die [...]
Die Amish hängen nicht vor dem Fernseher oder PC ab, bewegen sich viel an der frischen Luft, ernähren sich i.d.R. ohne Industriefraß und schmeissen nicht bei jedem Wehwehchen sofort irgendeine Pille ein. Wen wundert's, daß die fitter als der Durchschnitt sind ? Dafür die Gene zu bemühen, halte ich für konstruiert.
GM64 04.11.2010
5. 263 Untersuchte :)
Da die alle miteinander verwandt sind, haben sie auch ähnliche Gene. Denke auch, dass die Lebensweise wichtiger ist. Sie haben wenig Stress, leisten körperliche Arbeit, und fühlen sich gewollt und anerkannt. Es ist [...]
Zitat von MiguelitoIch denke, daß diese Erklärung viel zu monokausal ist... eine bessere Ernährung (kein Fastfood) und mehr Bewegung tragen sicher eine ganze Menge zu den besseren Lebenserwartungen bei, ebenso die doch durch möglichst fern von modernen Städten gelegenen Dörfer. Da entfällt dann das ständige Einatmen von Abgasen etc. Unter den Amish gibt es auch viele, die Alkohol und Tabak ablehnen, was die Lebenserwartung noch einmal verbessert.
Da die alle miteinander verwandt sind, haben sie auch ähnliche Gene. Denke auch, dass die Lebensweise wichtiger ist. Sie haben wenig Stress, leisten körperliche Arbeit, und fühlen sich gewollt und anerkannt. Es ist genau das Gegenteil von dem was wir in unserer Gesellschaft erleben. Hier fühlt sich jeder als überflüssig, muss sich schwer anstrengen und den Rest seiner Mitbürger von seiner Wichtigkeit überzeugen, und wird stets zu Alkohol, Tabletten, übermäßigem Verzehr und Zigaretten verführt.

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Das Erbgut

Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.

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